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| 01:03 Uhr

Andreas Klöden: „Hatte mir mehr Anerkennung erwartet“

Bonn.. Es war das Comeback des Jahres. Nach einer vierjährigen Durststrecke meldete sich Andreas Klöden im Sommer 2004 mit Platz zwei bei der Tour de France zurück. Wie der 29-jährige ehemalige Forster die neue Saison sieht, sagte er im Interview.


Andreas Klöden, bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Auch beim Gelben Trikot?
Jan Ullrich und ich sind so professionell und so gut befreundet, dass das kein Thema ist. Man hat das ja letztes Jahr gesehen. Wenn Jan die Tour gewinnen kann, werde ich dem alles unterordnen.

Stecken Sie nicht in einem Zwiespalt, und geraten Sie nicht in Versuchung, Ihre eigene Chance zu suchen?
Vielleicht wäre das bei einem anderen der Fall. Nicht bei Jan. Meine Ansprüche sind noch genau die gleichen wie im Vorjahr. Ich möchte eine Mannschaft haben, zusammen mit Jan und Alex (Winokurow), mit der wir die Tour gewinnen können. Wir haben drei Leute, die sicherlich aufs Podium fahren können. Man sollte erst nach der ersten Woche, nach der ersten Bergetappe entscheiden, wer vorne fährt.

Bereiten Sie sich gemeinsam mit Ullrich auf die Tour de France vor?
Nein. Ich mache mein eigenes Programm, ähnlich wie letztes Jahr. Ich fange im Februar bei der Valencia-Rundfahrt an, schiebe danach eine dreiwöchige Trainingsphase ein, Höhentraining auf Teneriffa mit Winokurow. Im März geht es mit Tirreno-Adriatico los. Bei den Klassikern steige ich im April zum Fleche Wallone und Lüttich-Bastogne-Lüttich ein.

Mit Ihrer Ansicht, Erik Zabel gehöre nicht ins Tour-Team, haben Sie eine heiße Diskussion entfacht.
Das Thema ist hochgekocht worden. Ich will mich natürlich nicht mit Erik in die Haare kriegen. Er ist für mich ein Supersuper-Sportler. Was er alles gewonnen hat, da muss man sagen: Hut ab. Aber wenn Jan, Wino und ich in Form sind, dann müsste nach meiner Meinung die Mannschaft um diese drei so zusammengestellt werden, damit ein Tour-Sieg möglich ist. Um die Tour zu gewinnen, braucht der Kapitän, wie Armstrong, acht Helfer nur für sich. Dazu stehe ich.

Armstrong hat acht Helfer, Ullrich zwei Konkurrenten für die Kapitänsrolle. Das ist eine völlig andere Ausgangslage.
Ich denke, das ist ein Vorteil. Es wird für Lance schwieriger, uns drei einzuschätzen. Aber wenn Jan uns – wie Armstrong seinen acht Leuten – zeigt, er ist der Chef, und wenn er sein Potenzial ausschöpft, kann er ihn auch schlagen. Jan hat das größere Potenzial als wir beide.
Nach der Tour 2004 wurde mehr über Ullrichs vierten Platz geredet und geschrieben als über Ihren zweiten.
Ich hatte schon mehr Beachtung erwartet und erhofft. Ich war enttäuscht. Aber Jan hat mit seinem Sieg 1997 und all den Erfolgen die Maßstäbe für uns alle sehr hoch gesetzt. Man muss wahrscheinlich erst Weltmeister werden, was seit Jahrzehnten kein Deutscher geschafft hat, um angemessene Anerkennung zu erhalten.

War es von Anfang an klar, dass Sie bei T-Mobile bleiben?
Mein Manager Tony Rominger sagte mir: Überleg’ doch mal, ob du nicht das Team wechseln willst und eine alleinige Kapitänsrolle anstrebst. Ich dachte mir: Eigentlich hat er ja recht. Vielleicht sollte ich tatsächlich mal irgendwo nachfragen. Ich habe wirklich lange überlegt. T-Mobile ist eine sehr gute Mannschaft. Ich habe dort alles, was ich brauche. Plus einen besseren Stand als noch in den vergangenen zwei Jahren.

Zusammengestellt von Thomas Juschus