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| 02:36 Uhr

Das Ende des Cottbuser Sitzvolleyballs

Sitzvolleyball bei den Paralympics: In Rio ist auch die deutsche Nationalmannschaft am Start.
Sitzvolleyball bei den Paralympics: In Rio ist auch die deutsche Nationalmannschaft am Start. FOTO: dpa
Cottbus. Zurzeit nimmt die deutsche Sitzvolleyball-Nationalmannschaft an den Paralympics in Rio teil. Auf Sitzvolleyball in Cottbus muss man nun aber verzichten. Denn aus Mangel an Aktiven muss die Abteilung des BPRSV schließen. Georg Zielonkowski / ski1

Um für die Körperbehinderten eine weitere machbare Sportart anzubieten, wurde 1979 unter dem Dach der damaligen BSG Medizin Cottbus die Abteilung Sitzball gegründet, wie sich Joachim Schober erinnert: "Wir waren zehn Männer. Und damals deshalb sehr glücklich, weil es neben dem Versehrten-Schwimmen nun eine Mannschaftssport gab. Denn auch für Behinderte macht Sport in der Gemeinschaft mehr Spaß." Ein erster größerer Erfolg war drei Jahre nach der Gründung der Gewinn der Bezirksmeisterschaft, bevor 1987 in der DDR der Sitzvolleyball den bisherigen Sitzballsport ablöste.

Gleich nach der Wende wurde die Versehrtensportgemeinschaft gegründet, in der weiterhin der inzwischen verstorbene Gerhard Friebel als Vorsitzender Regie führte. Und der seine auf dem Hosenboden am tiefen Netz agierenden Männer zu den unterschiedlichsten Turnieren entsandte. Malmö, Kopenhagen, Saarbrücken oder Hamburg waren lukrative Termine, bei denen die Cottbuser in den überregionalen Blickpunkt rückten.

Einem gelang dies ganz besonders: Uwe Haußig. Der heute 53-Jährige wurde ein wichtiges Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft, um in dieser 98 Länderspiele zu absolvieren. "Die Höhepunkte waren zweifellos die Teilnahmen an den Paralympischen Spielen von Atlanta 1996, Sydney 2000 und Athen 2004, wo wir 4. und 5. Plätze belegt haben. Diese Erlebnisse sind unwiederbringlich und so kann ich sehr zufrieden auf meine Laufbahn im Behindertensport zurückblicken. Obwohl der heutige Tag trotzdem ein trauriger ist", so der Frauendorfer letzte Woche bei der letzten offiziellen Veranstaltung der Cottbuser Sitzvolleyballer.

Viele ihrer früheren Weggefährten hatten sie eingeladen, um ihre geliebte Sportart zu Grabe zu tragen. "In den letzten Monaten waren nur noch vier Aktive", begründet Gründungsmitglied Helmut Städter den Auflösungsgrund, der die zehn Heim-Turniere um den "Cottbus-Cup" als ganz bedeutsame Termine zwischen 1991 und 2001 nennt. 2009 sind die Sitzvolleyballer unter das Dach des Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportvereins (BPRSV) Cottbus gerückt. Speziell auch deshalb ist es ein Stück weit traurig, dass in diesen Tagen, da der BPRSV sechs Parasportler nach Rio schicken konnte, eine gute alte Tradition zu Ende geht.

Das bedauert auch Geschäftsführerin Kathrin Müller: "Wir haben wirklich jede Menge unternommen, um neue Interessenten zu finden. Aber weder in der Bauhausschule noch in verschiedenen medizinischen Einrichtungen sind wir mit unserem Angebot gelandet. So blieb es seit Beginn des Jahres bei den zuletzt vier Aktiven, für die natürlich ein Training weder Spaß noch einen echten Sinn ergibt. An Turnier-Teilnahmen war ja schon in den letzten Jahren nicht mehr zu denken. Schade ist das."

Die Gründungsmitglieder Helmut Städter (l.) und Joachim Schober (3.v.l.) mit den verbliebenen Sitzvolleyballern Uwe Haußig (2.v.l.) sowie Steffen Krause und Peter Herzen (r.).
Die Gründungsmitglieder Helmut Städter (l.) und Joachim Schober (3.v.l.) mit den verbliebenen Sitzvolleyballern Uwe Haußig (2.v.l.) sowie Steffen Krause und Peter Herzen (r.). FOTO: Georg Zielonkowski/ski1