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| 02:39 Uhr

Bloß nicht schon wieder eine "Brille"

Nach dem Coup gegen den Weltranglisten-Ersten Andy Murray wartet nun der nächste Hochkaräter auf Mischa Zverev.
Nach dem Coup gegen den Weltranglisten-Ersten Andy Murray wartet nun der nächste Hochkaräter auf Mischa Zverev. FOTO: dpa
Melbourne. Auf den größten Sieg folgt für Mischa Zverev an diesem Dienstag gleich das bedeutendste Match seiner Tennis-Laufbahn. Gegen Roger Federer bestreitet der Hamburger sein erstes Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. An das letzte Aufeinandertreffen erinnert er sich ungern. Robert Semmler / dpa/noc

Es kann für Mischa Zverev im größten Match seines bisherigen Tennis-Lebens gegen Roger Federer nur besser werden als beim vorigen Mal. Vor dem Viertelfinale der Australian Open an diesem Dienstag (9 Uhr MEZ/Eurosport) in Melbourne erinnert sich der 29-Jährige nicht gern an das letzte der bisher zwei Duelle. 2013 erlebte der Hamburger im Viertelfinale in Halle den Albtraum eines jeden Tennisspielers. Beim 0:6, 0:6 bekam Zverev die Höchststrafe verpasst - im Tennis wegen der Doppel-Null auch "Brille" genannt.

Nach dem Sensations-Coup gegen den Weltranglisten-Ersten Andy Murray spricht alles dafür, dass Zverev diesmal einen besseren Durchblick gegen Federer hat. Die Erinnerung an das Match gegen die langjährige Nummer eins ist natürlich noch da. "Ich habe schon mal gegen Federer gespielt, als der eins oder zwei stand, und eine Klatsche gekriegt in Halle", sagte Zverev. Trotzdem sprach er von einem Traum, nun erneut gegen den langjährigen Branchenführer zu spielen.

Federer gibt nichts auf das Ergebnis von damals: "Das wird ein anderes Spiel." Ungewohnt stürmisch - mit einem Luftsprung und einem Jubelschrei - hatte der Grand-Slam-Rekordsieger seinen Achtelfinal-Erfolg bejubelt. Den Fünf-Satz-Sieg über den Japaner Kei Nishikori bezeichnete Federer als großen und speziellen in seiner Karriere. Nach seiner eigenen halbjährigen Verletzungspause wegen Knieproblemen haben dem auf Rang 17 der Weltrangliste abgerutschten Maestro die vergangenen Erfolge über den Tschechen Tomas Berdych und Nishikori gezeigt, dass er physisch und spielerisch schon wieder ein ganz hohes Niveau erreicht hat. Und nach dem Aus von Titelverteidiger Djokovic und Murray ist für Federer plötzlich der 18. Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier keine unrealistische Möglichkeit mehr.

Im ersten Duell gegen Federer in Rom 2009 hielt sich Zverev beim 6:7 (3:7), 2:6 wacker. Spannend wird, ob er nach dem Coup gegen Murray die Spannung aufrechterhalten kann. Nach seinem ersten über raschenden Erfolg über den US-Amerikaner John Isner war ihm das gut gelungen. Boris Becker hatte ihn nach dem Drittrunden-Erfolg über den Tunesier Malek Jaziri ermahnt, trotz aller Freude auf dem Boden zu bleiben. "Ich hoffe, dass ich das wieder auf die Beine bekomme", sagte Zverev. Über den Sieg gegen Murray freute sich der Hanseate mit russischen Wurzeln eher still. Um ihn herum sei die Stimmung ruhig und gelassen, berichtete er, aus der Heimat gibt es nicht viel Ablenkung. "Mein deutsches Handy ist gerade ein bisschen kaputt. Und die andere Nummer haben nicht so viele", berichtete Zverev.

Das ganze Drumherum, auf einem Centre Court gegen einen Top-Star zu spielen, hat er gerade gegen Murray und im vorigen Jahr in Schanghai gegen Djokovic erlebt. Deswegen kann er sich am Dienstag vor den 15 000 Zuschauern in der Rod-Laver-Arena ganz auf seine Devise konzentrieren: "Ich sag mir immer nur: Treff einfach die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment und sei mutig."