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Backpfeifen für Bittencourt

Leonardo Bittencourt zeigte nach dem 2:0-Sieg gegen Mainz, dass er auch beim Partymachen ein echter Profi ist.
Leonardo Bittencourt zeigte nach dem 2:0-Sieg gegen Mainz, dass er auch beim Partymachen ein echter Profi ist. FOTO: dpa
Köln. An diesem Tag für die Vereinshistorie war nahezu alles erlaubt. "Das ist einer neuer Feiertag für den Kölner Kalender: Weihnachten, Geburtstag und Silvester auf einmal", sagte Matthias Lehmann, Kapitän des 1.FC Köln nach dem gesicherten Europacup-Comeback nach 25 Jahren: "Da herrscht eben der absolute Ausnahmezustand." Holger Schmidtund Frank Noack

Mittendrin im Trubel war auch der frühere Cottbuser Leonardo Bittencourt. "Prost. Ich liebe euch alle", schrieb der 23-Jährige Offensivspieler bei "Instagram" unter ein Foto, das ihn nach dem Schlusspfiff mit einem großen Glas Kölsch auf der Tribüne zeigt.

Und so machten nach dem 2:0 (1:0) gegen Mainz 05 nicht nur die FC-Fans die Nacht zum Tag. Den Vier-Tages-Trip nach China ging so mancher Profi nach der ausgelassenen Abschlussparty in der "Halle Tor 2" mit schwerem Kopf an. Auch in den Kneipen floss das Kölsch in Strömen, auf den Ringen gab es Autokorsos. Als besonderes Souvenir präsentierten viele Fans dabei selbst entrissene Stücke des Rasens aus dem Kölner Stadion, auch ein Tor wurde ramponiert. Bis zum ersten Europacupspiel seit einem Vierteljahrhundert braucht der FC also erst einmal eine neue Spielfläche.

Als Party-Biest unter den Spielern präsentierte sich schon direkt nach dem Anpfiff Torjäger Anthony Modeste. Nachdem ihn die Fans auf Händen getragen hatten, suchte der Franzose mit Tränen in den Augen zunächst ein bisschen Ruhe - dann drehte er richtig auf. Zunächst verpasste er mit einem Fünf-Liter-Glas sämt lichen Journalisten eine Bier dusche, dann stürmte er mit Bittencourt & Co. die Pressekon ferenz und knöpfte sich Trainer Peter Stöger vor.

Der Coach wusste schon, was ihn erwartete - nur verhindern konnte er es nicht. "Macht keinen Scheiß", sagte der Österreicher, als er Modeste und seine Kollegen mit Biergläsern bewaffnet in den ersten beiden Reihen erblickte. Allein, es nutzte nichts. Kaum hatte der Trainer seine Ausführungen mit den Worten "Keine Fragen heute" beendet, stürmten die Spieler auf ihn zu und gossen ihm literweise Kölsch über den Kopf. "Fünf Spieler werden sich einen neuen Arbeitgeber suchen müssen", erklärte er und verpasste Leonardo Bittencourt zwei ironisch gemeinte Ohrfeigen.

Und Bittencourt war es schließlich auch, der den ultimativen Party-Befehl ausgab. "Heute gibt es keine Grenzen", sagte der ehemalige Schüler der Lausitzer Sportschule: "Heute lassen wir alle das Auto stehen."