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| 02:40 Uhr

Yvonne Pijahn ist "hungrig auf mehr"

Yvonne Pijahn fuhr im neuen Liegebike beim Halbmarathon in Stuttgart aufs Treppchen.
Yvonne Pijahn fuhr im neuen Liegebike beim Halbmarathon in Stuttgart aufs Treppchen. FOTO: Serena Nittmann/sni1
Herzberg. Viele kennen Yvonne Sehmisch als eine der besten Rollstuhlfahrerinnen der Welt. Die Herzbergerin ist mehrfache Paralympics-Teilnehmerin. Doch die Zeit war gekommen, in der Leichtathletik den Rennrollstuhl nach über 20 Jahren sprichwörtlich an den Nagel zu hängen. Im Liegebike feierte sie nun bereits ihren ersten Sieg. Serena Nittmann / sni1

Yvonne Sehmisch ist im Behindertensport ein Begriff. Daher lächelt sie darüber hinweg, dass sie fast ausschließlich auch so angesprochen wird. Aber seit Mai 2013 ist die Herzberger Top-Athletin unter der Haube. Ivonne Pijahn gönnte sich mit diesem Ereignis ein wenig Ruhe für sich selbst. "Es war Zeit, nach über 20 Jahren mit dem Rennrollstuhl etwas anderes zu tun. Der hundertprozentige Spaß war nicht mehr gegeben", verrät die Herzbergerin und fügt hinzu, dass sie schon ein "bissel Zeit" gebraucht habe, sich selbst zu finden.

Sie beschreibt den Wechsel so: "Es ist mir leichter gefallen, als ich dachte. Denn neue Dinge reizen mich immer sehr." Und dabei wollte sie unbedingt eine Disziplin für sich finden, die ebenfalls körperlich richtig anspruchsvoll ist und wo viel Bewegung drin steckt. "Klar gibt es völlig andere Sportarten wie Schwimmen oder Federball, die Disziplinen möchte ich auch nicht schmälern. Aber ich liebe es, draußen zu sein. Das hat sicherlich etwas mit meinen jahrelangen Erfahrungen in der Leichtathletik zu tun", räumt Yvonne Pijahn ein.

Die Herzbergerin hat sich für das Liegebike entschieden. Ein Jahr Training liegen hinter ihr. Die größte Schwierigkeit in dieser Zeit sei gewesen, die für den Radsport typischen langen Strecken ohne Unterbrechung - wie bei der Überquerung einer Bundesstraße - zu fahren. Mit dem Liegebike sei sie zwischen 29 und 32 Kilometer in der Stunde unterwegs, mit dem Rennrollstuhl waren es höchstens 24 km/h. Und um im Training richtig in Fahrt zu kommen, reichen für sie eben keine kleinen Runden mehr.

All ihre Kraft steckte Yvonne Pijahn in die Vorbereitungen. Denn seit klar war, dass ihre Annahme in Stuttgart zum Halbmarathon bestätigt wurde, begann der Kampf. "Es war ein traumhafter Wettkampf und nach drei Jahren Pause bestritt ich nun mein erstes Straßenrennen. Vor allem wieder alten Sportkameraden zu begegnen, gab den richtigen Kick. Ich fühlte mich wie zu Hause", erinnert sich die Herzbergerin voller Stolz und fügt hinzu, dass sie die Sportbühnen der Welt immer geliebt, es dort verdammt Spaß gemacht und sie diese längst in ihrer Pause vermisst habe. "Trotzdem hat mir die Pause gut getan", bekräftigt die Athletin.

Sich allerdings gegen vier Frauen durchzusetzen, die in ihrer Startklasse schon seit Jahren Erfahrungen gesammelt haben, brachte den richtigen Aufschwung und die Stärkung für das eigene Ego, wie sie es selbst betitelt. Ihr Rennen fuhr die Herzbergerin in Stuttgart für den BPRSV Cottbus in einer Zeit von 43:27 Minuten - das war der erste Platz. Sie hegte nicht den Anspruch, aufs Treppchen zu fahren, orientierte sich beim Training an den Siegerzeiten von 2014 und brachte ihre Halbmarathonerfahrung mit ein. "Der Sieg baut auf und macht hungrig auf mehr", sagt sie mit strahlenden Augen. "Ich habe alles richtig gemacht." Nur leider sind für manche kommende Wettbewerbe die Meldefristen schon abgelaufen. Yvonne Pijahn ist wieder da und man wird sicher wieder mehr von der Athletin hören.