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Gastgeber haben ein Quäntchen mehr Glück

Auch auf dem Boden des Spielfeldes ging es bisweilen ordentlich zur Sache.
Auch auf dem Boden des Spielfeldes ging es bisweilen ordentlich zur Sache. FOTO: SSV Stahl
Handball, Ostsachsenliga. Die Saison 2014/2015 in der Ostsachsenliga ist mit einem Kracherspiel zu Ende gegangen. Stahl Rietschen besiegte im Altkreis-Derby knapp den SV Lok Schleife mit 26:24. Dabei kam es fast zu Ausschreitungen. René Gottschling

Beide Mannschaften spielten von Beginn an mit vollem Tempo. Während die Schleifer ihren ersten Versuch danebensetzten, eröffnete Björn Hentschel für den SSV das muntere Torewerfen. Der SV Lok glich umgehend aus, noch bevor die Rietschener Defensive überhaupt wieder positioniert war. Auch die nächsten Angriffe liefen in ähnlichem Schema. Rietschen teilte solide aus, hatte aber mit dem schnellen Umkehrspiel der Gäste anfangs noch seine Probleme. Nach und nach besannen sich die Hausherren dann aber doch auf ein schnelleres Rückzugsverhalten.

Schnell offenbarte sich, dass dieser Vergleich zur Abwehrschlacht avancieren würde. Die Torhüter auf beiden Seiten zeigten sich an diesem Tage noch nicht in Bestform, die Abwehrreihen mussten also doppelt so hart ackern. Dies gelang den Rot-Schwarzen besser, mit 5:3 gingen sie kurzzeitig in Führung. Auch der kurz darauf folgende Ausgleich forderte den Rietschenern einiges ab.

Bis zum 10:10 in der 22. Minute ging es im Gleichschritt voran, wobei die Gäste jedes Mal vorlegten. Irgendwie schienen die Lok-Mannen auch weniger Mühe zu haben, Erfolge zu erzielen. Während Rietschen sich in jedem Angriff abrackern musste, gelang es den Schleifern, das Spiel sehr breit und die SSV-Abwehr damit schön auseinanderzuziehen. Selbst eine doppelte Überzahl konnten die Rietschener nicht nutzen, sie gingen sogar mit negativer Bilanz heraus. Der SV Lok zeigte den besseren Handball, Rietschen konnte nur mit viel Herzblut und Schweiß dagegenhalten. Aber eben dieser Kampfeswille machte an diesem Tag den Unterschied. Lennart Hilke spielte wieder gewohnt zäh und ausdauernd, Markus Hänchen mit erfolgversprechender Kaltschnäuzigkeit, und der treffsichere Björn Hentschel im Rückraum hielt die Stahlwölfe auf Kurs. So gab es vor dem Pausenpfiff sogar noch einmal die Wende.

Alles war offen, jeder Ausgang noch möglich. In beiden Fanlagern regierte verhaltener Optimismus, die Stimmung war aber ausgelassen. In diesem Vergleich ging es eigentlich "nur" um den Prestigesieg, weder Rietschen noch Schleife konnten in der Tabelle hoch- oder runterrutschen.

Zurück auf dem Parkett zerschlugen sich die Befürchtungen der Heimfans, ihre Mannschaft würde wie so oft den Wiederanpfiff verpennen. Weiter konzentriert bei der Sache war es nun der SSV, der die Spielgestaltung übernahm. Auf 15:12 erhöhend konnte er in den Folgeminuten auch die eine oder andere Zeitstrafe gut wegstecken. Das Spiel wurde zunehmend ruppiger, pendelte sich hart an der Grenze des Erlaubten ein. Das Unparteiischen-Gespann Gerlach/Pufe bewies an diesem Tag aber wieder ein gutes Händchen. Mit mahnenden Worten und der einen oder anderen Strafe blieb die Situation weitestgehend entspannt. Schleife schaffte durch Richard Masula noch mal den Ausgleich, kurz darauf über Konrad Becker auch die Führung.

Es stand 19:20, noch 15 Minuten waren zu spielen, es blieb also weiter spannend. Die Fanlager beider Vereine trieben ihre Mannschaften an, der Ausgang der Partie war nun eine Frage des Glücks und der Nervenstärke. Letztere ging beiden Seiten allerdings nach und nach verloren. Über sportlich fragwürdige Schauspieldarbietungen und immer lautere Strafforderungen schaukelte sich die Situation weiter hoch, gipfelte fast in einer Ausschreitung. Beherztes Eingreifen der Schiedsrichter und Mannschaftsverantwortlichen verhinderte allerdings Schlimmeres, sodass man sich nach kurzem Brustgetrommel einigermaßen schnell wieder beruhigte.

Dem SSV gelang über Rückraum und Siebenmeterpunkt noch einmal die Zwei-Tore-Führung, die er mit viel Konzentration und Engagement auch bis zum Schluss halten konnte. Während Schleife von allen Positionen deutlich mehr Torgefahr auszustrahlen wusste, waren es in den Stahl-Reihen eher Willens- und Nervenstärke, die schlussendlich den Unterschied ausmachten. Nach 60 Minuten gingen die Stahlwölfe mit 26:24 als Gewinner vom Platz und konnten dank des überraschend deutlichen Triumphs der Rietschener Reserve einen Doppelderbysieg einfahren. Ein Unentschieden wäre verdienter gewesen, aber bei Weitem nicht so schön.

Für den SSV Stahl Rietschen war es ein würdiger Abschluss für eine ansonsten ziemlich verkorkste Saison. Tabellenplatz 8 stellt einen neuen Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte dar, war so auch vor der Saison nicht zu erwarten gewesen. Daher war es mehr als wichtig, dass wenigstens der "Pflichtsieg" im Heimspielderby gelungen ist.

Die kommende Saison verspricht wieder jede Menge Spannung. Mit Trainer-Neuverpflichtung Phillip Domko kommt schon jetzt frischer Wind in den Verein, die Aussichten sind vielversprechend. Nächste Woche geht es für die Frauenmannschaft zum Pokalfinale der Ostsachsenliga. In Bischofswerda trifft sie auf den OSV Zittau. Alle Handballfreunde sind natürlich zahlreich eingeladen.

Schleife: Martin Reinhold, Thomas Ruhland, Steven Becker (5), Max Krautz (2), Richard Masula (4), Paul Präckelt, Steven Dietrich (2), Philipp Lysk (1), Florian Toth (1), Marcel Becker (2), Jacob Wagner, Marco Rutenberg (1), David Starick (3), Konrad Becker (3)

Rietschen: Stefan Richter, Sven Mertinatsch, Björn Hentschel (5), Lennart Hilke (4), Markus Hänchen (6), Richard Walter (2), Patrick Obier (-/3), Daniel Bodinka (2), Marcel Schander (2), Felix Kelch, Oliver Opitz, Paul Schwarz, Sören Pörsel (2)