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Bardet jubelt in den Pyrenäen – Froome wackelt

Der Franzose Romain Bardet lässt die "Grande Nation" vom ersten Tour-Sieg seit 32 Jahren träumen.
Der Franzose Romain Bardet lässt die "Grande Nation" vom ersten Tour-Sieg seit 32 Jahren träumen. FOTO: dpa
Peyragudes. Geschlagen, entkräftet und mit leerem Blick rollte Chris Froome in der dünnen Pyrenäen-Luft zum Sky-Teambus, dagegen versetzte Romain Bardet die französischen Gastgeber in Ekstase. Der 27 Jahre alte Publikumsliebling verteilte am Donnerstag nach seinem Triumph auf der zwölften Etappe in Peyragudes Handküsse, stieß Jubelschreie aus und schlug immer wieder die Hände vor das Gesicht. dpa/noc

Mehr denn je darf die "Grande Nation" vom ersten Tour-de-France-Sieg seit Bernard Hinault vor 32 Jahren träumen, auch wenn vorerst der Italiener Fabio Aru ins Gelbe Trikot geschlüpft ist.

"Ich bin jetzt näher am Gelben Trikot. Es war ein idealer Tag für mich. Der Sieg ist möglich", sagte Bardet, der einen Tag vor dem Nationalfeiertag womöglich die Wachablösung eingeleitet hat.

Auf dem letzten der 214,5 Kilometer stürmte Bardet zum Sieg, nur der zweitplatzierte Rigoberto Uran (Kolumbien) und Aru konnten ihm folgen. Titelverteidiger Froome kam indes kaum mehr von der Stelle und verlor 22 wertvolle Sekunden. Damit entwickelt sich die 104. Frankreich-Rundfahrt zu einem Sekunden-Krimi. Aru liegt nun sechs Sekunden vor Froome und 25 Sekunden vor Bardet. Auch Uran ist 55 Sekunden zurück in Schlagdistanz. Doch das Momentum spricht für Bardet, dem Vorjahreszweiten und großen Hoffnungsträger. "Es bleiben noch drei schwere Etappen. Ich werde weiter versuchen, Sekunden gut zu machen", sagte der AG2R-Kapitän.

Muss er auch, denn Spitzenreiter ist vorerst Aru, der sich noch auf der Königsetappe am Sonntag mit seinem hinterhältigen Angriff gegen Froome unbeliebt gemacht hatte.

"Es ist die schönste Sache, die einem im Leben passieren kann. Es wird nicht leicht sein, das Trikot zu verteidigen", schwärmte Aru. Gut möglich, dass die Tour am Donnerstag den Generationenwechsel erlebte. Aru (27) und Bardet (26) versprühen Leichtigkeit und Frische, der 32-jährige Froome wirkt dagegen längst nicht mehr so spritzig und angriffslustig. "Ich habe mein Maximum gegeben, hatte heute aber nicht die besten Beine. Es bleiben aber noch neun Etappen. Gratulation an Bardet und Aru", sagte Froome, der zum 51. und vorerst letzten Mal Gelb bei der Tour getragen hatte.

Nur ein kleiner Einbruch oder doch mehr? Die Schwäche im 1580 Meter hoch gelegenen Ziel auf dem Peyragudes, der 1997 als James-Bond-Kulisse diente, überraschte. Denn zuvor hatten Froome und seine verbliebenen Teamkollegen mit Tempoverschärfungen dafür gesorgt, dass der zweimalige Tour-Zweite Nairo Quintana und Altmeister Alberto Contador zurückfielen und viel Zeit verloren. Der letzte Ausreißer Stephen Cummings war acht Kilometer vor dem Ziel eingeholt worden. Der höher ein geschätzte deutsche Ex-Meister Emanuel Buchmann konnte dem Tempo der Favoriten im Finale ebenfalls nicht mehr folgen und erreichte das Ziel 5:44 Minuten zurück auf Platz 23.