| 02:55 Uhr

Top-Talent Draisaitl nimmt zweiten Anlauf in der NHL

Leon Draisaitl wurde so früh wie zuvor kein Deutscher beim Talente-Draft ausgewäht. Beim ehemaligen GretzkyClub Edmonton Oilers hat er aber starke Konkurrenz im Kampf um einen Stammplatz.
Leon Draisaitl wurde so früh wie zuvor kein Deutscher beim Talente-Draft ausgewäht. Beim ehemaligen GretzkyClub Edmonton Oilers hat er aber starke Konkurrenz im Kampf um einen Stammplatz. FOTO: dpa
Edmonton. Für das deutsche Eishockey-Toptalent Leon Draisaitl beginnt am Donnerstag das zweite Jahr in der NHL. Diesmal will der 19-Jährige nicht nur den ersten Saisonabschnitt in Edmonton verbringen. Der Durchbruch in der stärksten Liga der Welt soll gelingen. Kristina Puck und Carsten Lappe

Ein Lehrjahr im kompromisslosen NHL-Business ist für den deutschen Eishockey-Hoffnungsträger Leon Draisaitl genug. Nun will und muss das Toptalent der Edmonton Oilers beweisen, dass er ein dauerhafter Profi in der besten Liga der Welt sein kann. "Ich denke auf jeden Fall, dass es ein wichtiges Jahr für mich ist und dass es um einen wichtigen Schritt in meiner Karriere gehen kann", sagte der 19-Jährige vor dem Saisonstart der Oilers am Donnerstag in St. Louis.

Steht ihm gar das entscheidende Jahr bevor? "Wir dürfen nicht vergessen: Er ist immer noch ein sehr, sehr junger Spieler", sagte der neue Bundestrainer und NHL-Veteran Marco Sturm über die Erwartungshaltung an den 19-Jährigen. Die Nervosität hat sich beim jungen Nationalspieler vor dem Saisonstart gelegt, vor einem Jahr empfand er alles aufregender. "Es hilft auf jeden Fall sehr, dass ich alles schon einmal mitgemacht habe", erklärte Draisaitl: "Ich bin ein Jahr älter, ich bin ein Jahr erfahrener."

Und auch um eine negative Erfahrung reicher. Nach seinen ersten 37 NHL-Partien versetzte Edmonton den Kölner in der vergangenen Saison zurück zu den Junioren. Ein Erfolgsteam angelte sich den Deutschen - und Draisaitl ragte heraus. Mit den Kelowna Rockets gewann er den Titel in der WHL-Liga. Im Memo rial Cup um die kanadische Meisterschaft machte er trotz der Final-Pleite als wertvollster Spieler auf sich aufmerksam.

Der Schritt zurück soll sich für ihn als lehrreicher Umweg erweisen. "Ich möchte mich etablieren", unterstreicht Draisaitl, verweist aber auch auf sein junges Alter und die vielen Jahre, die ihm noch bleiben. Die Bürde, die er als Teenager trägt, ist aber gewaltig. Es wird nichts Geringeres von ihm erwartet, als dass er zu einem deutschen Eishockey-Superstar reift. "Er ist für uns und unsere Zukunft auf jeden Fall ein sehr, sehr wichtiger Spieler", sagte der deutsche NHL-Rekordspieler Marco Sturm.

Schon in weniger als zwei Jahren könnte Draisaitl für den Deutschen Eishockey-Bund als Anführer einer Generation antreten, die das Nationalteam bei der Heim-WM vertritt. Auch in Nordamerika hat Draisaitl große Erwartungen geschürt. Die Oilers - einst Club der kanadischen Legende Wayne Gretzky - suchten sich ihn bei der Talente-Draft im Sommer 2014 schon an dritter Stelle aus. So früh wurde nie zuvor ein Deutscher gezogen.

In Edmonton ist Draisaitl Teil eines veränderten Teams, das die tristen Jahre ohne Playoff-Teilnahme beenden soll. Es kamen der langjährige Trainer der San Jose Sharks, Todd McLellan, der frühere Boston-Generalmanager Peter Chiarelli - und Neuzugänge auch für Draisaitls Position. "Edmonton ist vielleicht ein etwas schwächeres Team, aber es sind sehr viele gute junge Spieler da. Das macht es dort für ihn auch schwieriger", urteilte Sturm.