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| 02:40 Uhr

27:23 – DHB-Team behält die Nerven

Der Dank an die beiden besten am gestrigen Abend – Paul Drux (r.) herzt Uwe Gensheimer und Silvio Heinevetter (l.).
Der Dank an die beiden besten am gestrigen Abend – Paul Drux (r.) herzt Uwe Gensheimer und Silvio Heinevetter (l.). FOTO: dpa
Rouen. Die deutschen Handballer starten mit einem hart erkämpften 27:23-Sieg gegen Ungarn in die WM. Überragende Spieler sind Kapitän Gensheimer und Torwart Heinevetter. Am Sonntag wartet Chile. Nils Bastek und Eric Dobias

Der Kapitän ging voran: Dank einer Gala-Vorstellung von Uwe Gensheimer haben die deutschen Handballer zum WM-Auftakt einen 27:23 (16:11)-Zittersieg gegen Ungarn gefeiert. Der kurz vor den Titelkämpfen vom Tod seines Vaters erschütterte Linksaußen lieferte am Freitag vor 5000 Zuschauern in Rouen eine Klasse-Leistung ab und war mit 13 Toren bester Werfer der Bad Boys, die in Torwart Silvio Heinevetter ihren überragenden Rückhalt hatten.

"Es gibt den Menschen Uwe und es gibt den Handballer Uwe. Heute hat man gesehen, was für ein großartiger Handballer er ist", sagte Heinevetter zum Auftritt von Gensheimer. Der 30-Jährige war nach dem Schicksalsschlag erst am Donnerstagabend zur deutschen Mannschaft gestoßen und zeigte sich trotz des tragischen Ereignisses mental voll auf der Höhe. "Das war großartig. Respekt", lobte Bundestrainer Dagur Sigurdsson den Kapitän.

Seine Schützlinge, die nach einer überzeugenden ersten Hälfte schwächelten, können dem zweiten Vorrundenspiel am Sonntag (14.45 Uhr) gegen Chile nun etwas gelassener entgegensehen. Die Südamerikaner legten mit einem 32:28 gegen Weißrussland allerdings ebenfalls einen siegreichen WM-Start hin.

"Wir waren das bessere Team, haben das ganze Spiel über geführt und verdienen es, zu gewinnen. Ich bin sehr glücklich über den Sieg", erklärte Sigurdsson nach dem Handball-Krimi gegen die Magyaren.

Nach sonderlich viel Spannung sah es zunächst nicht aus, denn der Isländer hatte seine Mannschaft perfekt eingestellt. Der Europameister startete hellwach in die Partie, vor allem die deutsche Abwehr präsentierte sich in starker Verfassung. Angeführt von Defensivchef Finn Lemke blockte der Sechserverbund zahlreiche Wurfversuche des Rivalen.

Im Tor lief Heinevetter, der den Vorzug vor EM-Held Andreas Wolff erhalten hatte, sofort heiß. Der Keeper von den Füchsen Berlin sorgte mit seinen Paraden dafür, dass die DHB-Auswahl von Beginn an nie in Rückstand geriet. Schon nach zwei Minuten hatte er zwei starke Würfe abgewehrt, am Ende des ersten Durchgangs waren es insgesamt 45 Prozent der ungarischen Versuche.

Nach 18 Minuten lag der Olympia-Dritte beim 8:5 erstmals mit drei Toren vorn. Bis zur Pause traf Frankreich-Legionär Gensheimer von Paris St. Germain allein siebenmal, davon viermal vom Siebenmeterpunkt. Damit war der 30 Jahre alte Familienvater neben Heinevetter Garant für den komfortablen Fünf-Tore-Vorsprung zur Halbzeit.

Nach der Pause begannen die Deutschen aber zu wackeln. Fast acht Minuten benötigte die Sigurdsson-Truppe nach dem Wechsel für das erste Tor durch Kai Häfner. Die Würfe des einzigen Linkshänders im Rückraum, der insgesamt siebenmal traf, wurden mit zunehmender Spielzeit jedoch unpräziser. "Es war ein sehr umkämpftes Spiel. Wir sind extrem glücklich, dass wir es am Ende gewonnen haben", sagte Häfner.

Auch bei seinen Teamkollegen war offensiv plötzlich der Wurm drin. Einzig Heinevetter war es zu verdanken, dass die Ungarn nie näher als auf ein Tor herankamen. Der 32-Jährige war der stabilste Akteur im deutschen Team, das sich ungemein schwer tat. "Wir haben in der zweiten Halbzeit den Faden verloren und sind froh, dass wir ihn am Ende wiedergefunden haben", sagte Rückraumspieler Steffen Fäth.