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| 02:35 Uhr

Als der MC Hänchen 55 000 Besucher lockte

Hänchen. Der heute unter dem Namen MSC bekannte Motorsport-Verein vor den Toren von Cottbus erinnerte sich zum 50. an alte Zeiten. Georg Zielonkowski / ski1

Als sich jüngst anlässlich der 50. Wiederkehr des Gründungstages des damaligen MC Hänchen Mitglieder und Unterstützer des Vereins trafen, der heute MSC Hänchen heißt und dem ADAC Berlin-Brandenburg angegliedert ist, spielten natürlich auch die Ereignisse und Erlebnisse der vergangenen Jahrzehnte eine gravierende Rolle.

Gründungsmitglied Bruno Rehn erinnerte daran, dass es damals im September 1967 vier Mitglieder des Vereins waren, die mit der Einzahlung von jeweils 500 Mark das Grundkapital für das erste Rennen abgesichert haben. "Damals wurde noch nicht auf unserer heutigen Strecke gefahren, da hieß es noch ,Rund um den Rinderoffenstall', und die Siegerpreise waren ein Kalb oder ein Schwein, das unsere LPG ,Neuer Weg' zur Verfügung gestellt hatte." Zwei Mal konnte der dreifache Weltmeister Paul Friedrichs mit diesen besonderen Siegertrophäen heim fahren. Der große Favorit gewann mit seiner 500er CZ 1968 und 1971 am Hänchener Weinberg.

Über diese Aussage staunten die jüngeren Vereinsmitglieder genauso wie beim Blick in die Erfolgsliste der frühen Hänchener Motorsportjahre. Als zum Beispiel vom ersten Vorsitzenden des MC, Helmut Mulka, die Rede war, der neben seiner Motocross-Laufbahn ein höchst erfolgreicher Pilot der schnellsten Rennbootklasse war. Immerhin wurde das spätere Mitglied der DDR-Nationalmannschaft bis zum Jahr 1979 zweifacher DDR-Meister der Klasse O500. Zudem stand er viermal neben Danisch & Co. auf dem Treppchen der Meisterehrung. Auch als Gastgeber für die mutigen Kerle in den Rennbooten trat der MC Hänchen in Erscheinung.

Zwischen 1972 und 1975 wurden auf dem Spremberger Stausee DDR-Meisterschaftsläufe verschiedener Rennbootklassen ausgetragen. Unglaubliche 55 000 Besucher sollen es 1975 gewesen sein, die das Speicherbecken säumten.

Mit Horst Kölling wusste ein weiterer früherer Vorsitzender des Clubs Überraschendes für die ganz jungen Club-Mitglieder zu erzählen. "Wir hatten für ein Jahr den 96er Motocross-Weltmeister der 500er-Klasse, Shayne King aus Neuseeland, bei uns unter Vertrag. Das gab damals natürlich viel Aufsehen auf den Strecken, wenn der Sprecher beim Vorstellen der Fahrer unseren MC Hänchen als Heimatverein nannte. Wenn ich mich recht erinnere, war es Olaf Noack, der als Renn-Kommissar auf den internationalen Strecken zu Hause ist, der die Verpflichtung von Shayne damals eingeleitet hatte."

Was die alljährlichen Motocross-Veranstaltungen "Am Weinberg" betrifft, war das Jahr 1999 das wohl aufregendste. Wurde doch der immer wieder anspruchsvoller gestalteten Schleife vor den Toren der Stadt Cottbus die Ehre zuteil, einen 125-ccm-WM-Lauf auszurichten. "Die Top-Fahrer der Welt mit dem Doppelweltmeister Alessio Chiodi aus Italien an der Spitze bei uns zu Gast - welche Ehre für unseren eher kleinen Club", erinnert sich Horst Kölling.

Unter der Leitung des heutigen Vorsitzenden Gerd Grabia finden zwar bis heute alljährlich zu Ostern die Renntage am Weinberg statt, an die Ausrichtung von Prädikatsveranstaltungen wie EM oder gar WM ist derzeit aber nicht zu denken. "Da sind heute ziemlich hohe Preise zu zahlen, wenn man die Ausrichtung solcher Läufe übernimmt. Das kriegt man nicht mehr hin. Aber wir bleiben unserer Linie treu und veranstalten auch weiterhin jedes Jahr ein Rennen", erklärt Gerd Grabia.

Die Leitung der Veranstaltungen liegt dann zumeist in den Händen von Michael Buder. Der zu Ostern in diesem Jahr beim 52. Internationalen Renntag am Weinberg mit der Buchung besonderer Rennklassen die 2000 Besucher begeistern konnte: "Es ist schon toll anzusehen, wenn die Quads und erst recht die Seitenwagen-Teams ihre Spuren in unsere betont sandige Piste schreiben", schwärmt Buder. "Wichtig wird für uns immer sein, finanziell machbare Rennen anzubieten. Mit Hilfe unserer großzügigen Sponsoren, denen wir nicht genug danken können, sind das doch gar nicht einmal so ganz kleine Serien, die wir herholen."