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Der schnellste Hausarzt von Cottbus

Tauscht den Arztkittel in seiner Freizeit gegen den Rennfahrer-Overall: Dr. Kay-Patrick Braun.
Tauscht den Arztkittel in seiner Freizeit gegen den Rennfahrer-Overall: Dr. Kay-Patrick Braun. FOTO: Zielonkowski
Cottbus. Im Wartezimmer seiner Hausarztpraxis in der Cottbuser Lessingstraße hängen weder Urkunden noch stehen Pokale in den Regalen. Dennoch aber ist Dr. Kay-Patrick Braun ein erfolgreicher Sportler. In einer nicht gerade alltäglichen Branche des Sports. Georg Zielonkowski

"Einige meiner Patienten kennen meine Leidenschaft und fragen ab und an nach, welchen Platz ich beim letzten Rennen belegt habe. Aber hausieren gehe ich mit meinem Sport nicht. Es ist ja ein normaler Sport, der lediglich mit einer anderen Geschwindigkeit daherkommt", sagt der 41-jährige Kay-Patrick Braun, der als Rennfahrer Erfolge feiert, in aller Bescheidenheit.

Begonnen hat die Rennfahrerkarriere des Cottbusers schon 2005, nachdem er als junger Bursche mit seinem Vater verschiedene Rennveranstaltungen besucht hatte und dabei offenbar den Virus von Benzin und Rennöl aufgesaugt hatte. Nun also saß er selbst im Cockpit. Zunächst in einem Clio-Tourenwagen, danach war er in der Formel König unterwegs, um später in einen Wagen der Estonia-Klasse zu steigen. Konkret: in einen Wagen mit einem Motor des Lada 1600 und einem Saporoshez-Getriebe.

Mit diesem Gefährt war er von 2009 an in der historischen ADAC-Rennklasse auf dem Lausitzring, im tschechischen Most oder auch in Oschersleben unterwegs. "Im Winter 2014/15 war mein Spaß am Rennsport zunächst vorbei. Doch dann las ich in einer Annonce, dass in Österreich ein Wagen der ADAC-Formel-Master-Klasse zum Verkauf stand. Sein Pilot war zuvor kein Geringerer als der Däne Mikkel Jensen, der 2014 ADAC-Formel-Master wurde. Also sind wir im Schnee nach Österreich und haben das Gefährt in die Cottbuser Südstadt geholt", erinnert sich der Hobby-Rennfahrer.

Neu aufgelegt wurden zur Saison 2015 die Läufe um den Remus-Pokal, an denen sich Braun beteiligte und zwei 1. Plätze belegte. Die reichten im nur sieben Fahrer starken Feld sofort zum Gesamtsieg. Ein paar technische Veränderungen wurden im folgenden Winter gemeinsam mit seinem treuen Schrauber Frank Fischer dennoch am Wagen mit dem 1600er VW-Motors vorgenommen, so dass man optimistisch ins Rennjahr 2016 startete. Wohl begann die Serie mit einem Sieg auf dem Lausitzring optimal, doch beim Regenrennen und der Geschwindigkeit von 192 km/h setzte der Cottbuser seinen Wagen an die Leitplanke. Gesundheitliche Schäden waren mit dem Crash nicht einhergegangen, was vorrangig an den aktuellen Sicherheitsforderungen für Fahrzeug und Fahrer liegt.

Am letzten Renntag wurde Kay-Patrick Braun Erster und konnte so den Pforzheimer Marvin Marino noch abfangen und seinen zweiten Gesamtsieg feiern. Das recht anspruchsvolle Ziel ist nun für 2017 das, was man bei den Fußballern einen Hattrick nennt: drei Gesamtsiege am Stück. "Daran werden wir mit meinem Mechaniker Fischi im Winter arbeiten", sagt der Hausarzt. "Kleinigkeiten kann man immer verbessern, zumal die Konkurrenz sicher auch alles daran setzen wird, den Titelverteidiger abzufangen."