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70-Millionen-Antwort auf "Transferwahnsinn"

Künftig soll es beim FC Bayern wieder mehr Eigengewächse wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Thomas Müller geben.
Künftig soll es beim FC Bayern wieder mehr Eigengewächse wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Thomas Müller geben. FOTO: dpa
München. Auf dem "FC Bayern Campus" will der deutsche Fußball-Rekordmeister neue Schweinsteigers, Lahms und Müllers entwickeln. Ministerpräsident Seehofer spricht bei der Eröffnung des Prestige-Objektes von einem neuen "magischen Dreieck für den Erfolg". Klaus Bergmann / dpa/jal

Die Blasmusik spielte, das Festzelt war gefüllt mit bayerischer Prominenz - und Uli Hoeneß verkündete bei der feierlichen Eröffnung der neuen Nachwuchsschmiede des FC Bayern München Visionen. Auf dem 70 Millionen Euro teuren "FC Bayern Campus" will der deutsche Rekordmeister neue Topspieler wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Thomas Müller entwickeln und damit eine zukunftsweisende Reaktion auf die finanziellen Auswüchse im Profifußball geben.

"Vielleicht ist das die Antwort des FC Bayern auf den Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen", sagte Hoeneß am Montag bei der feierlichen Eröffnung des "FC Bayern Campus". "Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Campus die Chance haben, viel, viel Erfolg für den FC Bayern zu generieren", verkündete Hoeneß stolz.

In der Nachwuchsarbeit ist der FC Bayern schon seit Jahren nicht mehr die Nummer 1 in Deutschland, auch wenn zuletzt die U17 deutscher Meister werden konnte. "Wir haben hier Steine gebaut. Jetzt liegt es daran, den FC Bayern bei den Beinen besser zu machen", sagte Hoeneß. Der Bayern-Campus solle zu einem "Markenzeichen" werden.

Auf einem 30 Hektar großen Areal in Sichtweite der Allianz Arena wurden in knapp zwei Jahren optimale Trainingsbedingungen geschaffen, inklusive eines Kleinstadions mit 2500 Zuschauerplätzen. "Säbener Straße, Allianz Arena und jetzt Ingolstädter Straße - das ist das neue magische Dreieck für den Erfolg des FC Bayern", sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) als Festredner. Auch der Freistaat dürfe stolz auf das Erschaffene sein. Seehofer sprach von einem "Meilenstein" in der Geschichte des Vereins. "Unser FC Bayern ist das beste Aushängeschild, das wir im Freistaat Bayern haben", sagte der Landesvater.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) griff Hoeneß' Gedanken auf und hob hervor, dass die Kaderschmiede "nicht mal einen halben Neymar" gekostet habe. Der Brasilianer ist in diesem Sommer für die Weltrekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain transferiert worden. "Erfolg ist schaffbar", sagte Rainer Koch, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes. Das Projekt nutze nicht nur dem Rekordchampion. "Der FC Bayern und die Nationalmannschaft sind die zentralen Aushängeschilder des deutschen Fußballs", erklärte Koch als DFB-Vizepräsident. Nachwuchsförderung ist für ihn der Schlüssel, um den Fußball Made in Germany an der Weltspitze zu halten: "Wer 2030 für Deutschland bei der WM spielen wird, ist heute schon geboren."

Keine zwei Jahre nach der Grundsteinlegung ist der Bayern-Campus seit Beginn des Monats unter der Leitung der Jugendchefs Hermann Gerland, der die Weltmeister Lahm, Schweinsteiger und Müller einst ausbildete, und dem von Red Bull Salzburg geholten Jochen Sauer in Betrieb. Auf acht Plätzen können 14 Jugendteams trainieren. Es gibt 35 Appartements für Talente aus Deutschland und der ganzen Welt.

Der beim Festakt anwesende Trainer Carlo Ancelotti wird vermutlich nicht mehr vom Zukunftsprojekt profitieren. Trotzdem soll am Ende der mit immer mehr teuren ausländischen Stars besetzte Bayern-Profikader "hoffentlich der größte Profiteur der ganzen Geschichte" sein, wie Hoeneß sagte: "Wir haben hier ein großes Gebilde zusammengebastelt."

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München (dpa/jal) Bayern-Präsident Uli Hoeneß steht dem Videobeweis in der Bundesliga weiterhin kritisch gegenüber. "Jetzt haben wir etwas davon gehabt, dass wir einen Elfmeter gekriegt haben, den der Schiedsrichter nicht gegeben hatte", sagte Hoeneß mit Blick auf den Foulelfmeter, den der FCB beim 3:1 gegen Leverkusen dank des Videoassistenten erhalten hatte. Überzeugt vom neuen Hilfsmittel, das am 1. Spieltag mit massiven technischen Problemen gestartet war, ist Hoeneß aber nicht. "Ich sehe das nicht so kurzfristig. Ich habe nach wie vor meine Bedenken, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren", sagte der 65-Jährige am Montag.