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Eishockey
Zwischen Auszeichnung und Abschied

November 2017: Trainer Hannu Järvenpää stürzt mit den Füchsen auf den vorletzten Tabellenplatz.
November 2017: Trainer Hannu Järvenpää stürzt mit den Füchsen auf den vorletzten Tabellenplatz. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Im März wurde Hannu Järvenpää zum „Trainer des Jahres“ gekürt. Als Reaktion auf die Krise bei den Lausitzer Füchsen hat der Finne nun seinen Rücktritt erklärt – und damit alle überrascht. Die RUNDSCHAU beleuchtet die Hintergründe der Trennung. Von Frank Noack

Wann das Ende der Ära Hannu Järvenpää bei den ­Lausitzer Füchsen in Weißwasser letztlich begonnen hat, ist schwer zu sagen. In jedem Fall hat der 54-jährige Coach aus Finnland selbst die Vereins­führung mit seinem Rücktritt als persönliche Konsequenz in der sportlichen Krise des Tabellenvorletzten der DEL2 überrascht. „Hannu hat mich am Mittwoch über seine Entscheidung informiert. Wir haben noch versucht, ihn umzustimmen, da wir um seine Qualität als Trainer wissen. Es war aber nicht möglich, ihn von einem ­Verbleib zu überzeugen. Wir bedauern dies sehr“, erklärt Geschäftsführer Dirk Rohrbach. Auch Hauptgesellschafter René ­Reinert kämpfte noch um den Coach – vergeblich.

Seine Qualitäten als Trainer hatte Hannu Järvenpää vor allem in der vergangenen Zweitliga-Saison unter Beweis gestellte, als er die Füchse in die Playoffs führte. Für seine erfolgreiche Arbeit wurde der Finne als „Trainer des Jahres in der DEL2“ ausgezeichnet. Nach gut ­einem Drittel der Saison 2017/18 hat Järvenpää nun selbst die Notbremse gezogen und seinen Rücktritt eingereicht. „Unser Team arbeitet hart, trainiert gut, und hat in jedem Spiel den Willen zu gewinnen. Trotzdem stimmen die Ergebnisse nicht“, erklärt Järvenpää in einer Mitteilung der Füchse. „Ich habe lange überlegt, was ich als Trainer noch tun kann. Die einzige Möglichkeit, um die Köpfe wieder frei zu bekommen, ist ein kompletter Neustart mit ­einem neuen Coach.“

Die Abschiedsgedanken reiften offenbar bereits am Wochenende, als die Füchse zwei ­weitere Rückschläge hinnehmen mussten. Beim Tabellennachbarn Heilbronn gab es eine 2:5-Niederlage, zu Hause gegen Ravensburg verlor Weißwasser nach einer 2:1-Führung noch mit 2:4. Die erneute Pleite erklärte anschließend in der Pressekonferenz nicht Järvenpää, sondern Co-Trainer Robert Hoffmann, der mentale ­Probleme des Teams einräumte („Wir schauen jetzt, dass wir einen Guru finden, der den Jungs den Kopf zurechtrückt“).

Zwei Tage später verloren die Füchse  auch noch das Kellerduell bei den Wölfen Freiburg mit 1:4.

In der anschließenden Pressekonferenz wirkt Järvenpää nachdenklich – und resigniert. „Sie sehen hier einen sehr enttäuschten Trainer. Es ist derzeit schwierig mit unserem Team. Im Moment macht das ­Coachen nicht wirklich Spaß,  aber so ist das eben manchmal“, ­erklärte der Finne. Gleichzeitig ­kündigte er an, noch härter ar­beiten zu wollen. „Ich glaube weiter fest an dieses Team und bin überzeugt, dass wir wieder bessere ­Zeiten er­leben werden.“

Auf der langen Rückfahrt fiel dann offenbar die endgültige Entscheidung. Am Mittwoch teilte Järvenpää der Füchse-Führung seinen Rücktritt mit. Am Donnerstagmorgen wurde die Mannschaft informiert. Dem Vernehmen nach waren auch die Spieler bei der letzten Ansprache des Coaches in der Kabine überrascht und betrübt. Das Verhältnis zum Team und auch zu Co-Trainer Hoffmann war bis zum Schluss intakt. Was fehlte, waren die Ergebnisse. Und beim Coach wohl auch die Idee, wie er die Füchse aus dem ­Tabellenkeller führen kann.

Als letzte Amtshandlung in Weißwasser unterzeichnete Hannu ­Järvenpää den Auflösungsvertrag zum 30. November und flog zurück in seine Heimat nach Finnland.

 Hannu Järvenpää wurde als „Trainer des Jahres“ geehrt. Außerdem im Bild: DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch (r.) und Füchse-Chef Dirk Rohrbach.
Hannu Järvenpää wurde als „Trainer des Jahres“ geehrt. Außerdem im Bild: DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch (r.) und Füchse-Chef Dirk Rohrbach. FOTO: Thomas Heide