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Spremberger Gefühls-Chaos

Spremberg. Wie eng Freude und Leid zusammenliegen können, haben die beiden Spremberger Kanuten Stefan Kiraj und Kurt Kuschela am Wochenende erlebt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der eine steuert einer erfolgreichen Saison entgegen, der andere kann das Kanu-Jahr quasi abhaken. Jan Lehmann

Gefühls-Chaos im Duisburger Kanu-Quartier: Die beiden Spremberger Kumpel Kiraj und Kuschela waren bei der Ranglistenregatta in Duisburg in einem Zimmer untergebracht. Auf engstem Raum freute sich Stefan Kiraj über einen äußerst gelungenen Saisonstart mit der geglückten EM-Qualifikation, während Kurt Kuschela den Frust über eine für ihn viel zu früh beendete Saison verdauen musste.

Kiraj hatte sich beim ersten wichtigen Qualifikationswettkampf der neuen Saison im Einer-Canadier über 200 Meter durchgesetzt und somit das Ticket für die EM im tschechischen Racice (1. bis 3. Mai) geholt. Der 25-Jährige freut sich: "Es war ein gutes Gefühl, gleich vorneweg fahren zu können. Die Form war zwar noch nicht ganz so gut, aber wegen meiner abgeschlossenen Ausbildung bei der Bundespolizei fehlten mir doch einige Trainingskilometer."

Für Kuschela hingegen war mit seinen Booten über 500 und 1000 Meter schon jeweils im Vorlauf Schluss, er hakt EM und WM ab. "Da waren so viele andere schneller, ich habe es einfach richtig verhauen." Nach einem Jahr Pause suchte der Olympiasieger von 2012 vergeblich seinen Wettkampf-Rhythmus. Er gibt zu: "Ich habe einfach die Form nicht gefunden, war von Beginn an irgendwie lahm und dann auch schnell kaputt. Es hat nicht geklappt, auf den Punkt optimal fit zu sein."

Bitterer Rückschlag

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen ist dies ein bitterer Rückschlag für Kuschela. Der 26-Jährige betont aber: "Ich gebe jetzt nicht auf, Rio bleibt mein Ziel." Mit Marathonläufen sowie mit Kanu-Marathon will er sich nun körperlich für die Olympiasaison in Schwung bringen. Außerdem wird der Feuerwehrmann die berufliche Karriere weiter vorantreiben. Nach seiner abgeschlossenen Ausbildung ist er Beamter auf Widerruf. Kuschela: "Ich mache jetzt noch den Lkw-Führerschein und den Abschluss als Rettungssanitäter. Dann sollte das mit dem Beamten auf Lebenszeit klappen. Zeit dafür habe ich jetzt ja genug."

Der unerschütterliche Optimist lässt sich die Stimmung nicht verderben. Trost spendet ihm auch sein kleiner Sohn Pepe. Der acht Monate alte Knirps zaubert dem stolzen Papa schnell ein Lächeln auf die Lippen. Kuschela erzählt glücklich: "Pepe wächst und gedeiht, uns geht es als Familie richtig gut." Hat Papa Kuschela angesichts des familiären Glücks womöglich schon insgeheim die Leistungssportkarriere an den mentalen Nagel gehängt? "Nein, nein", beteuert der Spremberger. Er will noch einmal nach Rio und wie 2012 jubeln. Damals holte er im Zweier-Canadier mit seinem Partner Peter Kretschmer in einem sensationellen Rennen Gold. Kuschela ist zuversichtlich: "Die Qualifikation für London habe ich damals ja auch erst kurz vorher geschafft. Ich weiß also, was möglich ist." Er will noch einmal alle Kräfte mobilisieren, auch wenn er tatsächlich schon ans Karriereende denkt: "Nach Olympia ist der Drops dann wohl gelutscht", so Kuschela.

Entspannte Vorbereitung

An die Olympia-Qualifikation vor London hat Stefan Kiraj hingegen keine guten Erinnerungen. Er scheiterte. Der Spremberger weiß heute: "Ich war damals noch nicht reif für Olympia." Dieses Mal scheint das anders, Rio ist in Reichweite. Die abgeschlossene Ausbildung beflügelt Kiraj: "Es tut gut, mit dem sicheren Job in der Hinterhand in die Saisonvorbereitung zu gehen. Da kann man ganz entspannt antreten." Mit dieser neuen Lockerheit will Kiraj nun in Racice bei der EM aufs Treppchen. "Es wäre meine erste Medaille bei einem internationalen Großereignis im Männerbereich", betont Kiraj. Auch sein Kumpel Kuschela würde sich darüber sicher freuen.

Zum Thema:
Licht und Schatten gab es auch bei den Nachwuchs-Kanuten der SG Einheit Spremberg. Verheißungsvoll lief es bei der ersten nationalen Sichtung des Deutschen Kanu-Verbandes in Duisburg für Johanna Handrick. Sie fuhr im C1 über 200 und 500 Meter jeweils auf den zweiten Platz. Für Ronny Zelmer hingegen wird die Qualifikation für die deutsche Juniorenauswahl des DKV schwierig. Über 200 Meter belegte er im C-Endlauf den sechsten Platz. Über 2000 Meter landete er auf Rang 34.