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| 17:39 Uhr

Leichtathletik
Möldner-Schmidt: „Ich habe ans Aufgeben gedacht“

Antje Möldner-Schmidt war am Freitag über 3000 Meter Hindernis chancenlos – weil sie mit einem Handicap ins Rennen gegangen war.
Antje Möldner-Schmidt war am Freitag über 3000 Meter Hindernis chancenlos – weil sie mit einem Handicap ins Rennen gegangen war. FOTO: imago/Jan Huebner / Jan Huebner/Peters
Berlin. Die Cottbuserin Antje Möldner-Schmidt verpasst bei der EM das Finale über 3000 Meter Hindernis – und verbucht dennoch zumindest einen kleinen Sieg. Von Jan Lehmann

Glitzern da Tränen in den Augenwinkeln von Antje Möldner-Schmidt? Wenn, dann höchstens ganz kleine. Es ist ein bemerkenswerter Augenblick, als die 34-Jährige am Freitag in den Katakomben des Berliner Olympiastadions über ihren geplatzten Traum vom EM-Finale spricht und ganz sportlich sagt: „Es gibt im Leben Höhen und Tiefen. Trübsal blasen hilft mir jetzt nicht weiter.“

Wenige Minuten vorher war die Athletin vom LC Cottbus im Vorlauf über 3000 Meter Hindernis chancenlos gewesen – eine Erkältung hatte sie zu stark beeinträchtigt. Die Europameisterin von 2014 berichtet: „Theoretisch hätte ich gar nicht an den Start gehen sollen. Aber ich habe es versucht, weil ja hier auch meine Familie und Freunde im Stadion waren.“

Schon seit einiger Zeit plagte sich die Cottbuserin mit der Erkrankung herum, sie hatte sich vermutlich bei ihrer zweijährigen Tochter Lilli Marie angesteckt. „So ist das halt, wenn man ein kleines Kind hat“, sagt die junge Mutter, die bei den Gedanken an ihr Töchterchen schon wieder fröhlich lächeln kann.

Auf der blauen Berliner Tartanbahn hatte sich die Cottbuserin bei ihrem ersten internationalen Lauf seit dem EM-Triumph im Züricher Letzigrund-Stadion von Beginn an im hinteren Teil des Feldes aufgehalten, die TV-Kommentatoren rätselten da noch über die Renntaktik von Antje Möldner-Schmidt. Doch das war keine Taktik, sondern einfach der Krankheit geschuldet. Die Athletin mit der markanten Sonnenbrille berichtete: „Ich habe gleich gemerkt, dass nicht so viel möglich ist.“ Seit einigen Tagen schleppte sie die Erkältung und den starken Husten mit sich herum. Statt am Montag das Abschlussprogramm im Training zu bewältigen, musste sie wieder zum Arzt. Ausgerechnet beim Jahreshöhepunkt krank zu sein, Antje Möldner-Schmidt bedauert es vor allem wegen der Berliner Heimkulisse: „Es tut mir leid fürs Publikum, dass ich nicht meine Höchstleistung abrufen konnte.“ In der Zeit von 9:52,79 Minuten landete die Mitfavoritin in ihrem Vorlauf auf Rang 14, insgesamt rangierte sie damit auf Platz 27. Um ins Finale zu kommen, hätte sie stattdessen sogar noch schneller als bei ihrer Saisonbestleistung (9:39,25Minuten) sein müssen.

Nun muss die einstige Europameisterin zuschauen, wenn am Sonntagabend im Berliner Flutlicht die Medaillen vergeben werden – ihre beiden deutschen Teamkolleginnen Gesa-Felicitas Krause und Elena Burkard sind dagegen im Finale dabei. Und Antje Möldner-Schmidt will sie kräftig anfeuern. „Ich werde mit meinem Mann und meiner Tochter auf der Tribüne sitzen und das trotzdem genießen“, so die Cottbuserin.

Die Rückkehr ins Berliner Olympiastadion war für sie trotz des missglückten Laufes ein Moment voller Emotionen. Sie berichtet: „Ich habe gehört, wie mich die Leute angefeuert haben. Bei so einer Atmosphäre stockt einem schon ein bisschen der Atem.“

Hier in Berlin auf der blauen Bahn hatte sie 2009 bei der der Leichtathletik-WM ihren internationalen Durchbruch gefeiert und damals in 9:18,54 Minuten einen deutschen Rekord aufgestellt. Dass die Cottbuserin danach eine Krebserkrankung überwand und 2014 sogar sensationell den EM-Titel holte, ist Teil ihrer bemerkenswerten Karriere. Und am Freitag in den Berliner Katakomben wird deutlich, dass sie damals auch nicht umsonst bei der Sportlergala in Baden-Baden als „Vorbild des Sports“ mit einem Sonderpreis ausgezeichnet worden war.

Statt beispielsweise damit zu hadern, dass ihre Teamkollegin Elena Burkard im Vorlauf überraschend vorn das Tempo angezogen und ihr so jede Final-Chance geraubt hatte, erklärt sie aufgeräumt: „Solche Niederlagen gehören einfach zum Sport dazu. Wenn der Körper nicht mitspielt, dann kann man einfach nichts machen.“

Und so verlässt die Cottbuserin die Arena mit erhobenem Kopf – weil sie zumindest für sich persönlich trotzdem einen kleinen Sieg verbuchen kann. Sie verrät: „Ich habe zwischendurch kurz mal ans Aufgeben gedacht. Doch wenn man das einmal macht, macht man das immer wieder. Bei mir ist gesetzt, dass ich durchlaufe.“