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| 10:32 Uhr

Eishockey
Wie viel Spitzenteam steckt in den Füchsen?

 Der Goldhelm: Jeff Hayes ist mit 37 Punkten der Topscorer der Füchse. Aber auch andere Spieler haben schon fleißig gepunktet.
Der Goldhelm: Jeff Hayes ist mit 37 Punkten der Topscorer der Füchse. Aber auch andere Spieler haben schon fleißig gepunktet. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Weißwasser gehört als Tabellenzweiter zu den großen Überraschungen der DEL2-Saison. Die RUNDSCHAU macht den Leistungs-Check. Am Sonntag geht es im Derby gegen Dresden. Von Frank Noack

Nach dem Spiel in Hessen ist vor dem nächsten Spiel in Hessen: Nur zwei Tage nach der ­bitteren 2:5-Niederlage bei den Kassel Huskies spielen die Lausitzer Füchse an diesem Freitag beim EC Bad Nauheim (Beginn um 19.30 Uhr). Zumindest von der Tabelle her ist Weißwasser auch diesmal wieder Favorit – genau wie am Sonntag zu Hause im Derby gegen die Eislöwen Dresden (17 Uhr). Das ist ein höchst ungewohntes Gefühl für Eishockey-Weißwasser. Immerhin stand in den vergangenen Jahren meistens der Kampf um den Klassenerhalt im Vordergrund.

Angesichts von Rang zwei in der DEL2 nach 31 Partien stellt sich die Frage: Wie viel Spitzenteam steckt in den Lausitzer Füchsen? Die RUNDSCHAU macht kurz vor dem Jahresendspurt den Leistungs-Check. 

Die Tabelle: Bereits 60 Punkte nach 31 Partien, also gut der Hälfte der Haupt­runde – das gab es in der zweithöchsten Spielklasse noch nie für die Füchse. In der vergangenen Saison belegte Weißwasser nach den 52 Partien der Haupt­runde mit 72 Punkten den 11. Platz und musste in die Playdown-Runde. ­Inzwischen darf man sich deutliche höhere Ziele setzen. Der Vorsprung auf Platz zehn, also dem vorzeitigen Klassenerhalt, beträgt bereits ­komfortable 24 Punkte, auch wenn die Füchse ein Spiel mehr absolviert haben als die meisten Konkurrenten.

Sind die Füchse also schon ein Spitzenteam? „Wir haben mit Sicherheit wie eine sehr gute Mannschaft gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung unseres Spiels und den bisherigen Leistungen“, sagt Trainer Corey Neilson. 

Die Spielweise: Auch nach der 2:5-Niederlage am Mittwochabend in Kassel gab es wieder viel Lob für die Füchse. „Weißwasser war über weite Strecken die bessere Mannschaft“, räumte Kassel-Coach Tim Kehler ein. „Das war die schnellste und auch von der Kadertiefe beste Mannschaft, gegen die wir bisher gespielt haben.“

Umso bitterer war deshalb natürlich die Niederlage, weil für die Gäste trotz der spielerischen Dominanz und eines großen Aufwands am Ende keine Punkte heraussprangen. Dennoch hat die Mannschaft das von Trainer Corey Neilson bevorzugte schnelle Eis­hockey aller vier Reihen mittlerweile verinnerlicht.

Den kleinen Wackler vor der Länderspielpause im November, als die Förderlizenzspieler aus Berlin nicht mehr zur Verfügung standen, hat das Team überwunden und spielt mittlerweile konstant auf einem hohen Niveau. Vor der Niederlage in Kassel gab es acht Siege in neun Partien. Die gute Platzierung in der Tabelle ist längst keine Eintagsfliege mehr.

 Das Team: Der Kader ist in der Tat so breit aufgestellt wie schon lange nicht mehr. Trainer Corey Neilson hatte in den meisten Partien vier Sturmreihen zur Verfügung, die auch alle in der Lage sind zu punkten. Das Team lebt vor allem von seiner Ausgeglichenheit. Mit Goldhelm Jeff Hayes als Topscorer (37 Punkte), Steve Saviano (29), Clarke Breitkreuz (28), Anders ­Eriksson, Chris Owens (beide 27) und Jordan George (25) haben sechs Spieler deutlich über 20 Punkte gesammelt.

Zum Vergleich: Beim kommenden Gegner Bad Nauheim ist das erst vier Spielern gelungen. Für die Konkurrenz sind die Füchse aufgrund dieser Ausgeglichenheit schwer auszurechnen. Mit der Nachverpflichtung des DEL-erfahrenen Joel Keussen wurde kürzlich die Abwehr noch einmal verstärkt.

Die Probleme: Probleme? Klar, es gibt sie trotz des 2. Platzes. Während die Füchse in Unterzahl das zweitbeste Teams hinter Spitzenreiter Ravensburg sind, liegen sie mit ihrer Überzahlbilanz nur im unteren Mittelfeld. 111 erzielte Tore sind zwar ordentlich, aber ebenfalls kein Topwert. In manchen Situationen fehlt es an der Effizienz und Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor – so wie am Mittwoch in Kassel, als die Gäste trotz eines Schussverhältnisses von 46:24 als Verlierer vom Eis gingen. Letztlich ist es aber eine ­Problem-Diskussion auf hohem (Tabellen-)Niveau.

 Der Ausblick: Mittlerweile ist das Heimrecht in den Playoffs eine reizvolle, aber machbare Zielstellung. Dazu müssen die Füchse am Ende der Hauptrunde Anfang März mindestens Platz vier belegen. Eine hervorgehobene Stellung nimmt derzeit nur Tabellenführer Ravensburg ein, der über eine extrem starke ­Offensive verfügt. Die Füchse führen das Feld der Verfolger an. Das ist viel mehr als selbst die kühnsten ­Optimisten vor der Saison sowie dem kurzfristigen Trainerwechsel von Robert Hoffmann zu Corey Neilson erwartet hatten.