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Keine Punkte in der "Pommernhölle"

Gratuliert und kritisiert: LHC-Trainer Marcel Linge richtet klare Worte an den HSV Insel Usedom.
Gratuliert und kritisiert: LHC-Trainer Marcel Linge richtet klare Worte an den HSV Insel Usedom. FOTO: Steffen Beyer
Ahlbeck. Der LHC Cottbus hat in der Oberliga Ostsee-Spree seine letzte Aufstiegschance nicht wahrnehmen können. Die Mannschaft verlor vor 1000 Zuschauern in der Pommernhalle nach großem Kampf gegen den neuen Meister HSV Insel Usedom 21:22. Ob Usedom nach der sportlichen Qualifikation den Startplatz in der 3. Liga einnimmt, ist noch nicht endgültig klar. Der Verein will darüber bis zum 30. April entscheiden. Aus Ahlbeck berichtet Wolfgang Swat

Wer beim Aufwärmprogramm des LHC vor dem Anpfiff genau hinschaut, kann manchmal daraus Schlüsse ziehen, wie das Spiel ablaufen könnte. Am Samstag in der Pommernhalle im Seebad Ahlbeck gegen Spitzenreiter Usedom wirkten die Rothemden aus der Lausitz konzentriert und vermittelten den Eindruck, dass sie das "Spiel der Ehre" (LHC-Präsident Lothar Kubitz) bestehen und die letzte Chance zur sportlichen Qualifikation für den Drittliga-Aufstieg unbedingt wahrnehmen wollten.

Der Auftakt in der "Pommernhölle", wie die Insulaner die Spielstätte des HSV Insel Usedom wegen der in ihr herrschenden Stimmung nennen, verlief ganz nach dem Match-Plan der Cottbuser. Schon der erste Angriff der Hausherren wurde von der geschlossen agierenden Abwehr mit Robert Michling im Zentrum sowie dem 18-Jährigen Alexander Takev als Deckungsspitze und Spielmacher entschärft. Zwar gelang im Gegenstoß kein Tor, doch die Aktion tat dem Selbstvertrauen offensichtlich gut. Nicht der LHC musste in der "Pommernhölle" ins Fegefeuer blicken, sondern der Gastgeber war diesem zunächst nahe.

Nach 15 Minuten und einem 3:8-Rückstand nahm er die erste Auszeit, um die Reihen zu ordnen. Mit zwei Treffern in Folge zum 5:8 schien das auch gelungen zu sein, doch der LHC antwortete mit einem Tor von Robert Takev an dessen 24. Geburtstag zum 5:9. Alles schien in Ordnung. Dann aber verletzte sich Marcus Meier nach einem Stoß in der Luft beim Aufprall auf dem Hallenboden am Steiß und musste auf der Bank Platz nehmen. Der Ausfall schmerzte Meier und dem LHC. Beim 9:9 schaffte Spitzenreiter Usedom erstmals den Ausgleich.

Der LHC wankte, aber fiel nicht. Noch einmal gelang ein Zwei-Tore-Vorsprung zum 11:13, doch der HSV kam noch vor dem Pausenpfiff erneut zum Gleichstand. "Das Spiel lief ganz gut, vor allem, wenn im Angriff über die Außen gespielt wurde. Und auch die Abwehr steht gut", zog Nachwuchstrainer Peter Melzer, der unter den Zuschauern weilte, seine Halbzeit-Bilanz. Allerdings, so stellte er fest, "waren ein paar Fehlwürfe zu viel dabei." Elf waren es auf Seiten des LHC in den ersten 30 Minuten, die letztlich einem besserem Zwischenergebnis im Wege standen.

Allerdings war es auf Seiten der Gastgeber nicht viel anders, weil Florian Berndt im LHC-Tor bei seinem Ex-Verein einen guten Tag erwischt hatte. Am Ende standen beim LHC 22 Fehlwürfe zu Buche, darunter "drei, vier in entscheidenden Situationen", wie Trainer Falk Fürstenberg monierte. Diese schlechte Wurfeffektivität war es, die am Ende zur Niederlage führte.

Nach Wiederanpfiff gelang Robert Schulze, dem zweiten Geburtstagskind in den Reihen der Cottbuser (auch er wurde 24), noch einmal, allerdings auch zum letzten Mal, die Führung zum 13:14. Danach übernahm Usedom das Zepter und schien beim 19:17 in der 49. Minute die Vorentscheidung herbeigeführt zu haben, zumal es die Gäste beim Stand von 17:17 bei besten Chancen viermal verpasst hatten, wieder davon zu ziehen. "Wir hatten in einigen Phasen der zweiten Halbzeit zu viel Respekt vor dem Gegner und sind nicht mehr energisch genug in die Lücken gestoßen", stellte Fürstenberg fest.

So erzwangen die Lausitzer nur einem Strafwurf in einem Spiel, das von beiden Seiten hart, aber fair geführt und von den erfahrenen Schiedsrichtern aus Berlin gut geleitet wurde. Der LHC ließ sich durch diesen erstmaligen Zwei-Tore-Rückstand allerdings nicht abschütteln. Meier, der mit getapetem Rücken nochmals in die Bresche sprang, weil sich zu allem Überfluss auch Robert Takev eine Verletzung am Bein zugezogen hatte, warf noch zweimal zum Ausgleich. Den neuerlichen Vorsprung beim 22:20 gab Usedom allerdings nicht mehr her, auch wenn Ernst Efa noch einmal den Anschluss schaffte, der ins Tor gewechselte Kevin Deisting zehn Sekunden vor dem Abpfiff einen Siebenmeter samt Nachschuss abwehrte und Max Bertold in der letzten Sekunde aus ungünstiger Position zum letzten Freiwurf antreten konnte.

Ein sichtlich enttäuschter Trainer Marcel Linge eilte nach Spielschluss zur Abkühlung erst einmal in die Kabine. "Ich habe die Mannschaft gelobt. Sie hätte es auch verdient gehabt, ganz oben zu stehen. Bis zur Verletzung von Meier waren wir die klar bessere Mannschaft. Als dann auch noch Robert Takev ausfiel, hatten wir gar keinen Rückraum mehr. Dennoch haben mich die Jungs überzeugt." Noch lange nach Spielschluss haderte Linge mit der Situation. "Natürlich gratuliere ich Usedom. Mich ärgert aber, dass der Gegner bis zuletzt nicht erklärt hat, was er will, einen Aufschub für die Meldung zur 3. beantragt hat und diesen auch noch gewährt bekam. Wir freuen uns jetzt erst einmal auf ein schönes Spiel am Samstag gegen Altlandsberg." Und für die Ehre sollte dann zum Saisonschluss auch noch ein Sieg herausspringen.