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| 02:45 Uhr

Auch Denkmäler können absteigen

Die Entlassung von Claudio Ranieri beim englischen Meister Leicester City ist nicht nur ein weiteres, sondern wahrscheinlich sogar das schockierendste Zeichen, das der Fußball aussenden konnte. Ein Zeichen dafür, als was sich der Fußball heute versteht und wie er mittlerweile funktionieren will.

Die Halbwertzeit von Verdiensten wird immer geringer. Erfolge und Erinnerungen, Titel und Trophäen, all das verliert so schnell an Kredit wie noch nie zuvor. Fußballvereine begreifen sich nicht mehr einfach nur als Sportgruppen, die sich in einen Wettbewerb begeben, in dem sie mal gewinnen, aber auch mal verlieren können. Fußballvereine sehen sich als Marken und Unternehmen, die sich weder sportliche noch finanzielle Misserfolge leisten wollen. Unter Claudio Ranieri war Leicester innerhalb nur eines Jahres die Metamorphose vom Fastabsteiger zum Titelträger geglückt - es war die erste Meisterschaft überhaupt in der 133-jährigen Clubgeschichte und eine der größten Sportsensationen im vergangenen Jahrhundert. Ein Denkmal wollten sie ihm bauen, dem Fifa-Trainer des Jahres. Doch auch Denkmäler können absteigen. Und dafür ist der von thailändischen Besitzern ferngesteuerte Verein nicht stark genug. Es wäre ein romantisches Statement gewesen, wenn Clubs nicht immer nur nehmen, sondern auch mal geben würden. In diesem Fall das Wort, den erst im August bis 2020 verlängerten Vertrag mit dem Italiener zu erfüllen. Offenkundig aber gibt es so etwas nur im Märchen. Ranieris Interimsnachfolger steht dafür mit seinem Namen. Er heißt Craig Shakespeare.