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Arbeitsmodus statt Party-Time

Sieht noch keinen Anlass für eine Flasche Rotwein: Joachim Löw.
Sieht noch keinen Anlass für eine Flasche Rotwein: Joachim Löw. FOTO: dpa
Belfast. Nach der geglückten WM-Qualifikation startet Bundestrainer Joachim Löw gegen Aserbaidschan die Detailplanungen für Russland 2018. Die rauschende Party soll erst am 15. Juli in Moskau steigen.

(dpa/swr) Mats Hummels war "zufrieden und stolz" und versprühte Vorfreude auf den russischen WM-Sommer. Eine Party gab es für die deutschen Fußball-Weltmeister nach der im Champions-Stil geschafften Qualifikation nicht - die große Sause soll es in neun Monaten nach dem Finale in Moskau geben. "Wenn wir mit der Mannschaft, die wir haben, topfit in die WM gehen, werden wir auf jeden Fall einer der Favoriten sein", sagte der Abwehrchef.

Für Joachim Löw geht die Arbeit für die Titelverteidigung 2018 nach dem 3:1 in Nordirland und vor dem Qualifikations-Abschluss gegen Aserbaidschan jetzt richtig los. "Insgesamt bin ich zufrieden. Aber wir müssen uns Richtung WM weiter verbessern", sagte der Bundestrainer. Auf Toni Kroos muss er am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Kaiserslautern verzichten. Der Mittelfeldantreiber reiste wegen seiner Rippenverletzung am Freitag aus Belfast zurück nach Madrid.

Bundestrainer Löw weiß auch: Nun kommen andere Gegner. "Es war absolut in Ordnung heute. Wir haben gemacht, was wir tun mussten, aber es gibt Spiele, da finden ein höheres Tempo und eine höhere Intensität statt", sagte Löw und dachte an Kontrahenten vom Kaliber England, Frankreich, Spanien oder Brasilien, gegen die im November und März der WM-Ernstfall gleich viermal getestet wird.

Für einen Partymodus bei der Nationalmannschaft sah der Weltmeistertrainer keinen Anlass. Nicht einmal eine gute Flasche Rotwein wollte Löw öffnen, geschweige denn seine Spieler in die Pubs von Belfast entlassen. "Das wäre nicht professionell. Wir haben am Sonntag ein Spiel in Kaiserslautern vor 30 000 Fans. Da wollen wir mit einem Sieg nachlegen." Im Fritz-Walter-Stadion soll mit dem zehnten Sieg im zehnten Spiel die makellose Quali-Runde als "beste in der Historie" (Löw) vollendet werden.

In Belfast wurde schon der eigene Torrekord aus dem Jahr 2013 übertroffen. 38 Treffer sind einer deutschen Auswahl seit 1934 in einer WM-Quali nie gelungen. Und doch ist das für die Nationalspieler mit vier Millionen Euro an Prämien versüßte Erreichen der 19. WM-Endrunde nur der erste Schritt auf dem Weg zu Löws großem Ziel: der WM-Titelverteidigung! "Steigern müssen wir uns beim Turnier bei jedem Spiel", sagte der 57-Jährige. Auch Oliver Bierhoff machte den Unterschied zwischen dem windigen Abend im Windsor Park und dem anstehenden Aserbaidschan-Duell auf dem Betzenberg zu dem, was die DFB-Elf in Russland erwartet, deutlich: "Die Welt schaut schon auf uns und sieht, was wir beim Confed Cup gemacht, was wir in der Quali gemacht haben. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht glauben, dass es ein Selbstläufer ist", so der Teammanager.

Mit diesem Potenzial kann der Selbstanspruch aber nur der fünfte WM-Titel sein. "Wir dürfen es nicht überbewerten, aber wir haben gezeigt, dass wir die Qualität haben und den gewissen Geist", sagte Bierhoff. Genauso abgeklärt wie Löw und Bierhoff die Lage analysierten, hatten zuvor Kroos und Co. den nordirischen Abwehrexperten die Grenzen aufgezeigt. Nach den Toren von Sebastian Rudy (2.) und Sandro Wagner (21.) konnte keine Unruhe mehr aufkommen. Joshua Kimmich (86.) erhöhte, bevor in der Nachspielzeit Josh Magennis für die Gastgeber traf.

Nicht nur personell stehen alle Zeichen beim DFB auf WM-Planung. Bestätigt wurde, dass das Trainingslager im Mai wieder in Südtirol stattfinden wird, wie schon 1990, 2010 und 2014. Nur mit dem WM-Quartier will sich Löw noch Zeit lassen. Bis nach der Auslosung am 1. Dezember in Moskau will der DFB-Chefcoach abwarten, welche der "zwei bis drei Optionen" ausgewählt wird. Nach dpa-Informationen steht der "Moscow Country Club", ein Golf-Hotel in der Hauptstadt, auf der DFB-Liste. Nach den guten Erfahrungen in Sotschi ist aber ein Quartier am Schwarzen Meer die heißeste WM-Option.