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Zwischen Gartenarbeit und Beach-Stimmung

Marcus Meier (l.) war mit gemeinsam mit Alexander Takev bester Schütze beim LHC.
Marcus Meier (l.) war mit gemeinsam mit Alexander Takev bester Schütze beim LHC. FOTO: Steffen Beyer/sby1
Cottbus. Der LHC Cottbus hat am Samstag in der Oberliga Ostsee-Spree gegen den Tabellenletzten SV Warnemünde erwartungsgemäß mit 35:27 gewonnen. Nachlässigkeiten gegen Ende des Spiels verhinderten einen noch höheren Sieg. Der LHC war in der heimischen Lausitz-Arena den Gästen in allen Belangen überlegen und bewahrte sich mit dem Erfolg rechnerisch die Möglichkeit, durch einen Sieg bei Spitzenreiter Usedom in zwei Wochen den Ausgang der Meisterschaften bis zum letzten Spieltag offen zu halten. Wolfgang Swat

LHC-Kapitän Robert Schulze reagierte nach dem Spiel verärgert. "Das war grauenvoll", schimpfte er beim Gang in die Kabine vor sich hin. "Ich hatte nur Sch… an den Händen, kriege keinen Ball rein", haderte er. Und das nach einem gewonnenen Spiel. Vielleicht war es sein letzter Torwurfversuch, der ihn so in Rage gebracht hatte. Der Ball landete, von Linksaußen in freier Position geworfen, nicht etwa im Warnemünder Gehäuse, sondern wurde fast zur Bedrohung für die Zuschauer auf der Gegentribüne.

Es war nicht die einzige Großchance, die der LHC in diesem an Höhepunkten armen Spiel liegen ließ. "14 Fehlwürfe, die mussten nicht sein", monierte Trainer Falk Fürstenberg nach dem Abpfiff der Schiedsrichter aus Berlin derartige Nachlässigkeiten seiner Spieler. Zunächst waren es jedoch die beiden Männer mit den Trillerpfeifen, die durch umstrittene Entscheidungen für Emotionen auf den mit 250 Zuschauern nur sehr spärlich besetzten Rängen in der Lausitz-Arena sorgten. "Da waren schon ein paar kuriose Pfiffe dabei. Mannschaft und die Trainer haben jedoch Disziplin bewahrt", stellte Robert Michling fest.

Die Handballer aus der Lausitz gönnten sich zunächst knapp zehn Minuten Anlaufzeit, bevor sie das Heft des Handelns in ihre Hände nahmen. Anfangs mussten sie sogar sechsmal Gäste-Führungen ausgleichen, ehe der Gastgeber beim 7:6 durch einen Treffer von Robert Schulze, dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Pech an den Händen klebte, erstmals nach vorn ging. Als Florian Berndt beim 10:8 den 18-jährigen Kevin Deisting im Tor ablöste, der von seinen Vorderleuten zuvor ein wenig in Stich gelassen worden war, nahm die Begegnung den erwarteten Verlauf. Dabei hatte Gäste-Trainer Matthias Schmidt vor dem Anpfiff die Hoffnung geäußert, "das Spiel so lange wie irgend möglich offen" halten zu können. Der Rückstand hielt sich zur Halbzeit beim Stand von 18:14 für den LHC tatsächlich in Grenzen.

Insgesamt waren die Warnemünder allerdings zu unausgeglichen besetzt, um die Cottbuser ernsthaft in Gefahr zu bringen. "Es war schon schwer, die Konzentration hoch zu halten", schätzte Johannes Trupp ein, der als Rechtsaußen wie gewohnt solide agierte. Auch Alex Takev, der auf der Spielmacherposition eine gute Partie bot und wie Marcus Meier mit sechs Toren erfolgreich war, sah es nicht anders. "Wir haben unsere Hausaufgabe erledigt. Ich hatte nie das Gefühl, dass es schief gehen könnte", bewertete er den Verlauf.

Trainer Marcel Linge war in seiner Einschätzung zwiespältig. Einerseits lobte er: "Hut ab vor den Jungs, die diszipliniert waren. Dafür meinen Respekt. Denn Hitzköpfe sind wir ja alle." Andererseits schätzte er ein: "Es war ein Spiel wie das Wetter, ohne Spannung bei Sonnenschein, Gartenarbeit und Beach-Stimmung. Eine mittelmäßige Begegnung vor einer mittelmäßigen Kulisse und einem mittelmäßigen Gegner." Es sei schwer gewesen, die Truppe zu motivieren. Man könne aber auch den Tabellenletzten nicht einfach mal "so mit 20 Toren wegschießen".

Dennoch hatte der LHC einige gute Spielwerte zu präsentieren. Die Torhüter Deisting, Berndt und Mudrick parierten 23 Würfe, die Abwehr eroberte sich im Durchschnitt bei jedem zweiten Angriff der Gäste den Ball und bis zur 48. Minute fabrizierte der LHC im eigenen Spielaufbau nur zwei technische Fehler. Immerhin sprang gegen Spielende nach schönen Angriffen, unter anderem mit einem Kempa-Trick von Trupp auf Meier, sogar zweimal ein Zehn-Tore-Vorsprung heraus. Darauf, darin waren sich die Trainer einig, lasse sich im Hinblick auf das kommende Spitzenspiel aufbauen. Schließlich, so Linge, "haben wir die Pflicht, auf Usedom zu gewinnen". Wenn dann bei Schulze und seinen Kameraden auch noch beim Torabschluss etwas weniger Pech an den Fingern klebt, sollte die Pflichterfüllung möglich sein.