| 02:38 Uhr

Kommentar
Ach, Heiliger Jupp

FOTO: LR
Meinung Die Bayern tun es also schon wieder. Nach der Freistellung des entzauberten italienischen Tafelsilbersammlers Ancelotti will Uli Hoeneß seinen Seelenverwandten Jupp Heynckes wiederbekommen – zum vierten Mal nach 1987, 2009 und 2011. Steven Wiesner

Was sich Hoeneß dabei denkt, scheint klar zu sein: Er würde einen Trainer bekommen, der einen längeren Briefkopf hat als so mancher Bundesliga-Klub und im Allüren erprobten Star-Ensemble der Münchener wahrscheinlich noch beliebter ist als in der Fankurve. Hoeneß könnte damit dem Risiko aus dem Weg gehen, einen unberechenbaren Thomas Tuchel ins Mia-San-Mia-Gefüge zu integrieren, und gewänne zudem noch Zeit, bis Julian Nagelsmann im Sommer kontaktiert werden kann.

Was sich Heynckes dabei denkt, sollte er tatsächlich nochmal auf den Trainerstuhl zurückkehren, aber erschließt sich weniger. Mit dem historischen Triple hatte sich "Don Jupp" vor vier Jahren ein Denkmal gebaut und war als Heiliger abgetreten. Dieser Status kann jetzt eigentlich nur Kratzer abbekommen. Dass die Freundschaft von Hoeneß und Heynckes weit über das Geschäft hinausgeht, ist hinlänglich bekannt.

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, Jupp ist immer nur gut genug für die Bayern, wenn gerade kein Welttrainer à la Guardiola zu haben ist. Sicher wird die Bundesliga mit Ehrenmann Heynckes wieder ein Stück wertvoller. Und dennoch: Man hätte dem 72-Jährigen irgendwie etwas mehr Widerstandsfähigkeit gewünscht.