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Aus für Sagan nach Wild-West-Sprint

Zwei schlimme Stürze überschatteten die vierte Tour-Etappe am Dienstag. Weltmeister Peter Sagan hatte den Ellenbogen ausgefahren.
Zwei schlimme Stürze überschatteten die vierte Tour-Etappe am Dienstag. Weltmeister Peter Sagan hatte den Ellenbogen ausgefahren. FOTO: dpa
Vittel. Für den Rad-Weltmeister ist die Tour beendet. Die Jury schloss den Slowaken vom deutschen Bora-Team aus, nachdem er einen heftigen Sturz per Ellbogenschlag ausgelöst hatte. Sprintstar Cavendish droht nach dem Crash das Tour-Aus. Stefan Tabeling und Andreas Zellmer

Rote Karte für Weltmeister Peter Sagan: Nach einem üblen Ellbogencheck gegen den Briten Mark Cavendish ist der Sprintstar vom deutschen Bora-hansgrohe-Team von der 104. Tour de France ausgeschlossen worden. Das entschied die Rennjury gut 90 Minuten nach dem Ende der Skandal-Etappe von Vittel. "Wir haben entschieden, Peter Sagan nach dem tumultartigen Sprint zu disqualifizieren, weil er mehrere Fahrer gefährdet hat", sagte Jury-Präsident Philippe Marien mit ernster Miene.

Vorausgegangen war ein Wild-West-Sprint bei Tempo 60. Sagan hatte Cavendish in die Balustraden abgedrängt, John Degenkolb flog in hohem Bogen über den Ex-Weltmeister. "Nur weil er das Weltmeister-Trikot anhat, kann er sich nicht alles erlauben", schimpfte der deutsche Sprintstar André Greipel über Sagan, und auch Cavendishs Sportdirektor Rolf Aldag war außer sich: "Das muss Konsequenzen haben. Er ist Weltmeister und eine Art Vorbild. Es ist hart, einen Weltmeister zu disqualifizieren, aber das sollte gemacht werden." Nur wenige Minuten später folgten die Kommissare Aldags Meinung.

Cavendish wurde unterdessen dick bandagiert mit einer Schulterverletzung ins Krankenhaus gebracht, auch sein rechter Zeigefinger musste genäht werden. Etwas glimpflicher kam Degenkolb davon, der noch Minuten später kreidebleich am Teambus stand. Auch erlitt Verletzungen an der rechten Schulter.

"Es geht mir den Umständen entsprechend. Ich bin schlimm gestürzt. Ich habe nur noch gesehen, wie Cav am Boden lag und wollte noch drüber springen. Fast hätte es geklappt", sagte Degenkolb, der nach der Etappe, die der Franzose Arnaud Démare gewann, sicherheitshalber zum Röntgen fuhr. Anschließend gab Degenkolb Entwarnung. "Es ist zum Glück nichts gebrochen", sagte er der "Sportschau". "Aber es werden harte Tage."

Übeltäter Sagan hatte offenbar gleich ein schlechtes Gewissen und fuhr umgehend zum Teambus von Cavendish. "Ich wollte mich entschuldigen. Ich konnte ihm nicht mehr ausweichen", schilderte Sagan seine Sicht der Dinge. Die Jury sah dies freilich anders. Sagan, der hinter Démare Platz zwei belegt hatte, erhielt zunächst eine 30-Sekunden-Zeitstrafe, dann folgte das Tour-Aus.

Für das deutsche Bora-hansgrohe-Team ist der Ausschluss ein schwerer Schlag. Der Slowake ist der große Star und sollte dem Team reichlich Etappensiege und das Grüne Trikot bescheren. Noch am Vortag war Sagan der strahlende Sieger, als er in Longwy der Bora-Mannschaft den ersten Tour-de-France-Etappensieg der Teamgeschichte beschert hatte, was mit einer feuchtfröhlichen Prosecco-Runde gefeiert wurde.

Auch durch die Stürze in Vittel - gut 1000 Meter vor dem Ziel gab es noch einen Massencrash - konnten die deutschen Sprint-Asse nicht in die Entscheidung eingreifen. Greipel belegte nach der Rückstufung und der späteren Disqualifikation von Sagan hinter Démare und dem Norweger Alexander Kristoff Platz drei. Der beim ersten Sturz ausgebremste Marcel Kittel war "froh, dass ich an einem Stück das Ziel erreicht habe".