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Turnen
Das Zaubern und Zittern der Königinnen

Weltmeisterin Pauline Schäfer zeigte eine fehlerfreie Übung und präsentierte sogar ihren „Schäfer-Salto“.
Weltmeisterin Pauline Schäfer zeigte eine fehlerfreie Übung und präsentierte sogar ihren „Schäfer-Salto“. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Cottbus . Balken-Weltmeisterin Schäfer und Olympiasiegerin Wevers trumpfen in Cottbus auf – doch eine Turnerin ist sogar noch besser. Von Jan Lehmann

Zaubern und zittern auf zehn Zentimetern: das Duell der Weltmeisterin und der Olympiasiegerin am Schwebebalken war am Freitag der Höhepunkt beim zweiten Qualifikationstag beim Turnier der Meister in Cottbus. Dass Weltmeisterin Pauline Schäfer aus Chemnitz und die niederländische Olympia-Goldmedaillengewinnerin Sanne Wevers beide das Finale am Sonntag erreichten, ist keine Überraschung. Doch beide Sportlerinnen zeigten auch, dass dieser Schwebebalken halt immer ein Zittergerät bleiben wird.

Das „Duell der Königinnen“, wie dieses erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahentinnen nach der WM in Montreal beworben worden ist, endete mit einem klitzekleinen Vorteil für Wevers. Sie war mit 13.700 Zählern ein Zehntel besser als ihre deutsche Kontrahentin. Die Olympiasiegerin präsentierte eine eindrucksvolle Übung, bei einem kleinen Wackler musste das Publikum in der für einen Qualifikationstag bestens gefüllten Lausitz-Arena allerdings kurz den Atem anhalten. Doch Wevers zeigte ihre Klasse und blieb auf dem Gerät.

Schon beim Einturnen hatte Pauline Schäfer ganz genau hingeschaut, was die Olympiasiegerin da für bemerkenswerte Drehungen auf den Balken zaubert. Selber hatte die deutsche Weltmeisterin beim Warmmachen noch etwas gewackelt, dann aber im Wettkampf keine Schwäche und sogar ihren „Schäfer-Salto“ gezeigt. An dieses Element wagt sich am Balken sonst bisher niemand. Entsprechend euphorisch war der Beifall und Schäfers Nationalmannschaftskollegin Kim Bui, die in diesem Jahr als Expertin am Hallenmikrofon im Einsatz ist, rief: „Pauline, das war super!“

Wohl wahr, denn für die Weltmeisterin geht es in Cottbus schließlich auch darum, mit ihrem neuen Bekanntheitsgrad umzugehen. Nach dem WM-Titel steht sie voll im Fokus der Öffentlichkeit – auch in der Lausitz. Pauline Schäfer bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU: „Man merkt, dass die Erwartungshaltung sehr, sehr hoch ist, viel höher als vorher. Ich versuche aber, es wie vor dem WM-Titel anzugehen, und mir nicht so viel Druck zu machen.“

Cottbus ist dafür die erste internationale Prüfung nach der WM in Montreal. Die meisterte die 20-Jährige am Freitag souverän. Mit einer sehr schwungvollen Kür qualifizierte sie sich auch am Boden sicher fürs Finale und wird somit am Sonntag an zwei Geräten zu sehen sein. Ihr Fazit: „Ich hatte zuletzt nicht so viel Zeit fürs Training, daran gemessen lief es sehr gut. Ich bin zufrieden. Jetzt geht es darum, noch einen guten Abschluss in diesem Jahr zu schaffen. Ich merke, dass die Kraft langsam erschöpft ist.“

Das Hauptaugenmerk des Publikums dürfte auch am Sonntag auf dem Schwebebalken-Duell liegen: Weltmeisterin gegen Olympiasiegerin, doch es wird wohl kein Zweikampf werden. Die Russin Maria Kharenkova gewann die Qualifikation mit überragenden 14.250 Punkten. Das sind sieben Zähler mehr als Pauline Schäfer im WM-Finale für Gold gereicht hatten. Gut möglich, dass am Sonntag also eine neue Königin am Zittergerät gekrönt wird.

Olympiasiegerin Sanne Wevers hat zwar einen kleinen Wackler in der Übung, bekam aber trotzdem ein Zehntel mehr als ihre Kontrahentin.
Olympiasiegerin Sanne Wevers hat zwar einen kleinen Wackler in der Übung, bekam aber trotzdem ein Zehntel mehr als ihre Kontrahentin. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank