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| 02:39 Uhr

Ambitionen, Sorgen – und ein Joker

Holger Glandorf ist nach dem Sieg gegen Österreich wieder abgereist, er steht auf Abruf bereit.
Holger Glandorf ist nach dem Sieg gegen Österreich wieder abgereist, er steht auf Abruf bereit. FOTO: dpa
Kamen. Die DHB-Auswahl reist mit großen Ambitionen zur WM. Trotz erneuter Personalprobleme präsentiert sich das Team in der Vorbereitung stark – und hat für das Turnier in Frankreich noch einen Altstar in der Hinterhand. Ganz sorgenfrei ist die Stimmung aber nicht. Nils Bastek und Eric Dobias / dpa/jal

Die deutschen Handballer sind vor der WM längst kein Geheimtipp mehr. Und auch die Spieler der DHB-Auswahl wissen, dass sie am Mittwoch als eines der nominell stärksten Teams der Welt zu dem Turnier nach Frankreich reisen werden. "Natürlich will ich jetzt Weltmeister werden", sagt nicht nur Torhüter Andreas Wolff.

Vor gut einem Jahr war er für ähnlich ambitionierte Sätze vor der Europameisterschaft noch belächelt worden. Dann holte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson sensationell den Titel. Und die deutsche Rolle in der Handball-Welt veränderte sich. "Wir gehören in Frankreich zu einem Kreis von sechs Mannschaften, die bei der WM zu den Favoriten zählen. Den Anspruch haben wir nun einfach", sagt Rückraumspieler Paul Drux.

Wie gut er und die DHB-Auswahl aktuell drauf sind, wurde bei den deutlichen Siegen in der WM-Vorbereitung gegen Rumänien (30:21) und Österreich (33:17) deutlich. Zwar seien die Österreicher am Montag in Kassel in den ersten 15 Minuten stärker gewesen, sagte Sigurdsson. "Dann haben wir sie aber über die Breite des Kaders und mit vielen Emotionen überrannt."

Dabei werden dem Isländer im ersten WM-Spiel am Freitagabend (17.45 Uhr) gegen Ungarn mal wieder zahlreiche Stammkräfte fehlen. Erfahrene Topleute wie Steffen Weinhold, Martin Strobel oder Hendrik Pekeler fallen verletzt oder aus Belastungsgründen aus. Bei den Gruppenspielen in der Hafenstadt Rouen muss Sigurdsson auf einen neu formierten Rückraum setzen.

Wenn es in die heiße Phase des Turniers geht, könnte er aber auf einen erfahrenen Joker setzen. Weltmeister Holger Glandorf hatte gegen Österreich nach über zwei Jahren sein überraschendes Comeback im Nationaltrikot gefeiert - trat nach dem Spiel aber wieder die Heimreise an. Vorerst. "Wir hätten nix dagegen gehabt, wenn er mit uns nach Frankreich gefahren wäre. Ich denke, dass er uns helfen kann", so Mitspieler Julius Kühn. Der 33-Jährige wird sich zunächst mit Flensburg-Handewitt auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereiten. "Wenn etwas passieren sollte, stehe ich parat", betonte Glandorf.

Eine Rückholaktion des Altstars für die intensive K.o.-Phase könnte dem jungen deutschen Team einen zusätzlichen Push geben. Im rechten Rückraum lastet bis dato die Hauptverantwortung auf Kai Häfner als einzigem Linkshänder für diese Position. Dennoch wird die deutsche Mannschaft wohl kaum Probleme haben, zunächst ins Achtelfinale einzuziehen. In den insgesamt vier Sechsergruppen schaffen die jeweils besten vier Teams den Sprung.

Neben den erfahrenen Ungarn um ihren Altstar Laszlo Nagy dürften die Kroaten mit dem ehemaligen Welthandballer Domagoj Duvnjak vom THW Kiel der stärkste Gegner sein. Chile, Saudi-Arabien und Weißrussland gelten als Außenseiter.

Sigurdsson hat aber seit Dienstag erst mal nur die Ungarn im Kopf, vor denen er großen Respekt hat. "Die werden das sehr clever angehen, die spielen seit mehreren Wochen sehr gut. Unsere Chancen stehen 40 zu 60", meint der Isländer.

Ob er beim Auftakt auch mit Kapitän Uwe Gensheimer rechnen kann, ist weiter unklar. Nach dem unerwarteten Tod seines Vaters weilt der 30-Jährige bei seiner Familie in Mannheim. "Unsere Gedanken sind bei ihm und seiner Familie. Er kommt zurück, wenn er sich so fühlt", so Sigurdsson. Gensheimer wird auf der Liste der 15 Spieler stehen, die der Coach für das Turnier melden wird. Anstatt der maximal 16 erlaubten Akteure hält er sich die Option einer Nachnominierung offen. "Wenn etwas passiert, wollen wir auf jeder Position reagieren können", sagt er. Holger Glandorf weiß das.