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Anne-Marie trainiert mit Schach das Gehirn

Anne-Marie Kossack (14) ist ein Schach-Talent aus Annahütte.
Anne-Marie Kossack (14) ist ein Schach-Talent aus Annahütte. FOTO: Brautschek
Annahütte. Die RUNDSCHAU stellt in ihrer Serie "Lausitzer Talente" hoffnungsvolle junge Sportler vor. Heute: Schachspielerin Anne-Marie Kossack. Anja Brautschek

Anne-Marie Kossack ist ein großer Freund des Denksports. Nicht nur in der Schule, sondern auch in ihrer Freizeit trainiert die 14-Jährige ihr Gehirn wie andere die Armmuskeln. Besonders das Schachspielen hat es ihr angetan. "Ich bin total begeistert davon. Es hält mich mental frisch und hilft mir sogar in der Schule", erzählt sie. Seit etwa anderthalb Jahren trainiert Anne-Marie Kossack Schach im Verein, beim SV Grün-Weiß Annahütte. Seitdem könne sich die 14-Jährige auch in der Schule viel besser konzentrieren und habe sogar ihren Notendurchschnitt verbessert.

Denn beim Schach sind insbesondere ein gutes Vorstellungsvermögen und Vorausdenken gefragt. Jeder Zug muss gut überlegt werden. Im Kopf rücken die Spieler gedanklich die Figuren über das Brett, gehen geistig alle Alternativen durch. Erst dann wird gesetzt. "Die unterschiedlichen Spielzüge zu erlernen, fiel mir sehr leicht. Doch im Spiel gegen andere richtig zu reagieren und die richtigen Züge zu machen, ist schon etwas anderes", beschreibt Anne-Marie die Schwierigkeiten. Kennengelernt hat sie diesen traditionellen Denksport durch ihre Großeltern. Am heimischen Tisch hat Anne-Maries Opa das Schachbrett ausgepackt und ihr die Regeln beigebracht. Schnell hat sie Spaß daran gefunden und wurde immer besser. "Andere Sportarten wie Fußball oder so etwas sind nichts für mich. Ich mache eben gerne Denkspiele", sagt sie.

Ihr Talent wurde schnell erkannt. Um es weiter zu fördern, suchte sie sich einen trainierenden Verein - und wurde beim SV Grün-Weiß Annahütte fündig. Gemeinsam mit anderen jugendlichen Nachwuchsspielern stärkt sie dort regelmäßig ihr Können und bereitet sich auf Turniere vor. Vor allem das Trainieren der Taktik steht dabei im Vordergrund. Eine Trainingseinheit dauert rund 2,5 Stunden. Trainer Thomas Haensch geht mit den Jugendlichen verschiedene Mattbilder durch. Konzentriert hocken sie über den verschiedenen Szenarien, gehen geistig die verschiedenen Taktiken durch. Nach kurzer Bedenkzeit wird Handeln gefordert. Das trainiert gleichzeitig die Reaktionsfähigkeit. Auch wenn Schachpartien unter Umständen mehrere Stunden andauern können - bei Turnieren gibt es eine Zeitbegrenzung. "Man muss sich deshalb voll konzentrieren. Das ist sehr anstrengend", sagt Anne-Marie.

Bei all den Denkanforderungen kommt jedoch der Spaß im Training nicht zu kurz. Besondere Schach-Varianten wie das Tandemschach lockern die Stimmung auf und festigen spielerisch zuvor Gelerntes.

Auch wenn sie noch nicht viele Turniere mitgemacht hat, kann sie bereits auf erste Erfolge zurückblicken. Ihr erstes Turnier katapultierte sie gleich in die Landeseinzelmeisterschaft der U 16. Mit Sonder-Trainingseinheiten bereitete sie sich darauf vor und wurde in ihrer ersten Meisterschaft Viertbeste Brandenburgs. "Solche Turniere haben immer einen großen Überraschungseffekt. Man weiß nie, was passiert. Dass ich so weit gekommen bin, hat mich sehr gefreut", freut sich Anne-Marie über den Erfolg. Eifrig trainiert sie weiter, um an ihrer Taktik zu feilen. Ein konkretes Ziel hat sie sich dabei nicht gesetzt. Anne-Marie Kossack will mit dem Schach so weit wie möglich kommen, aber "einmal bei den Deutschen Meisterschaften mitzumachen, wäre schon toll."

Noch vor etwa zwei Jahren hätte sie nicht daran gedacht, das Schach sie so reizen würde. Heute packt sie nicht nur zum Training gerne das Schachbrett und Figuren aus. Insbesondere mit Gleichaltrigen spielt sie gerne eine Partie, würde gern noch öfter spielen. Deshalb würde sich die 14-Jährige über mehr Interesse fürs Schach freuen. "Es ist schade, dass in meinem Alter nur Wenige Schach spielen", sagt sie. Doch das hält Anne-Marie nicht am Weitermachen auf. Ans Aufhören verschwendet sie derzeit keinen Gedanken, blickt nach vorn auf künftige Turniere. Vor allem das Damengambit - eine Form der Schacheröffnung - hat es ihr dabei angetan. Improvisations- und Kombinationskunst sind dabei besonders gefragt. "Es ist mit vielen Fallen gespickt. Das macht es so interessant für mich", erklärt sie.

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Alter: 14Verein: SV Grün-Weiß AnnahütteTrainer: Thomas HaenschVorbild: keinsGrößte Erfolge: 4. Platz bei den Landeseinzelmeisterschaften (U 16)Größtes Ziel: so weit wie möglich kommenWeitere Hobbys: LesenLieblingsessen: PizzaIn diesen sozialen Netzwerken zu finden: keine