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27-stündige Tortur im nasskalten Grunewald

Der 17-malige Tour-de-France-Teilnehmer Jens Voigt (r.) hatte bei seiner "Everest-Challenge" im Berliner Grunewald immer wieder Begleiter an seiner Seite – kurzzeitig sogar ein paar Wildschweine.
Der 17-malige Tour-de-France-Teilnehmer Jens Voigt (r.) hatte bei seiner "Everest-Challenge" im Berliner Grunewald immer wieder Begleiter an seiner Seite – kurzzeitig sogar ein paar Wildschweine. FOTO: dpa
Berlin. Ex-Radprofi Jens Voigt stellte sich zwei Jahre nach seinem Rücktritt einer besonderen Herausforderung: Der 45-Jährige bezwang den Berliner Teufelsberg für einen guten Zweck so oft, bis er das Äquivalent der Höhe des Mount Everest geschafft hatte. Dauer der Tortur: 27 Stunden. Andreas Zellmer

Jens Voigt ist einsilbig geworden - ein Alarmzeichen. Manchmal sei es gewesen wie "ein schleichender Tod", sagte der 45 Jahre alte Ex-Profi, als er nach seiner Charity-Tour auf den Berliner Teufelsberg nach einer 27-Stunden-Tortur völlig verdreckt und fertig endlich vom Rad steigen durfte. Er war nonstop unterwegs seit Montagmittag, die Nacht hindurch im nasskalten Grunewald mit einer Lampe auf dem Helm. Kein Schlaf, keine längeren Pausen. Selbst die wärmste Spezialkleidung ist da nicht die 100-prozentige Lösung.

Hühnerbrühe mit Graupen

Zum Frühstück hatte seine Frau am Dienstag Rühreier mit Toast gebracht, auf einem kleinen Kocher stand eine Hühnerbrühe mit Graupen. "Jetzt nach Hause unter die Dusche und den Vollbart ab", war Voigts Wunsch. "Ein paar Durchhänger gab's. Zum Glück kamen die Wildschweine nur einmal, als wir berghoch fuhren - kein Problem", sagte der einstige Ausreißerkönig der Tour de France.

Als moralische Stütze und vor allem Gesprächspartner hatte der deutsche Rekord-Tour-Teilnehmer (17) immer Begleiter an seiner Seite. "So wechselnd zusammen bestimmt 300 bis 400 Mitfahrer. Es gab bergab auf dem glitschigen Untergrund zahlreiche Stürze - zum Glück alle glimpflich. Ich bin verschont geblieben", erzählte Voigt, der mit seiner Aktion zugunsten Krebskranker sämtliche selbst gesteckten Spendenziele sprengte.

Mehr als 25 000 Euro zur Krebsbekämpfung waren zusammengekommen, noch bevor seine verrückte Fahrt beendet war. Voigt hatte auf einer Vier-Kilometer-Runde im Bezirk Charlottenburg etwa 9000 Höhenmeter hinter sich gebracht, was der Höhe des Mount Everest (8848 Meter) entspricht. Die sogenannte "Everest-Challenge" war geschafft.

Der etwa 120 Meter hohe Teufelsberg ist nach dem Krieg aus Trümmern aufgeschüttet worden. Auf der Kuppe stehen noch immer die Reste einer Wetter- und Abhörstation der US-Armee aus Zeiten des Kalten Krieges. Zwei Wege mit zum Teil - für Berliner Verhältnisse - steilen Serpentinen führen hinauf. Der Höhenunterschied beträgt etwa 90 Meter, sodass Voigt und Co. 100 Runden bewältigten.