| 08:11 Uhr

Gegenpressing
Mkhitaryan oder: Wenn Träume wahr werden

Der Armenier ist nun Spieler vom FC Arsenal. Davon habe er immer geträumt, sagt er. Das hat er auch nach seinen Engagements bei Borussia Dortmund und Manchester United gesagt. Träumen kann er also.

Henrikh Mkhitaryan hat nicht nur einen tollen Namen, bei dessen Eingabe sich mitteleuropäische Finger auf der Computer-Tastatur gern mal verhaken. Er hat auch sehr anschauliche Träume. Neulich mal wieder. "Ich habe immer davon geträumt, für den FC Arsenal zu spielen", sagte er. Und kaum hatte er das gesagt, da ging der Traum auch schon in Erfüllung. Er wechselte von Manchester United nach London.

Vor anderthalb Jahren zog es ihn von Borussia Dortmund in die schöne weite Premier-League-Welt. "Ein Traum wird wahr", jubelte der Armenier, "ich wollte immer für Manchester United spielen."

Im Frühjahr 2013 spielte er noch für Schachtjor Donezk. Und es begab sich nach einem wahrscheinlich anstrengenden Trainingstag, dass Mkhitaryan wieder einmal einen Traum hatte. Den Inhalt verriet er im folgenden Sommer. "Es war ein Traum von mir. Mein Herz hat sich für Borussia Dortmund entschieden", versicherte er. Dass es dabei nur am Rande auch um traumhafte Verdienstmöglichkeiten ging, verriet er erst einmal nicht.

Möglicherweise fühlt sich Mkhitaryan als dreifacher Martin Luther King ("Ich hatte einen Traum") des Transferwesens. Er sorgt auf jeden Fall für moralische Bestleistungen auf einer nach unten offenen Skala.

Sein ehemaliger Dortmunder Vereinskollege Pierre-Emerick Aubameyang steht ihm da wenig nach. Der Gabuner träumt zwar nicht so konkret und öffentlich wie Mkhitaryan, dafür ist er ihm in der Fachabteilung "Zickereien, die einen Wechsel provozieren" ein deutliches Stück voraus. Seinen (Noch-)Arbeitgebern hat er in der Winterpause und den ersten Wochen der Saison überaus erfolgreich den letzten Nerv geraubt. Sie werden ihn ziehen lassen, trotz eines von beiden Seiten einst bis zum Jahr 2021 geschlossenen Vertrags. Unterschriften unter solche Kontrakte gelten längst nur noch als Vereinbarungen über die mögliche Länge der Zusammenarbeit. Eine Bindung leiten die Spieler daraus nicht mehr ab. Und eine moralische Verpflichtung schon gar nicht.

Das wäre ohnehin ein bisschen viel verlangt. Selbst die Dortmunder Funktionäre, die Aubameyangs Verhalten zu Recht beklagen, fügen sich den Gesetzen des Unterhaltungsgeschäfts. Und wenn die ihnen die Möglichkeit zum Gewinn verschaffen, kennen sie natürlich keine überflüssigen Bedenken. So haben sie vor knapp fünf Jahren nicht sehr laut gejammert, als Mkhitaryans Traum vom Wechsel zum BVB wahr wurde - obwohl der Spieler in Donezk vertraglich noch zwei Jahre gebunden war und ein Trainingslager schwänzte, damit der Arbeitgeber in der Ukraine verstand, wie ernst es ihm mit der Erfüllung des Traums war. Die Dortmunder waren damals professionell, so muss man das wohl sagen. Und sie sind es heute, diesmal zähneknirschend.

Weniger professionell verhalten sich die Funktionärs-Kollegen beim anderen großen Verein aus Westfalen. Die Schalker Führung stellt Leon Goretzka als eine Art Vaterlandsverräter an den Pranger. Dabei hat der es lediglich gewagt, nach Ablauf seines Vertrags mit Schalke zum FC Bayern zu wechseln. Er hat weder gezickt wie Aubameyang noch von Träumen gefaselt wie Mkhitaryan. Das Schalker Management behandelt ihn aber so. Das ist schlechter Stil und scheinheilig zugleich. Als Goretzka 2013 aus Bochum kam, hat schließlich auch kein Schalker Manager über selbstsüchtige Karrierepläne genölt.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de