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Wertschätzung mit Worten und Fäusten

Kurz vor Schluss fliegen die Fäuste an der Bande. Weißwasser gegen Dresden – das ist eine besondere Rivalität.
Kurz vor Schluss fliegen die Fäuste an der Bande. Weißwasser gegen Dresden – das ist eine besondere Rivalität. FOTO: Heide
Dresden. Die Lausitzer Füchse verlieren in Dresden zwar zum ersten Mal in dieser Saison ein Derby. Sie haben sich aber viel Respekt erarbeitet. Frank Noack

Kurz vor Beginn der Pressekonferenz steckten die beiden Cheftrainer Bill Stewart von den Eislöwen Dresden und Hannu Järvenpää von den Lausitzer Füchsen noch kurz die Köpfe zusammen und zogen gemeinsam die ersten Schlüsse aus diesem wie erwartet sehr emotionalen Sachsenderby in der DEL2. "Wir waren uns einig, dass beide Clubs gut beraten sind, nicht gleich in der 1. Runde der Playoffs aufeinanderzutreffen", verriet Stewart dann auf dem Podium und erntete ein zustimmendes Lächeln seines Weißwasseraner Trainerkollegen.

Die gegenseitige Wertschätzung ist durch das achte und letzte Sachsen-Derby für die Füchse in der Hauptrunde noch gewachsen. Vor 4412 Zuschauern in der ausverkauften Energieverbund-Arena kamen die Gastgeber zwar zu einem 5:2-Sieg, weil sie konsequenter waren und weniger Fehler machten. Aber auch die Füchse zeigten mit einem überfallartigen Start in dieses Derby, dass beide Teams zu Recht auf Playoff-Kurs sind. "Es war ein enges Spiel zwischen zwei wirklich guten Teams", betont Füchse-Coach Järvenpää. Auch Eislöwen-Trainer Stewart spart nicht mit Komplimenten: "Weißwasser spielt sehr offensiv. Sie haben uns alles abverlangt."

In der Tabelle liegt Dresden weiter auf Platz vier (77 Punkte), Weißwasser folgt auf Rang fünf (74). Acht Spiele vor dem Ende der Hauptrunde deutet einiges darauf hin, dass der Wunsch der beiden Trainer womöglich nicht in Er füllung geht. Denn Vierter gegen Fünfter - das ist exakt die Paarung für das Playoff-Viertelfinale.

Und aus Sicht der Fans spricht ohnehin nichts gegen weitere Duelle der Erzrivalen in dieser Spielzeit. Denn sie bekamen auch diesmal wieder fast alles geboten, was das Eishockey-Herz begehrt. Rassige Zweikämpfe bis an die Schmerzgrenze, viele Emotionen sowie sieben Tore, die ziemlich unterhaltsam verteilt waren.

Die Füchse legten einen echten Knallstart hin. Jakub Svoboda traf bereits nach 96 Sekunden zur Führung. In der 9. Minute erzielte Dennis Palka mit tollem Solo auch noch das 2:0. "Wir gewinnen sowieso. Auf, Dynamo!", sangen die etwa 400 Füchse-Fans.

Sie wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihre Mannschaft zumindest an diesem Tag den Leistungshöhepunkt bereits erreicht hatte. Denn danach ging es rasant abwärts mit den Gästen.

Nicht nur bei den Gegentreffern von Arturs Kruminsch (11.) und Steven Rupprich (16.) agierten sie viel zu sorglos. Im zweiten Drittel wurde es nicht besser. Mirko Sacher (21.) und erneut Rupprich (26.) drehten die Partie endgültig zugunsten der Gastgeber. "Die Füchse sind nervös", sangen jetzt die Eislöwen-Fans. Sie waren so nervös, dass sich Marius Schmidt und Roberto Geiseler auf Höhe der Mittellinie gegenseitig über den Haufen liefen - viel mehr muss man zur Leistung der Füchse im zweiten Drittel eigentlich nicht wissen. Juuso Rajala (58.) sorgte für den 5:2-Endstand.

Am Schluss zeigten beide Teams ihre gegenseitige Wertschätzung dann nicht nur mit Worten, sondern auch mit Fäusten. Die Raufeinlagen machten deutlich: Der eine oder andere Spieler hat durchaus Lust, dass man sich in den Playoffs wiedersieht. Ob in der 1. Runde oder später, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.