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Bedrohungen und Beschimpfungen bei Dynamo

Torlos, ratlos: Zlatko Dedic
Torlos, ratlos: Zlatko Dedic FOTO: dpa
Dresden. Seit November hat Dynamo Dresden in der 2. Liga keinen Dreier mehr geholt. Während die Stimmung dennoch lange Zeit positiv war, geht sechs Spieltage vor Saisonschluss die Abstiegsangst um. Die Stimmung droht vor dem Spiel in Cottbus zu kippen. dpa/noc

Die Fans toben und beschimpfen die eigenen Spieler: Angesichts von nur noch sechs Spielen und der größer werdenden Abstiegsangst spitzt sich die Stimmung bei Zweitligist Dynamo Dresden immer mehr zu. Nach dem torlosen Unentschieden gegen Sandhausen mussten sich die Spieler am "K-Block" von den Fans wüst beleidigen und bedrohen lassen. Mit 27 Punkten aus 28 Spielen und sechs Zählern Rückstand zum rettenden Ufer ist die Lage mehr als bedrohlich, denn seit fast exakt vier Monaten warten Mannschaft, Trainer und Fans auf den nächsten Sieg.

"Die Szenen nach dem Spiel stimmen mich nicht zufrieden. Wenn jemand den Klassenerhalt schafft, dann sind das unsere Spieler. Wenn die eigenen Fans sich gegen die eigenen Spieler stellen, dann wird sich der eine oder andere Verein freuen, weil es genau das ist, was wir nicht gebrauchen können", mahnte Coach Olaf Janßen nach den unschönen Vorkommnissen. "Ich kann verstehen, dass es wehtut, so lange keinen Sieg errungen zu haben. Aber wir werden es nur gemeinsam schaffen. In dem Moment, wo sich die eigenen Fans extrem gegen die eigene Mannschaft stellen, geht der Schuss nach hinten los", erklärte Janßen. Der 47-Jährige musste selbst zum Megafon greifen und die aufgebrachten Anhänger beruhigen: "Ich habe versucht zu sagen, dass es nur gemeinsam geht. In dem Moment, wo wir uns gegenüber stehen und nicht miteinander kämpfen, wird es schwierig."

Vor allem den ausländischen Spielern sprechen die Anhänger den Willen ab, sich im Abstiegskampf zu zerreißen. Die Entwicklung der Stimmung im Fanlager ist kaum verwunderlich, trat doch der neue Aufsichtsrat im November mit der klaren Aussage an, man wolle endlich wieder vermehrt auf Regionalität setzen und nicht eine "Mannschaft aus aller Herren Länder zusammenkaufen", wie es Aufsichtsratschef Thomas Blümel formuliert hatte.

Das dürfte wohl auch den Spielern nicht entgangen sein, die vor zwei Jahren nach einer überraschend guten ersten Saison in der 2. Liga noch als Helden gefeiert wurden.

Für den Fall einer Niederlage in Cottbus am Freitag haben die Fans den Profis angedroht, dass es für sie dann "heiß" werden könnte. In der vergangenen Saison, als Dynamo den Ligaverbleib erst in der Relegation sicherte, blieb es bei den Protesten vor dem Stadion und einem Empfang der Fans nach einem Auswärtsspiel. Dass die Anhänger aber auch anders können, bewiesen sie 2008, als sie elf grabähnliche Löcher über Nacht in den Trainingsplatz gruben und sie mit Kreuzen versahen.