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Bayern-Bosse werden unruhig

Ratlose Bayern beim Audi-Cup in der Allianz-Arena. Mats Hummels gestikuliert in der mit 0:3 verlorenen Partie gegen den FC Liverpool auf dem Platz.
Ratlose Bayern beim Audi-Cup in der Allianz-Arena. Mats Hummels gestikuliert in der mit 0:3 verlorenen Partie gegen den FC Liverpool auf dem Platz. FOTO: dpa
München. Ein frustrierter Thomas Müller rang gerade vor einer großen Reporterschar um Erklärungen für das nächste Testspielversagen des FC Bayern, als sich der neue Sportdirektor auf leisen Sohlen aus der Münchner Fußball-Arena stehlen wollte. "Heute nicht, morgen", sagte Hasan Salihamidzic nur kurz. Klaus Bergmann / dpa/bl

Nach dem 0:3 gegen einen starken FC Liverpool mochte der Nachfolger von Sportvorstand Matthias Sammer nicht gleich am ersten Arbeitstag in einem unerfreulichen Moment öffentlich Position beziehen. Der Sportchef duckte sich lieber weg.

Klartext sprach dafür am Dienstagabend sein direkter Vorgesetzter. Und Karl-Heinz Rummenigge ließ nach dem klar verpassten Einzug ins Finale des Audi Cups zwischen den Zeilen erahnen, dass beim deutschen Rekordmeister die Nervosität zunimmt. "Wir müssen schnell die Kurve kriegen, keine Frage", sagte der Vorstandschef in der ARD.

Vier von fünf Härtetests gegen internationale Gegner wurden jetzt verloren. Kurz vor dem Prestigeduell im Supercup am Samstag gegen Borussia Dortmund ist das ein schlechtes Vorzeichen. "Der Supercup wird von uns sehr wichtig genommen", sagte Rummenigge. Mit Blick auf den Ligastart gegen Bayer Leverkusen fügte er hinzu: "Es sind noch zweieinhalb Wochen bis zum Saisonstart, aber die sind auch schnell vorbei." Und in Bezug auf den neuen Sportdirektor sagte Rummenigge noch: "Arbeit ist genug da für ihn, nach so einem Spiel erst recht."

Die Bayern-Bosse werden unruhig. Der Trainer beschwichtigt noch. Die Saisonvorbereitung war für Carlo Ancelotti bislang inklusive der Asienreise problematisch. "Unser Ziel ist es, am 18. August in bester Verfassung zu sein", wiederholte der Italiener erneut. Aber er rügte trotzdem Einstellung und Teamgeist gegen einen FC Liver pool, der durch Sadio Mané, Mohamed Salah und Daniel Sturridge dreimal hart zuschlug. "Wenn du gegen Bayern 3:0 gewinnst, ist fast alles super", kommentierte Liver pools deutscher Trainer Jürgen Klopp vergnügt.

Es war sogar schlimmer als das 0:4 in China gegen den AC Mailand. "Wir haben es über die gesamte Spielzeit nicht geschafft, als Einheit aufzutreten", sagte Müller, ein besorgniserregender Zustandsbericht. Es fehlt ein Grundniveau, eine Balance im Spiel, die Passsicherheit.

"Es geht auf und nieder. Aber das Ziel des FC Bayern ist, dass es nicht auf und nieder geht, sondern eine konstante Erfolgsserie gibt", erklärte Müller. Klar, noch ist alles Vorgeplänkel. "Es ist nichts Schlimmes passiert, aber wir sind gewarnt", sagte der Kapitän.

Die Führungskräfte Philipp Lahm und Xabi Alonso sind nicht mehr da. Neuzugang James Rodríguez zündet nicht und fällt zudem mit einer Muskelverletzung im hinteren rechten Oberschenkel für längere Zeit aus. Einige Personalien geben Rätsel auf. Ancelotti musste Arjen Robben und Jérôme Boateng auch für das Spiel um Platz drei am Mittwoch gegen den SSC Neapel abmelden. "Sie sind noch nicht in Topverfassung", sagte der Italiener. Gegen Dortmund im Supercup soll das Duo aber bereit sein. Tatsächlich?

Müllers Ausblick auf den nationalen Fußball-Gipfel fiel eindeutig aus: "Wir haben am Samstag ein Spiel, wo es das erste Mal richtig ums Ergebnis geht." Und um den ersten kleinen Titel der neuen Saison.

Zum Thema:
Der FC Bayern München ist bei seinem Heimturnier nur Letzter geworden. Einen Tag nach dem Testspiel-Flop gegen Jürgen Klopps FC Liverpool unterlag ein besseres Nachwuchsteam der Münchner dem SSC Neapel im Spiel um Platz drei verdient mit 0:2 (0:1). Die 66 000 Zuschauer in der Allianz Arena klatschten dem deutschen Meister für seinen Einsatz beim Audi Cup dennoch während der Partie Beifall. Nach dem Schlusspfiff aber gab es ein Pfeifkonzert der zahlenden Besucher. Kalidou Koulibaly (14. Minute) und Emanuele Giaccherini (55.) fügten der Mannschaft die nächste Niederlage zu. Das Finale gewann Atlético Madrid im Elfmeterschießen gegen Li ver pool mit 5:4. Nach 90 Minuten hatte es 1:1 gestanden. (dpa/bl)