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Bleibt der Motorsport auf der Strecke?

Gibt es ein Wiedersehen mit den Piloten vom Red Bull Air Race am Lausitzring? Diese Frage muss ab November der neue Ring-Besitzer, die Dekra, beantworten.
Gibt es ein Wiedersehen mit den Piloten vom Red Bull Air Race am Lausitzring? Diese Frage muss ab November der neue Ring-Besitzer, die Dekra, beantworten. FOTO: Red Bull Content Pool
Klettwitz. Mit dem Red Bull Air Race könnte die Motorsport-Ära am Lausitzring zu Ende gegangen sein. Doch es tut sich was beim neuen Besitzer Dekra. Die DTM soll 2018 fahren – und auch die Chancen auf ein Wiedersehen mit den waghalsigen Piloten sind gar nicht so schlecht. Jan Lehmann

So deftige Worte ist man aus den Reihen des Hochglanzkonzerns Red Bull eigentlich nicht gewöhnt. Umso eindrucksvoller waren die abschließenden Bemerkungen des Leiters der Pressekonferenz nach dem Red Bull Air Race auf dem Lausitzring. Er verabschiedet sich im Namen seiner Kollegen von der Strecke, bedankte sich bei allen Helfern - und legte los: Die Flug-WM habe am Lausitzring das aufregendste Rennen des Jahres erlebt, vor einer tollen Kulisse. Dass diese - O-Ton - "legendäre Rennstrecke" jetzt nicht mehr für Motorsport-Veranstaltungen genutzt werden soll, sei "eine Schande", so der Sprecher. Keine Frage: Der Verkauf des Lausitzrings an die Dekra, die ab November der neue Besitzer ist und künftig in Klettwitz ein Testzentrum für automatisiertes Fahren errichten will, war auch während des Flugspektakels das große Thema. Weltmeister Matthias Dolderer, der sich als Fan des Lausitzrings bezeichnet, sagte ernüchtert: "Wenn es einen neuen Betreiber gibt, wird es sehr schwierig." Doch wird es das wirklich? Noch immer ist nicht bekannt, wie es in Sachen Rennsport weiter geht. Das gut besuchte Red Bull Air Race hat noch einmal gezeigt, was der Region verloren gehen würde. Die RUNDSCHAU stellt die bewusst doppeldeutige Frage: Bleibt der Motorsport auf der Strecke?

Deutsches Tourenwagen Masters (DTM): Keine Frage, die Dekra hat als Großsponsor und technischer Partner der größten nationalen Rennserie - und das schon seit 1989 - gewiss ein Interesse daran, dass die DTM auch 2018 auf dem Lausitzring fährt. Eine klare Aussage gibt es auch vonseiten der ITR, dem DTM-Veranstalter. Deren Sprecher Lorenz Liechti hatte direkt nach dem Bekanntwerden des Betreiberwechsels erklärt: "Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass die Übernahme keine Auswirkungen auf eine DTM-Veranstaltung im kommenden Jahr hat." An dieser Haltung hat sich bisher nichts geändert. Auch DTM-Chef Gerhard Berger ist ein Fürsprecher. Er hatte bei seinem Besuch im Mai begeistert gesagt: "Das ist eine gigantische Strecke." Aus der Dekra-Zentrale in Stuttgart gibt es zum Thema DTM zurückhaltende Zustimmung. Und auf der Firmenwebseite betont der zukünftige Lausitzring-Besitzer: "Dekra und die DTM - das gehört einfach zusammen." Der "rbb" meldete am Dienstag, dass die DTM definitiv auf dem Lausitzring fahren werde. Einziger noch offener Punkt in den Verhandlungen sei ein gültiger Mietvertrag. Der könne aber erst im November, nach dem Betreiberwechsel, unterschrieben werden. Allerdings: Mit dem Ausstieg von Mercedes nach der Saison 2018 steht die DTM insgesamt vor einem schwierigen Scheideweg. Nicht wenige rechnen damit, dass die Rennserie komplett beendet wird. So könnte es womöglich 2018 die Abschiedsvorstellung am Lausitzring geben.

RUNDSCHAU-Prognose: Wiedersehens-Chance bei 90 Prozent.

ADAC GT Masters: Auch hier ist die Dekra ein wichtiger Partner. "Kaum eine andere Serie macht faszinierende Automobil-Technik für den Fan sowohl optisch als auch akustisch so eindrucksvoll erlebbar wie das ADAC GT Masters", sagt Sabine Knaupp, Leiterin Marketing Dekra Automobil GmbH. Damit sie die "zu Recht so genannte ,Liga der Traumwagen'" eine perfekte Präsentations-Plattform für Europas führende Sachverständigenorganisation. Außerdem wichtig: Der ADAC Berlin-Brandenburg zeigt sich kämpferisch und will seine Heimstrecke, den Lausitzring, für den Motorsport erhalten - zur Not auch als alleiniger Veranstalter.

RUNDSCHAU-Prognose: Wiedersehens-Chance bei 75 Prozent.

Red Bull Air Race: Die Chancen, dass das Flugspektakel noch einmal in die Lausitz zurückkehrt, stehen trotz der deftigen Worte zum Abschied gar nicht so schlecht. Zwar ist der Rennkalender fürs Jahr 2018 schon vorläufig festgelegt - und der Lausitzring ist darin nicht zu finden. Doch das war im vergangenen Jahr genauso. Gibt es also ein Wiedersehen 2018? Erich Wolf, General-Manager des Rennens, erklärte in Klettwitz: "Das ist eine Frage, die sich mit dem neuen Eigentümer vielleicht in den nächsten Monaten stellen kann." Grundsätzlich dürften beide Seiten ein Interesse an der Fortführung haben. Red Bull, weil die Rennstrecke ideale Bedingungen für Piloten und Zuschauer bietet. Beste Voraussetzungen, den so lukrativen Energy-Drink ein Wochenende lang mit Spannung und Show ins rechte Werbelicht zu rücken. Und für den neuen Ringbetreiber, die Dekra, ist Red Bull auch ein idealer Partner. Schließlich hat die Prüfgesellschaft angekündigt, die Strecke gern an Veranstalter vermieten zu wollen, wenn die ihre Rennsport-Events alleine organisieren. Genau das macht der Brause-Gigant

RUNDSCHAU-Prognose: Wiedersehens-Chance bei 60 Prozent.

Superbike-WM: Zwischen Lausitzring-Eigentümer Dekra und Superbike-WM-Promoter Dorna gab es bereits Gespräche. Dorna-Direktor Daniel Carrera erklärte gegenüber dem Magazin "Speedweek": "Es gibt das gemeinsame Interesse, den Lausitzring und Deutschland im Kalender zu behalten. Die Dekra muss Unterstützung für die sportliche Ausrichtung und die finanzielle Absicherung des Events finden." Dafür soll der ADAC Berlin-Brandenburg ins Boot geholt. Horst Seidel, Leiter Motorsport beim Landesverband, bekundete das Interesse. Seine Meinung: "Wenn am Lausitzring keine Rennsportveranstaltungen mehr stattfinden, verfällt die Rennstrecke." Ganz so dramatisch ist es vielleicht nicht, schließlich will die Dekra etwa 30 Millionen Euro am Ring investieren, um das Testzentrum zu errichten. In Sachen Motorsport bleibt aber die große Frage: Wird die Dekra auch die für den Rennsport dringend benötigte Asphalterneuerung in Angriff nehmen? Nur mit der Streckenrenovierung würde die Superbike-WM wohl zurückkehren - zu groß war zuletzt die Kritik der Fahrer an der Strecke.

RUNDSCHAU-Prognose: Wiedersehens-Chance bei 30 Prozent.

Und sonst noch? Die Dekra ist außerdem als Sponsor der Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga im Einsatz. Zudem ist die Prüfgesellschaft seit April 2010 der Premium Partner des Porsche Tennis Grand Prix der Damen in Stuttgart. Beides Aktivitäten, die dem Lausitzring wohl eher nicht zugutekommen. Inwieweit indes das automatisierte Fahren auch noch mit Elektro-Mobilität in Verbindung gebracht wird, muss man abwarten. Aus der Sicht der Motorsportfans könnte so bestenfalls auch noch die Formel E an den Lausitzring kommen. In dieser Rennserie mit Fahrern wie Nick Heidfeld, die meist in Großstädten unterwegs ist, will ab 2019 auch Mercedes groß mitmischen.