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| 02:40 Uhr

Besondere EM-Tests: Gedenken, Trauer, Rückschläge für Favoriten

Vor dem Spiel der Belgier gegen die Portugiesen (1:2) um Cristiano Ronaldo (r.) wurde der Opfer von Brüssel gedacht.
Vor dem Spiel der Belgier gegen die Portugiesen (1:2) um Cristiano Ronaldo (r.) wurde der Opfer von Brüssel gedacht. FOTO: dpa
Düsseldorf. Es war kein Testspiel-Abend wie jeder andere. Im Schatten der verheerenden Anschläge von Brüssel und Paris gelang den Fußballern von EM-Gastgeber Frankreich sportlich die Rückkehr ins Stade de France – bei Mitfavorit Belgien gab es gemischte Gefühle. dpa/jam

"Marc Wilmots sollte sich die Frage stellen, ob es eine gute Idee war, diese Partie zu spielen", kommentierte die Zeitung "Le Soir" am Mittwoch die 1:2-Niederlage in Portugal. Der Nationaltrainer fahre mit "mehr Fragen als mit Antworten nach Hause" und müsse hoffen, dass die Niederlage "nicht die Moral der Truppe" herunterziehe.

Die Partie war nach den Selbstmord-Anschlägen von Brüssel ins portugiesische Leiria verlegt worden und stand im Zeichen der Trauer um die Toten. "In Gedenken an alle Opfer, Brüssel 22. März 2016", stand auf den Trainingsshirts, die Belgiens Profis beim Aufwärmen trugen. Das Tor für die ohne mehrere Stammspieler angetretenen Gäste erzielte Romelu Lukaku (62. Minute). Nani (10.) und Cristiano Ronaldo (40.) trafen für Portugal. "Mit unserer ersten Halbzeit bin ich überhaupt nicht zufrieden. Danach haben wir Charakter und mehr Stabilität gezeigt", urteilte Belgiens Auswahlcoach Wilmots.

EM-Testlauf im Stade de France

Besser gelang es Frankreichs Spielern beim 4:2 gegen Russland, sich vier Monate nach der Terrornacht bei der Rückkehr in das Stade de France von der emotionalen Last und den bedrückenden Begleitumständen zu befreien. "Es gibt viele gute Punkte, aber es war noch nicht alles perfekt", urteilte der französische Nationaltrainer Didier Deschamps.

Immerhin kann die "Equipe Tricolore" mit sieben Siegen in den letzten acht Partien eine starke Bilanz vorweisen. "Das gibt Ruhe und Vertrauen, aber die Zähler werden auf null gestellt vor dem ersten Spiel bei der Euro am 10. Juni gegen Rumänien", mahnte der Coach. Das Länderspiel vor den Augen von Staatspräsident François Hollande war auch ein Testlauf für die Sicherheitsvorkehrungen bei der EM.

Wie schnell es nach Höhenflügen Rückschläge gehen kann, erlebten Deutschland-Bezwinger England, Österreich und die Schweiz. "England ist wieder auf die Erde gestürzt", titelte die britische "Daily Mail" nach dem 1:2 gegen die nicht für die EM qualifizierten Niederländer. Auffälligster Spieler im Wembley-Stadion beim Gastgeber war Jamie Vardy, der die Führung erzielte und obendrein für den Hackentrick-Treffer beim 3:2 gegen die DFB-Elf in Berlin gefeiert wurde.

Tragische Figur im österreichischem Team war Torwart Ramazan Özcan, der mit einem kuriosen Patzer die 1:2-Pleite gegen die Türkei verschuldete. "Das war ein Fehler von mir, da gibt es kein Wenn und Aber", gab der Ingolstädter zu. Özcan hatte in der 56. Minute Arda Turan den Ball vor die Füße gespielt und wurde überlupft. "Deswegen brauchen wir die Köpfe nicht hängen lassen", sagte der Ex-Bremer Marko Arnautovic. Nach dem gefeierten Siegeszug in der EM-Qualifikation gewinnt Kapitän Christian Fuchs der Niederlage auch Positives ab: "Es ist gut zu sehen, dass nicht alles hundertprozentig läuft. Wir wissen nun, dass nicht alles von alleine geht."

Dies ist dem Schweizer Nationalcoach und Nachfolger von Ottmar Hitzfeld, Vladimir Petkovic, nicht erst seit dem 0:2 gegen Bosnien-Herzegowina bewusst. Schon das erste Testspiel des Jahres hatten die Eidgenossen mit 0:1 gegen Irland verloren. Griechenland unterlag dem EM-Starter Island mit 2:3.