ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:47 Uhr

Radsport
Brandenburger Wundertüte für Olympia 2020

Volle Konzentration – das Brandenburger Quartett mit (v.l.) Moritz Malcharek, Milan Henkelmann, Richard Banusch und Jonas Bokeloh.
Volle Konzentration – das Brandenburger Quartett mit (v.l.) Moritz Malcharek, Milan Henkelmann, Richard Banusch und Jonas Bokeloh. FOTO: Frank Hammerschmidt
Berlin. Das junge Team Brandenburg kämpft auch beim Weltcup in Berlin mit der Nervosität und verfehlt seine Ziele. Der langfristige Plan aber steht. Er soll 2020 zu Olympia nach Tokio führen. Von Frank Noack

Moritz Malcharek feuerte seine neongrünen Rennschuhe in die Ecke, Manager Steffen Blochwitz schüttelte enttäuscht den Kopf. Die Youngster vom Team Brandenburg konnten auch bei ihrem zweiten ­Auftritt auf der ­großen Radsport-Bühne die Erwartungen (noch) nicht erfüllen. Die Zeit von 4:07,159 Minuten bedeutete am Freitagmittag das Aus in der Vierermannschafts-Qualifikation beim Bahnrad-Weltcup in Berlin.

4:05 Minuten lautete die interne Vorgabe. Aber bereits nach der Hälfte der 4000-Meter-Distanz platzten die Träume, weil Jonas Bokeloh ­seinen Teamgefährten nicht mehr folgen konnte. „Das war nicht gut“, befand Manager Steffen Blochwitz. Und auch das Fazit von Trainer Heiko Salzwedel fiel kritisch aus: „Dass Bokeloh abreißen ­lassen muss, war nicht abzusehen und auch nicht geplant. Im Training war er stabil. Aber der Kopf der jungen Leute ist manchmal eine Wundertüte.“

Und irgendwie ist auch das gesamte Team eine Wundertüte. Es hat sich zum Ziel gesetzt, junge ­Talente an den Profisport heranzuführen und wird auch durch das Land Brandenburg gefördert. „Weltspitzenleistungen auf der Bahn sind unser erklärtes Ziel“, lautet der selbstformulierte Anspruch.

Dahinter steckt das Vorhaben, mindestens einen Fahrer zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu bringen. Im kommenden Jahr wird die Mannschaft von elf auf 14 Fahrer aufgestockt, um für den Spagat zwischen Bahn und Straße besser gerüstet zu sein. In diesem Jahr gelang dieser Spagat nur bedingt. Die für Sponsoren so wichtigen Ergebnisse auf der Straße konnte das Team nur selten einfahren, weil die Bahn sportliche Priorität genießt. Da die Saison­höhepunkte und damit auch der Trainingsaufbau völlig unterschiedlich sind, sollen die Bereiche Bahn und Straße künftig stärker getrennt werden. „Wir wollen beide Profile schärfen“, kündigt Manager Steffen Blochwitz an.

Und dabei gehen die Team-Verantwortlichen ganz bewusst neue Wege. Ihren Rennkalender für die  vor allem zu Trainingszwecken genutzten Einsätzen auf der ­Straße müssen die jungen Bahn-Fahrer künftig selbst planen.  „Wir setzen auf Eigenverantwortung und werfen die Jungs ganz bewusst ins kalte Wasser“, erklärt Trainer Heiko Salzwedel, der als Medaillenschmied weltweit einen hervorragenden Ruf genießt.

Moritz Malcharek und Jonas Bokeloh waren am Freitag in Berlin mit jeweils 22 Jahren die ältesten Fahrer im Brandenburg-Quartett. Es wurde komplettiert durch Richard Banusch (20) und den erst 18-jährigen Milan Henkelmann. Der Weg bis zu Olympia ist noch lang. Denn neben der Uhr kämpfen die Youngster auch mit ihrer Nervosität. Sie verhinderte genau wie bei der Weltcup-Premiere kürzlich in Paris auch diesmal im Velodrom eine bessere Platzierung. „Trotzdem ist es wichtig, dass wir hier dabei sind. Die Jungs können Weltcup-Luft schnuppern. Damit sind sie vielen Altersgefährten einen Schritt voraus“, meint Salzwedel.

Manager Steffen Blochwitz (l.) und Trainer Heiko Salzwedel fanden klare Worte.
Manager Steffen Blochwitz (l.) und Trainer Heiko Salzwedel fanden klare Worte. FOTO: Frank Hammerschmidt

Eigentlich wollte das Team beim Heim-Weltcup in Berlin mit einem spektakulären Vierer aus erfahrenen Sportlern und hoffnungsvollen Talenten an den Start gehen. Aber diese Pläne haben sich aus verschiedenen Gründen zerschlagen. Sprinter Maximilian Levy, der im Sommer bei den deutschen Meisterschaften seine viel beachtete Premiere als Anfahrer gefeiert hatte, wird im Kurzzeitbereich mehr denn je gebraucht und bekam kein grünes Licht für den Ausdauer-Vierer. Dabei gab es beim Team Brandenburg insgeheim sogar den Plan, Levy für den Olympia-­Vierer 2020 aufzubauen. Routinier Henning Bommel fehlte in Berlin wegen eines Bundeswehr-Lehrgangs.

Die Zukunft gehört so oder so den jungen Fahrern um Moritz Malcharek. Er gehört zu den Kandidaten für den olympischen Omnium-Wettbewerb 2020. Im Oktober setzte er mit seinem Sieg im Punktefahren beim Weltcup in Kanada ein Ausrufezeichen. Richard Banusch liebäugelt  mit einem Platz im Vierer für die Mannschafts-Verfolgung.  „Unsere Jungs sind auf gutem Weg, aber sie brauchen natürlich noch Zeit“, betont Trainer Heiko Salzwedel. Auch Steffen Blochwitz schluckte die Enttäuschung über den verpatzten Auftritt im Velodrom mit etwas Abstand dann herunter. „Wir sind ein extrem junges Team. Rückschläge und Misserfolge haben wir ein­kalkuliert“, betont der Manager.