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| 02:38 Uhr

Der ewige Torwart

Feiert seinen 65. Ehrentag: Klaus-Dieter Sklenar.
Feiert seinen 65. Ehrentag: Klaus-Dieter Sklenar. FOTO: Beyer/sby1
Cottbus. Geboren wurde Klaus-Dieter Sklenar in Sachsen-Anhalt, doch einen Namen machte er sich in der Lausitz – als Handball-Torwart und Trainer. An diesem Donnerstag feiert er nun sein 65. Wiegenfest – der ewige Torwart. Wolfgang Swat / wsw1

"Wer den Ball nicht richtig fangen konnte, der musste ins Tor", erinnert sich Klaus-Dieter Sklenar. Als Klaus-Dieter mit sieben Jahren in Elsterwerda zum Handball kam, müssen seine Fangkünste nicht überzeugend gewesen sein. Jedenfalls wurde er ins Tor gestellt. Und dort blieb er - quasi für ewig. Was sich für seine sportliche Karriere als Glücksgriff erwies. Denn aus dem kleinen Klaus-Dieter wurde ein Großer im Handball, der den Cottbuser Fans als Oberliga-Torhüter von Lok RAW Cottbus noch in bester Erinnerung ist.

Von Elsterwerda nach Halle

Dabei schien das Spiel mit dem Ball zunächst nur eine Episode im Leben des Klaus-Dieter Sklenar zu werden, der an diesem Donnerstag seinen 65. Geburtstag feiert. Zunächst ging es Stück für Stück bergauf, erst neun Jahre lang in Elsterwerda, wo der in Groß-Naundorf (heutiger Landkreis Wittenberg) geborene Junge seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte und danach bei Dynamo Halle, das im DDR-Handball einen guten Namen hatte.

Dann aber kam ein Einschnitt, der das Ende der Träume vom Handball auf hohem Niveau hätte sein können. Sklenar sollte sich für eine längere Dienstzeit bei der Nationalen Volksarmee entscheiden, was dem schwarzhaarigen jungen Mann nicht gefiel. So wurde er zum Grundwehrdienst eingezogen und nach Cottbus abkommandiert. Nach Ableistung der 18-monatigen militärischen Pflicht juckte es dem Zivilisten doch wieder in den Händen. Unter den fünf Vereinen, die es damals in Cottbus und Umgebung im Handball gab, wählte er sich 1974 die Betriebssportgemeinschaft des Reichsbahn-Ausbesserungswerkes (RAW) aus.

Schon bald machten sich "ein paar Handball-Verrückte" in der RAW-Betriebsführung wie Werkleiter Schumann, Direktor Werner Schiesko sowie der spätere Trainer Ulrich Jerga daran, in Cottbus den Leistungssport zu entwickeln. Aus der Bezirksklasse ging es hinauf bis in die DDR-Liga. Dort kam zunächst die Ernüchterung. "Wir sind 1979 abgestiegen mit einem positiven Torverhältnis. Das gab es wohl noch nie", schmunzelt Sklenar heute.

Doch Cottbus, das eine Saison später wieder aufstieg, hatte sich einen Namen gemacht, lockte Handballer aus Leipzig, Frankfurt, Aue und anderen Hochburgen an. Nicht zuletzt deshalb, weil das RAW das Umfeld für seine Handball spielenden Arbeiter schaffte. Sklenar, der Stahlgussformer gelernt hatte, Berufskraftfahrer war und Rechtswissenschaften studiert hat, war hier als Konstrukteur für Spezialaufgaben angestellt. Gearbeitet hat er, wenn nicht trainiert wurde, im Sportbüro der BSG RAW Cottbus und war dort für den organisatorischen Ablauf beim Handball zuständig. Zudem trainierte der Übungsleiter den Nachwuchs. Und er stand in der Mannschaft, die in der Saison 1985/86 erstmals in der Oberliga spielte.

In Luckau und beim HC Spreewald

Ein Jahr später, mit 36 Jahren, beendete er seine Laufbahn. Die politische Wende erforderte auch von Sklenar eine Neuorientierung. Er wurde Mitarbeiter im Außendienst eines großen Konsumgüter- und Einzelhandelsunternehmen. Für Handball blieb wenig Zeit. 1997 überredete ihn Fred Mellack, als Co-Trainer zum HC Cottbus zu kommen, der 1995 gegründet worden war und in die 2. Bundesliga aufsteigen wollte. Daraus wurde bekanntlich nichts. Es folgten für Sklenar Stationen als Co-Trainer in Luckau und beim HC Spreewald und die Rückkehr nach Cottbus zum LHC zur zweiten Mannschaft.

Seit drei Jahren widmet er sich in der Oberliga-Mannschaft des Vereins speziell den drei Torhütern, die mit ihrem "Chef" zufrieden sind. "Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis, duzen uns, haben aber Respekt vor ihm", sagt Kevin Deisting, mit 19 Jahren der Jüngste unter den Keepern. "Von seiner Erfahrung kann man viel lernen. Er legt viel Wert auf Athletik und Stellungsspiel. Das passt schon."

Noch nicht ganz passt dem "ewigen Torwart" das Zusammenspiel zwischen seinen Nachfolgern im Kasten und deren Vorderleuten. "Im Angriff kannst du Spiele gewinnen, mit der Abwehr steigst du auf", zitiert er eine Weisheit. Daran arbeitet Sklenar mit seinen Jungs, an Spieltagen ruhig von der Bank aus, unter der Woche engagiert auf dem Spielfeld. Bis April hat er als Torwarttrainer Vertrag. "Dann wird entschieden, wie es weitergeht, wie immer, von Jahr zu Jahr."