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| 02:45 Uhr

Ärger um Not-Berichterstattung von der WM

Sollte das Team von Dagur Sigurdsson Weltmeister werden, dann würde es wohl nicht mal nach dem Finale ein aktuelles TV-Interview mit dem Bundestrainer geben.
Sollte das Team von Dagur Sigurdsson Weltmeister werden, dann würde es wohl nicht mal nach dem Finale ein aktuelles TV-Interview mit dem Bundestrainer geben. FOTO: dpa
Hannover. Das TV-Chaos bei der am Mittwoch beginnenden Handball-WM ruft weiter Ärger und deftige Worte hervor. Bei der Heim-WM der Frauen am Ende des Jahres droht ein ähnliches Szenario. Michael Rossmann und Nils Bastek / dpa/jal

Not-Berichterstattung und meckernde Funktionäre: Das Sponsoren-TV bei der Handball-WM sorgt für Verdruss. Die Fans werden bei den Live-Übertragungen aus Frankreich nicht das gewohnte Berichterstattungs-Niveau erleben. Und die Funktionäre des DHB schimpfen über Politik und Kritiker.

Nur bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft und maximal vier weiteren Partien wird es einen deutschsprachigen Kommentar geben. Bei den übrigen Begegnungen des am Mittwoch beginnenden Turniers hören die Zuschauer auf der Internetseite des Handball-Sponsors DKB "den englischen Kommentar des Signalgebers". Das teilte die Deutsche Kreditbank (DKB) am Montag mit.

Kommentatoren sind Markus Götz und Uwe Semrau, die Handball-Anhänger von Sport1-Übertragungen kennen. Die Übertragungen beginnen erst mit dem Einlaufen der Mannschaften und enden kurz nach dem Spiel. Interviews mit dem Bundestrainer oder Spielern sind nicht geplant. "Ein Studio oder Team vor Ort wird es nicht geben", teilte die Bank mit. Die Bank sieht sich selber als Notlösung. Die DKB habe sich "eine Live-Übertragung im Free-TV gewünscht und hofft, dass dies künftig auch wieder der Fall sein wird".

Der Rechteinhaber BeIN Sport hatte eine Übertragung im Free-TV abgelehnt. DHB-Präsident Andreas Michelmann ruft nach Hilfe durch die Politik. "Handball-WM und -EM müssen auf die TV-Schutzliste", sagte Michelmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Man stelle sich vor, es hätte keine Bilder von der Fußball-EM im vergangenen Sommer gegeben - undenkbar", klagte er und schimpfte: "Sportpolitisch sind wir leider im Land der Monokultur angekommen."

Gemeint ist der Rundfunkstaatsvertrag, der festlegt, dass "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" nicht ausschließlich im Pay-TV ausgestrahlt werden dürfen. Dazu zählen Olympia und verschiedene Fußball-Partien. Handball befindet sich nicht auf der Liste.

Allerdings fiele das Sponsoren-TV von der WM in Frankreich gar nicht darunter, weil die DKB die Spiele über ihre Homepage unverschlüsselt zeigt. Anders als der Pay-TV-Sender Sky, der die WM vor zwei Jahren in Katar übertrug. Damals konnten nur Sky-Kunden die WM sehen. Schon 2015 gab es hitzige Diskussionen über die Schutzliste - und der DHB war ebenso wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dagegen, dass Handball in den Staatsvertrag aufgenommen wird. Pikant: Der damalige DHB-Präsident Bernhard Bauer wollte das nicht und sagte damals, er wisse nicht, "ob es uns helfen würde".

Auf die Schnelle lässt sich der Staatsvertrag der Bundesländer ohnehin nicht ändern. Bei der Handball-WM der Frauen im Dezember ist ein ähnliches Chaos absehbar. Das Turnier in sechs deutschen Städten fällt noch unter den umstrittenen Vierjahresvertrag, den der Weltverband IHF mit der katarischen Agentur beIN Sports für rund 80 Millionen Euro geschlossen hat.

Michelmann bezeichnete den Rechtehändler als "Ärgernis" und sagte: "Der Handball in Deutschland ist in dem Rechtestreit der Kollateralschaden." Die Beschränkungen durch beIN Sports haben letztlich dazu geführt, dass die am Mittwoch beginnende Männer-WM nur über die DKB-Seite und nicht im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen ist.