ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:24 Uhr

Radsport
„Ich fahre nicht wegen des Anzugs nach Tokio“

Erfolgreicher Routinier: Maximilian Levy spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in den Planungen von Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel.
Erfolgreicher Routinier: Maximilian Levy spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in den Planungen von Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Bahnrad-Sprinter Maximilian Levy lässt offen, ob er bis zu den Olympischen Spielen 2020 weitermacht. Der Cottbuser nennt seine Forderungen an den BDR. An diesem Samstag könnte es eine weitere Ehrung geben. Von Frank Noack

Wenn an diesem Samstag die Brandenburger Sportler des ­Jahres 2018 gekürt  werden, dann gehört Maximilian Levy bei der Gala in Potsdam auch diesmal wieder zu den Kandidaten für die vorderen Plätze – so wie in fast jedem Jahr. 2013 durchbrach Levy die Phalanx von Seriensieger Sebastian Brendel und holte diesen Beliebtheits-Titel nach Cottbus.

Seit über einem Jahrzehnt fährt der 31-jährige Bahnrad-Sprinter in der  Weltelite mit. Das ist im Spitzensport eine Ewigkeit! Deshalb häufen sich mittlerweile natürlich die Fragen nach dem möglichen Zeitpunkt des Karriere-Endes. Oder zieht ­Maximilian Levy wirklich noch bis Olympia 2020 in Tokio durch? Auch beim jüngsten Bahnrad-Weltcup in seiner Geburtsstadt Berlin wurde der Cottbuser mit dieser Frage ­konfrontiert. Im Teamsprint holte Levy die Bronzemedaille, im Sprint fuhr er bis ins Viertelfinale. „2020 klingt so nah dran. Es ist aber noch ein weiter Weg bis zu den Olympischen Spielen. Ich mache meine Entscheidung auch von der Entwicklung in der Mannschaft abhängig“, betont Levy und formuliert erneut deutliche Kritik: „Es sind einige Dinge im Argen. Die gesamte Nationalmannschaft muss sich dringend weiterentwickeln, um wieder konkurrenzfähig zu sein.“

Platz drei beim Heim-Weltcup in Berlin war immerhin ein Lebenszeichen von den deutschen Teamsprintern, die bei den zurück­liegenden Großereignissen meistens am Podium vorbeifuhren. Levy will sich nur dann noch einmal bis zu den Olympischen Spielen schinden, wenn die Mannschaft dort realistische Medaillenchancen besitzt. „Ich fahre nicht nach Tokio, um mir ­einen neuen Trainingsanzug abzuholen“, hat Levy im kürzlich erschienen „go!d-Magazin“ der Deutschen Sporthilfe klargestellt.

Mit 31 Jahren überlegt sich der Routinier aus Cottbus mittler­weile sehr genau, was er seinem Körper noch zumuten kann und will. Beim Bahnrad-Weltcup im Velodrom hat Levy das eine oder andere Interview direkt nach dem Rennen mit freiem Oberkörper gegeben. Die diversen Operationsnarben sprechen für sich: Dreimal hat er sich das Schlüsselbein gebrochen. Zuletzt 2017 beim Training in der Oderlandhalle in Frankfurt (Oder), als bei 78 Stundenkilometern der ­Reifen platzte. 2014 war die Verletzung noch viel dramatischer. Nach dem Sturz bei der WM in Cali ent­zündete sich die OP-Wunde so schlimm, dass das Schlüsselbein durch Teile des Beckenknochens neu aufgebaut werden musste. „Damals war die Frage nicht, ob ich wieder Fahrrad fahre, sondern ob ich je wieder gesund werde“, sagt Levy im Rückblick.

2017 meldete sich der Cottbuser mit Gold im Keirin und Silber im Teamsprint bei der Heim-EM im Velodrom eindrucksvoll zurück. Seitdem ist sein Stellenwert im deutschen Team eher gestiegen als gesunken. Denn mit Levy sowie Stefan Bötticher und Joachim Eilers verfügt Kurzzeit-Bundestrainer Detlef Uibel derzeit nur über drei Fahrer, die für Spitzenplätze infrage kommen. „So, wie sich Max einbringt, ist er aus dem Team für 2020 nicht wegzudenken“, betont Uibel. „Aber es ist natürlich auch eine Art Provokation für die jungen Fahrer, die den Durchbruch bisher nicht ­geschafft haben.“

2018 ist aber nicht nur in sportlicher Hinsicht ein prägendes Jahr für Maximilian Levy gewesen. Am schicksalhaften 26. Juni, ausgerechnet an seinem 31. Geburtstag, war Levy ganz nah dran beim folgenschweren Trainingssturz von Kristina Vogel auf der Bahn in Cottbus. Seine Weggefährtin sitzt seitdem im Rollstuhl. Levy stand ihr nicht nur als Ersthelfer auf der Bahn bei, sondern initiierte auch die Spenden­aktion #staystrongkristina zugunsten der querschnittsgelähmten Olympiasiegerin.

Maximilian Levy hat aus den traumatischen Erlebnissen für sich die Konsequenz gezogen, dass er mehr denn je seine Träume verwirklichen will, bevor es zu spät ist. Irgendwann einen Ironman zu absolvieren zum Beispiel. Und mehr Zeit für die Familie zu haben. Für die WM 2019 vom 27. Februar bis 3. März in Polen hat Maximilian Levy abgesagt, weil der Geburtstermin seines ­dritten Kindes genau in diesen Zeitraum fällt.

Doch es gibt selbst für einen ­Routinier und vierfachen Weltmeister wie Maximilian Levy schon noch reizvolle Aufgaben. Beispielsweise die Heim-WM 2020 in Berlin. Und dann natürlich die Olympischen Spiele in Tokio – im Trainingsanzug und am liebsten auch mit Medaille.

Beim Weltcup in Berlin gewann Maximilian Levy Bronze im Teamsprint.
Beim Weltcup in Berlin gewann Maximilian Levy Bronze im Teamsprint. FOTO: Frank Hammerschmidt