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| 18:34 Uhr

Fussball
Anne Engel sorgt im Fußball-Landesverband für „frischen Wind“

Anne Engel vor dem RUNDSCHAU-Gebäude in Cottbus. Die ehemalige Bundesliga-Fußballerin wird Chefin beim FLB.
Anne Engel vor dem RUNDSCHAU-Gebäude in Cottbus. Die ehemalige Bundesliga-Fußballerin wird Chefin beim FLB. FOTO: Jan Lehmann
Cottbus. Mit Anne Engel (32) übernimmt erstmals überhaupt eine Frau die Geschäftsführung in einem Fußball-Landesverband. Die Cottbuserin war viele Jahre in Frankfurt am Main und geht den Job in dieser Männer-Domäne unerschrocken an. Von Mirjam Danke

Jung, weiblich und hochmotiviert, sich in einer Männer-Domäne zu behaupten: Zum 1. April tritt die Cottbuserin Anne Engel, 32, ihren Dienst als Geschäftsführerin des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) an. Sie ist deutschlandweit die erste Frau auf solch einem Posten. Dabei hat der FLB keineswegs bewusst nach den Attributen „jung“, „weiblich“ und noch dazu „ostdeutsch“ Ausschau gehalten. Ganz anders als die SPD, die für ihre Ministerriege mit Franziska Giffey noch schnell eine solche Quotenfrau aus dem Hut zauberte. Nein, Anne Engel, die all dies zufällig auf sich vereint, war unter den rund 20 Bewerbern schlicht die Beste, so heißt es vonseiten des FLB.

Nicht nur der erfrischend offene Satz „Ich hab richtig Lust auf Fußball“ hat die Findungskommission um FLB-Präsident Siegfried Kirschen (74) beeindruckt. Die 32-Jährige kann trotz ihres jungen Alters auf viel Erfahrung verweisen. Knapp zehn Jahre lang leitete sie die Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention in Frankfurt am Main. Die Arbeit in einem Verband ist ihr also nicht fremd.

Und für sie als ehemalige Fußballerin gibt es wohl keine bessere Tätigkeit als nun diese beim FLB. „Fußball zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, erzählt Anne Engel im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Angefangen als kleines Mädchen bei Blau-Gelb Laubsdorf, über Energie Cottbus und Turbine Potsdam schaffte sie es über den FSV Frankfurt bis hin zum großen Frauenfußball-Club 1. FFC Frankfurt, wo Birgit Prinz, Renate Lingor oder Nia Künzer ihre Teamkolleginnen waren. Auch ein paar Erstliga-Spiele hat die Lausitzerin bestritten. „Das war eine ganz tolle Zeit. Man lernt unwahrscheinlich viel, ist viel rumgereist – das möchte ich alles nicht missen.“

Anne Engel 2009 im Trikot des 1. FFC Frankfurt II.
Anne Engel 2009 im Trikot des 1. FFC Frankfurt II. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH

Anne Engel hat sich damals als Anfang Zwanzigjährige aber auch kritisch selbst hinterfragt. „Für mich war früh klar, dass ich es als Spielerin nicht bis ganz nach oben schaffe.“ Parallel zum Fußball hat die ausgebildete Kauffrau für Bürokommunikation daher auch immer gearbeitet, machte später zudem den Trainerschein und coachte die dritte Mannschaft des 1. FFC Frankfurt. Und seit wenigen Jahren opfert sie für ein Fernstudium in Sport- und Businessmanagement viel Freizeit.

„Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Das hat Anne Engel immer wieder erfahren. Und darauf vertraut sie auch in ihrem neuen Job. „Ich bin total motiviert und kann es kaum erwarten, dass es losgeht.“ Diese Motivation, „sich mit aller Kraft und Leidenschaft einzubringen“, hat auch Michael Hillmann schnell registriert. Ihr Vorgänger im Amt des FLB-Chefs scheidet zum 31. März nach zwölf Jahren aus. Der 45-Jährige freut sich über seine Nachfolgerin. „Hier hat alles gepasst“, sagt er.

Als Anne Engel im vergangenen Jahr nur kurze Zeit nach ihrer Rückkehr aus Frankfurt in die Cottbuser Heimat auf die Stellenausschreibung des FLB aufmerksam geworden war, habe sie kurz mal „Schnappatmung“ bekommen. Und als sie dann nach ihrer laut FLB-Präsident Kirschen „absolut souveränen Vorstellung“ im Bewerbungsgespräch tatsächlich den Zuschlag bekam, war das große Glück perfekt. „Ich kann das selbst jetzt noch nicht richtig realisieren“, räumt Anne Engel ein. „Es war immer mein Traum gewesen, im Fußball zu arbeiten.“

Der designierten Landesverbands-Chefin ist klar, in welch ein Metier sie nun eintaucht. „Das ist natürlich eine Männer-Domäne“, sagt sie. „Dem sehe ich aber gelassen entgegen. Ich bin so selbstbewusst, um zu sagen, dass ich mir das zutraue.“ Und mehr noch: „Ich werde frischen Wind reinbringen“, ist die 32-Jährige überzeugt, wenngleich sie den Landesverband während der derzeitigen Einarbeitungsphase keineswegs als trägen Altherren-Verein wahrnimmt. „Es gibt hier durchaus junge, dynamische Leute, die etwas bewegen wollen“, betont sie. Genau das will sie auch. Nicht nur auf dem Papier und theoretisch. „Ich bin eher der Praktiker“, erklärt sie. „Ich möchte Dinge anpacken und umsetzen und nicht in zehn Sitzungen darüber sprechen.“ Sie will dicht dran sein an den Vereinen, herausbekommen, „was sie tatsächlich wollen“. Und jungen Menschen „die positiven Seiten des Ehrenamtes bewusst machen“. Gerade in dieser Hinsicht spürt sie ein erwachendes Engagement.

Anne Engel ist zuversichtlich, nach vielen Jahren in der Metropole Frankfurt/Main in ihrer alten Heimat eine gute Rolle spielen zu können. Nachdem sich ihr soziales Umfeld in Frankfurt durch Wegzüge von Freunden verändert hatte, wagte auch sie den Aufbruch. In Cottbus ist sie schnell wieder angekommen, hier leben ihre Mutter und ihr Bruder, hier fühlte sie sich auch von alten Freunden schnell wieder angenommen. „Ich hab schon bei meinen Besuchen hier immer gemerkt, dass das ein Umfeld ist, in dem man sich wohlfühlen kann“, sagt Anne Engel. „Und man sollte schon da sein, wo Familie und Freunde sind.“

Und wo Job und Herzenssache Fußball so perfekt in Einklang gebracht werden können.