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| 02:39 Uhr

40 oder 48 Teams? Nur Europa ist gegen Mammut-WM

Reinhard Grindel rechnet fest mit einer WM-Aufstockung. Foto: Guido Kirchner
Reinhard Grindel rechnet fest mit einer WM-Aufstockung. Foto: Guido Kirchner
Zürich. Das WM-Format mit 32 Ländern ist ein Auslaufmodell. Das steht schon vor der Fifa-Sitzung in Zürich fest. Offen ist aber weiter, ob die Fußball-Funktionäre bei ihrem Treffen eine Entscheidung für eine Mammut-WM fällen. 40 oder 48 Teams? Das ist die Frage. Arne Richter und Florian Lütticke / dpa/jal

Im verschneiten Zürich steht der Welt-Fußball vor einer möglicherweise fundamentalen Entscheidung. Das Fifa-Council berät am Dienstag über die viel diskutierte Aufstockung der WM-Teilnehmer auf 40 oder 48 Teams von 2026 an. Die Interessenkonflikte zwischen den kontinentalen Verbänden sind groß. Das alte Fußball-Europa will seine Pfründe sichern. Der deutsche Fußball hat eine klare Haltung, sitzt aber nicht am Verhandlungstisch.

Wieso soll es überhaupt mehr WM-Teilnehmer geben?
Die Idee mit einer 40er-WM stammt vom einstigen Uefa-Präsidenten Michel Platini. Sein Funktionärs-Ziehsohn Gianni Infantino punktete damit erfolgreich im Wahlkampf für den Posten als Fifa-Chef. Nach wenigen Monaten im Amt überraschte der Schweizer mit neuen Varianten mit 48 Teams Seine Begründung: die WM-Begeisterung in vielen Ländern entfachen. Unstrittig ist, dass der klamme Weltverband seine Einnahmen steigern würde - laut einem internen Fifa-Papier um rund eine Milliarde Dollar.

Welche Vorschläge gibt es?
Derzeit liegen vier Varianten auf dem Tisch, zwei für eine WM mit 40, zwei mit 48 Teams. 40 Mannschaften würden auf acht Gruppen mit je fünf Teams oder zehn Gruppen mit je vier Teams aufgeteilt werden. Bei acht Gruppen kämen die Ersten und Zweiten weiter, bei zehn Gruppen die Sieger und sechs besten Zweiten. In beiden Fällen würde es deutlich mehr WM-Spiele geben, möglicherweise bis zu 96 insgesamt. Bei 48 Teams käme es entweder zu einer Playoffrunde von 32 Ländern, wobei die Sieger zu 16 gesetzten Teams stoßen würden, gefolgt vom bisher üblichen Modus mit acht Gruppen á vier Teams.

Was will Fifa-Boss Infantino?
Die jüngste Idee des Fifa-Chefs sind 16 Gruppen mit je drei Teams, von denen Gruppensieger und Gruppenzweite in die K.o.-Phase kämen. Um Mauscheleien in den kleinen Gruppen zu erschweren, soll es in dieser Variante bei Gleichstand Elfmeterschießen geben.

Was spricht gegen diese Pläne?
Egal, welche Variante die Fifa auch wählt, die WM wird komplizierter und sportlich ungerechter. Bei Gruppen mit fünf Teams wären Mauscheleien einfach, mehrere Teams zudem früh ohne Chance auf ein Weiterkommen. Bei 16 Dreiergruppen würden auch Absprachen im letzten Spiel drohen. Sportlich am gerechtesten wäre die Playoff-Variante, aber dann müssten 16 Teams nach nur einem Spiel wieder nach Hause. Fundamentalkritik kommt aus dem europäischen Profifußball, angeführt von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge als Chef der European Club Association. Die reichen Europäer sehen eine Überbelastung ihrer teuer bezahlten Superstars.

Warum sind die Deutschen gegen die Erweiterung?
Deutschland ist noch nie in der WM-Qualifikation gescheitert. Deshalb sei es leicht, gegen die Erweiterung zu wettern, meinte Infantino, als Joachim Löw seine kritische Haltung publik machte. Der Bundestrainer, der den höchsten sportlichen Wettkampf propagiert, fürchtet eine "Verwässerung" der Fußball-Qualität.

Wer entscheidet am Ende?
Eigentlich sollte das Fifa-Council als Nachfolger des skandalumtosten Exekutivkomitees weniger operative Macht haben. Doch auch nach den neuen Regularien kann das Gremium mit seinen derzeit 33 Mitgliedern aus allen sechs Konföderationen das WM-Format bestimmen. Der deutsche Fußball sitzt dabei nicht mit am Tisch. Der Platz von Wolfgang Niersbach ist nach dessen Sperre und Rücktritt noch nicht besetzt. Das wird sich erst im Mai ändern, wenn DFB-Chef Reinhard Grindel in das Gremium einzieht.

Wird es am Dienstag auf jeden Fall eine Entscheidung geben?
Gerade die Europäer drängen auf mehr Zeit, möglicherweise rund um den Fifa-Kongress im Mai in Bahrain. Hinter den Kulissen tobt längst ein anderer Kampf: Nämlich die Verteilung der Startplätze pro Kontinentalverband. Afrika, Asien und Nord-/Mittelamerika sind noch deutlich unterrepräsentiert. Europa und Südamerika wollen ihre Vormachtstellung jedoch nicht aufgeben.