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Gegen die Geister von 2015
Luitz nach Riesenslalom-Podium „befreit“

Stefan Luitz freut sich auf dem Podium über seinen dritten Platz und sprüht mit Champagner. Foto: John Locher
Stefan Luitz freut sich auf dem Podium über seinen dritten Platz und sprüht mit Champagner. Foto: John Locher FOTO: John Locher
Beaver Creek. Die Erleichterung nach dem Hundertstelkrimi war Stefan Luitz anzusehen. Als der Skirennfahrer aus dem Allgäu seinen mäßigen Finaldurchgang im Riesenslalom beendet hatte und die „3“ aufleuchten sah, breitete er im Zielauslauf die Arme aus und schloss kurz die Augen. Von Helen Scott-Smith und Manuel Schwarz, dpa

Ausgerechnet in Beaver Creek, wo er zwei Jahre zuvor seinen möglichen ersten Weltcup-Sieg durch einen schweren Patzer verschenkt hatte, feierte Luitz einen hervorragenden Einstand in die Olympia-Saison. „Ich freue mich echt“, sagte er.

Auf der „Bird of Prey“-Piste hatte der 25-Jährige nicht nur die gesamte Konkurrenz mit Ausnahme von Sieger Marcel Hirscher und dem zweitplatzierten Henrik Kristoffersen bezwungen, sondern auch die Geister von 2015. „Ich habe versucht, das auszublenden. Aber es kommt natürlich immer wieder ein bisschen hoch“, berichtete Luitz. Damals war der Sportler vom SC Bolsterlang drauf und dran, sogar den österreichischen Überflieger Hirscher zu schlagen, doch ein schwerer Fahrfehler im Finale warf den Riesenslalom-Spezialisten weit zurück.

Der Ärger und die Enttäuschung waren damals groß, bei Luitz selbst und im Deutschen Skiverband (DSV). Nicht zum ersten Mal hatte der Sportler einen Erfolg aus der Hand gegeben. Rufe wurden laut nach Psychologen oder Mentalcoaches für den nervenschwachen Techniker.

„Und dann steht man auf dem gleichen Berg und hat fast dieselbe Situation wie damals“, erinnerte Luitz. 2015 ging er als Vorletzter in das Finale, dieses Mal dank überragender Laufbestzeit im ersten Durchgang sogar als Letzter. Und im Herbst 2017 gab es ein Happy End, wenn auch nach großem Zittern: Um zwei Hundertstelsekunden rettete Luitz das Podest vor Manuel Feller aus Österreich. Die Qualifikation für Olympia im Februar sicherte er sich darüber hinaus ganz souverän.

Der DSV-Alpinchef war voll des Lobes für Luitz nach dessen fünftem Weltcup-Podium. „Man wirft ihm ja immer vor, dass er zwar Skifahren kann, aber es nicht runter bringt“, sagte Wolfgang Maier. „Aber wenn er im ersten Riesenslalom gegen die Konkurrenz - und eigentlich waren ja bis auf den Felix alle da - auf das Podium fährt, dann ist das eine Bestätigung, dass er sich ordentlich weiter entwickelt und eine Stabilität reinbekommen hat.“ Saisonübergreifend raste Luitz im vierten Weltcup-Riesentorlauf nacheinander unter die Top fünf.

Maier freute, dass gleich im ersten Rennen nach dem Verletzungs-Aus von Felix Neureuther ein anderer in die Bresche sprang und dem DSV einen weiteren Grund brachte, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Nach Viktoria Rebensburg und den Abfahrern um Podiums-Neuling Thomas Dreßen ist Luitz der nächste Erfolgskandidat für die Zeit vor und bei Olympia in Pyeongchang. „Jetzt kann ich noch befreiter fahren“, kündigte Luitz vor dem Heimflug nach Europa und dem Riesenslalom am Samstag in Val d'Isère an. Dort raste er schon zweimal auf Podium.

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