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Ausnahmetalent auf zwei Rädern

Große deutsche BMX-Hoffnung: Axel Webster vom RSC Cottbus.
Große deutsche BMX-Hoffnung: Axel Webster vom RSC Cottbus. FOTO: Köhler
Cottbus. BMX-Fahrer Axel Webster ist ein echtes Ausnahmetalent. 2014 wurde der aus Südafrika stammende Cottbuser deutscher Meister, 2013 sogar Europameister. Auch für dieses Jahr hat sich der 15-Jährige viel vorgenommen. Beim Radsportclub (RSC) Cottbus findet Webster beste Voraussetzungen für das BMX-Racing. Christian Köhler

"Im Prinzip geht es bei unserer Sportart darum, auf einem festgelegten Parcours der Schnellste zu sein", erklärt Trainer Lars Ludewig das BMX-Racing. Seit zwei Jahren betreut er den 15-jährigen Axel Webster in Cottbus, der in seiner Altersklasse im vergangenen Jahr in Deutschland auf seinem BMX der Schnellste gewesen ist. Ein Deutscher Meister im BMX-Racing aus Cottbus!

Von einer acht Meter hohen Rampe aus starten bei einem Wettkampf acht Fahrer gleichzeitig. Über Kurven, Hügel und Rampen geht es in rasender Geschwindigkeit über knapp einen halben Kilometer. "Dabei ist es nicht immer gut zu springen", weiß Ludewig, "auch wenn es spektakulär aussieht." Das koste oft mehr Zeit, als auf dem Hinterrad des BMX kleine Hindernisse zu überwinden. Darüber hinaus sei der Start am wichtigsten, um beim Rennen die Nase vorn zu haben. "Die Geschwindigkeit ist einfach geil", sagt Axel Webster. Er hat riesigen Spaß daran, sich in Kurven hineinzulegen, über Hindernisse zu springen und natürlich auch daran, seine Gegner zu überholen. "Man muss ständig konzentriert und sehr schnell sein, um zu gewinnen", erklärt der 15-Jährige seine Strategie.

Vater und Bruder als Vorbilder

Seit er fünf Jahre alt ist, tritt der talentierte BMX-ler in die Pedale der kleinen Fahrräder. "Mein Vater und mein älterer Bruder Liam haben es mir in meiner Heimatstadt Durban in Südafrika vorgemacht", erzählt Axel Webster und schmunzelt, "inzwischen fährt mein Vater aber nicht mehr." Weil seine Mutter deutsche Wurzeln hat, zog es die Familie vom afrikanischen Kontinent zurück nach Deutschland. Über Hessen ist die Familie nach Cottbus gekommen. "Hier finde ich einfach optimale Trainingsbedingungen vor", sagt er. Schließlich ist die Startrampe in der Trainingshalle die einzige ihrer Art in Deutschland. "Daher können wir auch im Winter die wichtigen Starts üben", sagt Ludewig.

Zusammen mit seinem älteren Bruder besucht Webster die Lausitzer Sportschule in Cottbus, wohnt im Sportinternat. Der Tagesablauf ist straff durchorganisiert. Nach zwei Schulstunden bittet Trainer Lars Ludewig um 9.15 Uhr zur ersten Trainingseinheit des Tages. Gerade im Winter und im Frühjahr geht es darum, sich auf die kommenden Wettkämpfe vorzubereiten. "Man kann nur Rennen gewinnen, wenn man sich im Winter gut vorbereitet hat", verdeutlicht der Trainer. Nach der Mittagspause geht es erneut auf die Schulbank, bevor um 15.30 Uhr das zweite Training auf dem Tagesplan steht. "Das ist schon ganz schön anstrengend, aber es macht mir riesigen Spaß", sagt Axel Webster.

Auch wenn am Wochenende gerade keine Wettkämpfe anstehen, heißt es trainieren, trainieren und noch einmal trainieren. "Dafür komme ich aber auch viel rum", freut sich Axel. Und das nicht nur zur Wettkampfzeit im Sommer: Zuletzt ging es ins Trainingslager nach Spanien, dann zum Trainieren nach Belgien, anschließend in die Niederlande. Dort stehen im Juli die Europa- und Weltmeisterschaften an. "Deshalb ist es für uns extrem wichtig, schon einmal auf den Strecken üben zu können", klärt Ludewig auf. Bei den Wettkämpfen hätten die Teilnehmer nur sehr wenig Zeit, sich mit den Parcours vertraut zu machen. Deshalb nutzen Trainer und Sportler gern die Gelegenheit, sich schon vorab Ort optimal vorzubereiten. Zurzeit fährt Webster beim Europa-Cup-Lauf in Belgien um wichtige Punkte.

Meisterschaften Anfang Juli

Schon Anfang Juli warten zudem die deutschen Meisterschaften auf den Cottbuser. Dabei tritt er in der Altersklasse der 15- bis 16-Jährigen im hessischen Ahnatal an. Im vergangenen Jahr hatte er sich sensationell behauptet und wurde deutscher Meister. Zwar konnte diesen Titel 2011 auch sein Bruder gewinnen. Axel jedoch hat noch einen draufgesetzt und bei den Europameisterschaften 2013 Gold geholt. "Gewinnen macht einfach Spaß", sagt er lachend.

Olympia 2020 ist das große Ziel

Dabei haben sich Axel Webster und sein Trainer längst weiterreichende Ziele gesteckt. "Ich möchte an den Olympischen Spielen 2020 in Japan teilnehmen", erklärt das BMX-Talent. Für eine Teilnahme in Brasilien in knapp einem Jahr ist er noch zu jung. "Außerdem ist ja auch noch die Schule zu meistern", sagt Lars Ludewig ernst. Noch geht Axel in die neunte Klasse, aber nach dem Abitur hat er sich fest vorgenommen, professionell BMX zu fahren. "Über die Bundeswehr oder die Polizei ist vieles machbar", erklärt der Trainer. Genau wolle sich der Schüler nicht festlegen: "Es ist ja auch noch Zeit."

Bevor er jedoch an diesen Plänen arbeitet, stehen die drei großen Wettkämpfe im Juli 2015 an. "Darauf werde ich mich sehr gut und intensiv vorbereiten, sagt Axel Webster, "und ich will deutscher, Europa- und Weltmeister im BMX-Racing werden."

Zum Thema:
Der BMX-Sport unterteilt sich in Freestyle und Racing. Während es beim Freestyle auf spektakuläre Sprünge und Stunts ankommt, geht es beim Racing um Schnelligkeit. Die deutschen Meisterschaften im BMX-Racing sind für den 4. und 5. Juli angesetzt. Die Europameisterschaft findet eine Woche später in den Niederlanden statt. Die Weltmeisterschaft wird im belgischen Zolder am 26. Juli ausgetragen.