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| 16:09 Uhr

Interview
Ein Plädoyer für Bratwurst und Bier

Fußball, Bratwurst, Bier, Zusammensein – beim Amateurfußball geht es um mehr als nur Tore und Punkte.
Fußball, Bratwurst, Bier, Zusammensein – beim Amateurfußball geht es um mehr als nur Tore und Punkte. FOTO: stockcreations/Shutterstock.com
Cottbus. Brandenburgs Fußballfunktionäre drängen auf die Entlastung der Ehrenamtlichen. Ministerpräsident Woidke macht Zusagen. Von Jan Lehmann

Nein, sportgerechte Ernährung war beim zurückliegenden Verbandstag des Fußball-Landesverbandes Brandenburg in Cottbus kein ganz so großes Thema. In der Mittagspause gab es Wiener Würstchen und Chili con Carne, während der langwierigen Versammlung wurde zudem über Bratwurst und Bier gesprochen.

Doch der Verzicht auf ernährungsberatende Exkurse war angesichts der Vielfalt von Themen und Entscheidungen nachvollziehbar. Vielmehr standen die Bratwurst und das Bier symbolisch für das, was den Amateurfußball ausmacht: das Zusammensein.

Und das wird teilweise immer komplizierter. Der scheidende Präsident Siegfried Kirschen verdeutlichte: „Muss ich damit rechnen, dass jede Bratwurst und jedes Bier, die verkauft werden, um die Vereinskasse aufzubessern, das Finanzamt auf den Plan rufen, dann wird es nicht gelingen, neue Ehrenamtliche zu gewinnen.“

Ein Plädoyer für schwarze Kassen? Nein, wohl eher fürs Ehrenamt. DFB-Präsident Reinhard Grindel betonte: „Wir wollen niemanden schützen, der gegen das Gesetz verstößt.“ Aber an einigen Stellen gebe es durch die Prüfungen des Finanzamtes erhebliche Unsicherheiten. So forderte der DFB-Chef, dass die Außenprüfer des Finanzamtes doch von der Politik gesagt bekämen: „Seid Partner der Vereine.“

Eine Herangehensweise, die der Laubsdorfer Jens Cyrklaff begrüßen würde. Nach 18 Jahren gab er sein Amt als FLB-Schatzmeister ab. Sein persönlicher Höhepunkt sei die überstandene Betriebsprüfung durch das Finanzamt im Jahre 2016 gewesen, so Cyrklaff, bei dem man die Schweißperlen angesichts dieses arbeitsintensiven Vorgangs quasi noch erahnen konnte.

Sein Nachfolger, der Finsterwalder Sebastian Schulz, übernimmt einen verantwortungsvollen Job. Immerhin hat der beschlossene Verbandshaushalt für das kommende Jahr einen Umfang von etwa 1,2 Millionen Euro.

Angesichts dieser großen Summe gab es auch auf dem Verbandstag erneut Diskussionen um die Finanzlage. Immer wieder gibt es das Spannungsfeld zwischen ehrenamtlicher Arbeit und hauptamtlicher  Verantwortung. Doch der neue FLB-Präsident Jens Kaden betont im RUNDSCHAU-Interview: „Soll der Verband den Kreisen einiges abnehmen und diese bezahlen eine Gebühr dafür? Dann haben wir einen Aufschrei.“

Fußball im Land Brandenburg wird also auch in Zukunft nur mit viel Ehrenamt möglich sein. Zumindest wurde beim Verbandstag aber deutlich, dass die Politik die Sorgen der Vereine vernommen hat. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nahm den ihm von Siegfried Kirschen zugespielten Ball auf. Der Ex-Präsident hatte gefordert, dass beispielsweise Lehrgänge von Schiedsrichtern oder Trainern als Bildungsurlaub anerkannt werden sollten. Bei kleinen Betrieben müsse es zudem Ausgleichszahlungen geben, wenn die wegen der Vereinsarbeit auf ihre Angestellten verzichten würden. Während des Verbandstages wurde auch darüber diskutiert, ob Ehrenamtlichen für ihre Arbeit nicht möglicherweise auch Rentenpunkte gutgeschrieben werden könnten. Woidke versprach: „Wir müssen ständig hinterfragen, was wir tun können, um das Ehrenamt zu stärken. Wir müssen die Rahmenbedingungen setzen.“

Jens Cyrklaff gab beim FLB das Amt des Schatzmeisters 
nach 18 Jahren ab.
Jens Cyrklaff gab beim FLB das Amt des Schatzmeisters nach 18 Jahren ab. FOTO: Frank Hammerschmidt