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24 Stunden Schnappatmung

Deadline-Day. Das, was wir Zeitungsreporter täglich mit dem Redaktionsschluss haben, ereilt Trainer und Manager zweimal im Jahr: die Deadline. Jan Lehmann

Das Ende der Transferperiode - da kann man schon mal Schnappatmung bekommen. Schließlich ist dies der Tag, an dem noch schnell der Wunderstürmer verpflichtet und der Chancentod verhökert werden kann.

In England stehen die Fernsehreporter am Deadline-Day schon seit einigen Jahren 24 Stunden vor den Geschäftsstellen der Clubs und berichten unverzüglich, wenn etwas Wichtiges passiert. Beispielsweise, wenn das Licht am Toilettenfenster angegangen ist, oder der Platzwart das Trainingsgelände verlässt. Klar, diesen Hype machen wir in Deutschland längst mit und so können wir uns an diesem Donnerstag auf einen bewegten TV-Tag freuen. Erst recht im Sommer des absoluten Transferwahnsinns, in dem jeder Clubchef, der noch ein bisschen etwas von Berufsehre versteht, mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag für einen mitteltalentierten Beinahe-Nationalspieler ausgegeben haben sollte.

Also: zurücklehnen und diesen Zirkus genießen. Um 18 Uhr ist Schluss: Dann wird der hier verhökerte Chancentod dort als Wunderstürmer vorgestellt - und alle reiben sich die Hände. Nur einen Nachteil hat der Deadline-Day: Es gibt kein Umtauschrecht. Wenn der Wunderstürmer doch wieder bloß ein Chancentod ist, müssen Trainer und Manager ein halbes Jahr auf die nächste Transferperiode warten - falls sie dann noch im Amt sind. Wir Reporter haben es besser: Falls sich einer unserer Texte mal als Fehlgriff entpuppt, können wir am nächsten Dead line-Day versuchen, das Ding gerade zu rücken. Also morgen. Und ganz ohne Schnappatmung.