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Ancelotti rotiert sich raus

Carlo Ancelotti und der FC Bayern kassierten in Paris die höchste Münchner Vorrunden niederlage in 21 Jahren Champions League.
Carlo Ancelotti und der FC Bayern kassierten in Paris die höchste Münchner Vorrunden niederlage in 21 Jahren Champions League. FOTO: dpa
München. Finito Carlo Ancelotti! 17 Stunden nach der 0:3-Klatsche von Paris hat ein gedemütigter FC Bayern seinen Trainer Carlo Ancelotti vor die Tür gesetzt. In einer Krisensitzung wurde das Ende des Italieners beim Rekordmeister am Donnerstagnachmittag besiegelt. Klaus Bergmann und Manuel Schwarz

"Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten", stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einer Mitteilung klar. Er bedauere das, "aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen".

Eine indiskutable Leistung in der Champions League bei Europas neuer Fußball-Größe Paris St. Germain und sonderbare Personalentscheidungen von Ancelotti hatten den Bossen an der Säbener Straße keine Wahl gelassen. Auch das italienische Betreuerteam um Ancelotti-Sohn Davide wurde freigestellt. Stattdessen übernimmt der bisherige Co-Trainer Willy Sagnol und wird das Team in der Bundesliga am Sonntag bei Hertha BSC betreuen, wie es hieß.

In der unmittelbar nach Paris eingesetzten Nachfolge-Debatte fällt auch der Name Thomas Tuchel. Ancelottis Zeit bei Bayern endete nach 15 Monaten mit einer historischen Pleite, nach der schnell Endzeitstimmung rund um den Trainer aufgekommen war. Mit stoischer Miene hatte der 58-Jährige, dessen Vertrag bis 2019 lief, in der Nacht den bedrohlichen Worten gelauscht, die sein Sitznachbar Rummenigge nach dem Zerfall des deutschen Meisters im Prinzenpark wählte. "Ich denke, das, was wir heute Abend gesehen haben, war nicht Bayern München", sagte der Vorstandschef in seiner kurzen Ansprache beim vereinsinternen Bankett im Teamhotel. Die Stimmung am Vorstands- und Präsidiumstisch wirkte eisig. Direkt nach dem 0:3 (0:2) gegen die Highspeed-Fußballer von Paris St. Germain um die sündhaft teuren und herausragenden Turbostürmer Neymar und Kylian Mbappé hatten die Münchner Bosse das Stadion bedrückt, verstört und auch sprachlos verlassen.

Aber nach der höchsten Vorrundenniederlage in 21 Jahren Champions League wollte die Führung nicht zur Tagesordnung übergehen. Dieser 27. September 2017 war ein Einschnitt, der ein "Weiter so" nicht mehr zuließ. "Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen", machte Rummenigge deutlich und forderte: "Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen." Der Gruppensieg in der Champions League ist nach dem 0:3 allerdings schon in weite Ferne gerückt.

Der Rauswurf von Ancelotti hatte sich bereits bei der Bankettrede angedeutet, als Rummenigge davon sprach, "auch in Klartextform Konsequenzen ziehen" zu müssen. Uli Hoeneß, der Präsident, der auch am Tisch saß und mit zusammengepressten Lippen zugehört hatte, klatschte wie die Mehrzahl der Zuhörer am Ende der Ansprache des Vorstandschefs in die Hände. Der aufgewühlte Bayern-Boss hatte mit einer klaren Ansage geendet: "Es ist wichtig, dass wir schnell nach diesem Spiel wieder die Kurve kriegen und uns als Bayern München präsentieren. Und dann eben auch zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, die in den letzten Jahren in Europa und auch national für Furore gesorgt hat, und dass wir da wieder anschließen."

Ancelotti hatte mit seiner Aufstellung im bislang bedeutendsten Spiel der Saison für Irritation gesorgt. Die größere Erfahrung hatte Rummenigge vor dem "Prestigespiel" als Vorteil des FC Bayern bezeichnet. Und dann saßen Weltmeister Mats Hummels und Franck Ribéry 90 Minuten auf der Bank. Arjen Robben wurde eingewechselt, als der Gruppengipfel nach Toren von Dani Alves (2.), Edinson Cavani (31.) und Neymar (63.) längst entschieden war. Jérome Boateng, auch ein Weltmeister, musste sogar von der Tribüne aus zuschauen. "Ich bin jemand, der sehr viel über die Aufstellung nachdenkt. Ich bedaure nichts", sagte Ancelotti. Er verteidigte seine Rotation, die seine Stars bei Laune halten soll, aber Hummels, Robben, Ribéry & Co. vergraulte. Ancelotti rotierte sich damit selbst aus dem Verein.