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"A Riesenparty hab i gefeiert"

Lucas Auer kommt mit schönen Erinnerungen an den Lausitzring. 2016 holte er dort seinen ersten DTM-Sieg. Zum Saisonstart in Hockenheim war der 22-jährige Österreicher nun schon wieder ganz vorn.
Lucas Auer kommt mit schönen Erinnerungen an den Lausitzring. 2016 holte er dort seinen ersten DTM-Sieg. Zum Saisonstart in Hockenheim war der 22-jährige Österreicher nun schon wieder ganz vorn. FOTO: DTM
Klettwitz. Der Mercedes-Pilot kommt als Gesamtführender zum DTM-Rennen an den Lausitzring und muss im RUNDSCHAU-Interview Fragen zu seinem Über-Onkel Gerhard Berger, zu PS-Neid unter Kollegen, zu seiner Sehstärke und zu einem schweren Rucksack beantworten.

Lucas Auer (22) ist der Senkrechtstarter im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM). Nach seinem Debütsieg im vergangenen Jahr am Lausitzring kommt der Österreicher nun sogar als Gesamtführender der neuen Saison zurück zum Motorsport-Festival (Freitag bis Sonntag) an die Rennstrecke nach Klettwitz. Die RUNDSCHAU hat mit dem Neffen des neuen DTM-Chefs Gerhard Berger gesprochen und dabei mit viel Mühe dessen Kufstein-Tiroler-Dialekt ("Des war a Wahnsinn. A Riesenparty hab i gefeiert.") übersetzt.

Lucas Auer, Ihr Onkel Gerhard Berger hat Ihnen für die Saison ja gleich mal einen ordentlichen Rucksack aufgeschnallt. Der neue DTM-Chef hat Sie als zukünftigen Formel-1-Fahrer ins Gespräch gebracht. Kann man mit diesen Zusatzgewichten denn überhaupt schnell Auto fahren?
Auer Ganz ehrlich, das stört mich nicht. Das gehört alles dazu. Aber ich befinde mich voll im DTM-Tunnel und konzentriere mich auf den Lausitzring.

Sie kommen als Gesamtführender nach Klettwitz: Wird das Ihr Jahr?
Auer Das kann ich so jetzt nicht sagen, ob das mein Jahr wird - oder nicht. Es ist erst das zweite Renn-Wochenende, es kann noch so viel passieren. Aber ich habe ein gutes Gefühl und bin auf alles vorbereitet.

Im vorigen Jahr holten Sie in Klettwitz einen ganz besonderen Sieg: Ihr erster DTM-Erfolg, der erste Sieg eines Österreichers, der erste Sieg für den Rennstall von Peter Mücke. Welchen Stellenwert hat dieses Wochenende für Sie?
Auer Das war der Wahnsinn. Schon im ersten freien Training lief es richtig gut für mich. Und am Sonntag haben wir alles auf den Punkt gebracht. Das war absolut riesig, ich habe danach drei, vier Tage gebraucht, um das richtig zu realisieren. Und eine Riesenparty habe ich auch gefeiert. Da ging die Post ab.

An welchen Moment erinnern Sie sich konkret?
Auer Das Gefühl, als ich über die Ziellinie gefahren bin, habe ich immer noch in mir. Und dann der Augenblick auf dem Podium: Ich habe nach unten zu den Leuten geschaut, die so hart für diesen Sieg gearbeitet haben. Als ich deren Emotionen gesehen habe, das hat mich umgehauen.

Ihr damaliger Teamchef Peter Mücke hat uns verraten, dass dieser Sieg auch bei ihm als alten Motorsport-Haudegen große Gefühle ausgelöst hat.
Auer Der war auch etwas Besonderes. Wir haben dafür so hart zusammengearbeitet, speziell im Winter. Diesen Sieg haben wir uns verdient - und da kann man auch mal ein bisschen weich werden.

Der Lausitzring gilt als schwierige Strecke. Sehen Sie das auch so?
Auer Das stimmt, mit den Bodenwellen macht das nicht ganz so viel Spaß. Aber der Lausitzring ist gut für die Show. Es gibt ein paar Kurvenkombinationen, die muss man gut erwischen. Und dann die lange Gerade zum Attackieren, das nutzen ja einige Fahrer.

Im Vorjahr fuhr die DTM erstmals als Motorsport-Festival gemeinsam mit dem ADAC GT Masters. Wie haben Sie das erlebt?
Auer Das war super, ein Wahnsinns-Event. Es war richtig voll im Fahrerlager, aber genauso wollen wir das doch auch haben. Ich freue mich sehr auf diese Atmosphäre.

Die Supersportwagen im ADAC GT Masters haben 100 PS mehr als die DTM-Boliden. Sind Sie neidisch?
Auer (lacht) Dafür sind wir leichter. Und jeder Sportler will ja am besten so viel Kurvenspeed, wie es nur geht. Aber sicher, die GT-Fahrzeuge haben auch ihren Reiz.

Vor dieser Saison gab es in der DTM viele Regeländerungen: Kein Funk, schwierigere Boxenstopps, der Re-Start im Indy-Stil. Welche gefällt Ihnen am besten?
Auer Der neue Hankook-Reifen ist eine große Herausforderung für uns. Und den Indy-Start finde ich sehr cool.

Der macht sicher Spaß.
Auer Ja, aber man ist dabei auch total angespannt. Da kannst du in einer Rennphase ganz viel gewinnen - oder auch verlieren. Insgesamt bin ich mit diesen Regeländerungen sehr zufrieden.

Der Funkverkehr ist arg eingeschränkt. Ist das ein Problem für Sie?
Auer Nein. Ich habe ohnehin nicht so viel am Funk geredet. Jetzt muss ich nur schauen, dass ich die Anzeigen auf den Tafeln erkenne.

Ihr DTM-Kollege Mattias Ekström hat schon gescherzt, dass die älteren Fahrer im Nachteil seien, weil sie die Rundenzeiten auf den kleinen Täfelchen schlechter lesen könnten. Wie gut sind Ihre Augen?
Auer Die sind noch topfit. Aber trotzdem ist das wirklich extrem schwierig. Gerade in den ersten Runden hängt jeder seine Tafel heraus. Da musst du erstmal rausfinden, welche zu dir gehört. Dann musst du die Zeit richtig ablesen und dann bei Vollgas bis zur ersten Kurve verarbeiten.

Gerhard Berger ist, wie gesagt, Ihr Onkel und Förderer. Haben Sie mit diesem direkten Draht zum DTM-Chef nicht einen Vorteil gegenüber den Kollegen?
Auer Schlicht und einfach: Nein. Für mich hat sich dadurch nichts geändert.

Berger ist eine Formel-1-Legende. Auf einer Skala von leichter Kopfschmerz bis Nervenkollaps - wo würden Sie den ständigen Vergleich mit diesem Über-Onkel einordnen?
Auer Ach, ich bin damit aufgewachsen und komme damit klar. Und ich kann das auch verstehen: Der Gerhard ist eine Riesennummer.

Und Sie müssen vermutlich in jedem Interview Fragen zu ihm beantworten.
Auer Das hatte sich eigentlich etwas gelegt. Jetzt, wo er DTM-Chef geworden ist, ist es wieder etwas mehr geworden. Aber er ist halt eine Rennsport-Legende.

In Ostdeutschland ist Peter Mücke eine solche Motorsport-Legende. Wie bewerten Sie Ihre Zeit in dessen Rennstall?
Auer Ich kenne Peter seit 2014, bin bei ihm auch schon Formel 3 gefahren. Er hat so viel Erfahrung, von ihm kann man so viel lernen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Mückes Rennstall gilt ja als Formel-1-Schmiede. Dass Vettel, Wehrlein, Kubica dort gefahren sind, wissen Sie vermutlich?
Auer Natürlich.

Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: Ist die Formel 1 für Sie die nächste Station?
Auer Ganz ehrlich: Die nächste Station ist für mich der Lausitzring. Alles, was danach kommt, werden wir sehen.

Mit Lucas Auer

sprach Jan Lehmann

Zum Thema:
Lucas Auer (22) fuhr in der Vorsaison für das DTM-Team von der ostdeutschen Motorsport-Legende Peter Mücke (70). Dort holte er ausgerechnet auf dem Lausitzring, der Heimstrecke von Mücke Motorsport, den ersten DTM-Sieg überhaupt für den Berliner Rennstall. Nach zwölf Jahren im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) ist Mücke Motorsport diese Saison nicht mehr dabei. Auer wechselte zum Mercedes-Rennstall HWA, der dem langjährigen DTM-Chef Hans Werner Aufrecht (78) gehört. Mücke Motorsport ist derweil beim ADAC GT Masters dabei.