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| 11:58 Uhr

Eishockey
Werden die Lausitzer Füchse zu Eisbären Weißwasser?

Den Fuchs auf der Brust und im Herzen wird es in Weißwasser weiter geben – doch die Lausitzer Füchse arbeiten nach amerikanischem Vorbild noch enger mit den Eisbären zusammen.
Den Fuchs auf der Brust und im Herzen wird es in Weißwasser weiter geben – doch die Lausitzer Füchse arbeiten nach amerikanischem Vorbild noch enger mit den Eisbären zusammen. FOTO: Thomas Heide
So eng wie noch nie in der Geschichte beider Clubs: Die RUNDSCHAU erklärt, wie die Zusammenarbeit des Eishockey-Zweitligisten aus Weißwasser mit dem DEL-Partner aus Berlin künftig funktionieren soll. Von Frank Noack

Weißwasser Es war ein Bild mit Symbolcharakter: Bei der gemeinsamen Pressekonferenz kürzlich im Freizeitpark Tropical Islands in Krausnick saßen die Vertreter von Eisbären Berlin und Lausitzer Füchse gemeinsam am Tisch auf dem Podium. Der siebenfache DEL-Champion und der Zweitligist aus Weißwasser wollen im Rahmen ihrer Kooperation künftig noch enger zusammenarbeiten. Genau genommen so eng wie noch nie in der wechselvollen Geschichte der früheren DDR-Oberligisten. Der entsprechende Vertrag wurde um drei weitere Jahre verlängert.

Werden aus den Lausitzer Füchsen also die Eisbären Weißwasser? „Nein“, sagt Geschäftsführer Dirk Rohrbach. „Wir sind und bleiben die Lausitzer Füchse. Wir treffen auch weiterhin die Entscheidungen, aber natürlich in Absprache mit den Eisbären. Von ihren Ratschlägen und Tipps werden wir profitieren.“

Die RUNDSCHAU erklärt, wie die Zusammenarbeit zwischen den Füchsen und den Eisbären in der Praxis aussieht. Vorbild ist dabei das amerikanische Farmteam-Modell, wie es zum Beispiel die Los Angeles Kings in der NHL mit Ontario Reign aus der nächsttieferen Liga AHL praktizieren. Die Kings gehören genau wie die Eisbären zur Anschütz-Gruppe.

Förderlizenzen

Maximilian Franzreb sowie die Feldspieler Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charly Jahnke werden auch in der kommenden Saison mit einer sogenannten Förderlizenz ausgestattet. Sie werden also wieder in Weißwasser spielen. Dazu kommt der 19-jährige Thomas Reichel. Die Eisbären haben das Sturmtalent von den Starbulls Rosenheim mit der Maßgabe verpflichtet, dass Reichel zunächst im Fuchsbau zum Einsatz kommt.

Telefonkonferenzen

Auch innerhalb der sportlichen Leitung beider Clubs soll es einen regelmäßigen Austausch geben. Eisbären-Sportdirektor Stephane Richer ist ab sofort in alle Personalentscheidungen der Füchse eingebunden. Auch zwischen dem Weißwasseraner Chefcoach Robert Hoffmann und Eisbären-Co-Trainer Steffen Ziesche soll es eine wöchentliche Telefonkonferenz geben. Außerdem wird der Berliner Athletik-Trainer Jake Jensen das Kraft- und Ausdauertraining der Füchse begleiten.

Spielsystem

Am Rande des Entwicklungscamps der Eisbären für junge Spieler in der vergangenen Woche haben sich Füchse-Coach Hoffmann und der neue Eisbären-Cheftrainer Clement Jodoin auch über taktische Systeme ausgetauscht. Klar ist aber: Ein einheitliches System für beide Clubs wird es nicht geben. „Wir haben eine Idee, wie wir spielen wollen. Weißwasser hat auch eine Idee. Wichtiger als ein einheitliches Spielsystem ist, dass es für jedes Team eine klare Richtung gibt. Und, dass die Jungs Spaß haben, um sich weiterzuentwickeln“, betont Richer.

Neuzugänge

Auch bei der Suche nach neuen Spielern bekommen die Füchse Hilfe – aktuell zum Beispiel bei der Besetzung der noch freien Kontingentstelle. Dank der Eisbären können die Füchse auf den sogenannten Scouting-Report der Los Angeles Kings aus der NHL zugreifen. Diese Datenbank enthält sämtliche Fakten über mögliche Neuzugängen, also Stärken, Schwächen und Charakter­eigenschaften. Außerdem sollen noch weitere junge Spieler zum Team stoßen, die am Entwicklungscamp der Eisbären teilgenommen haben. Entsprechende Absprachen zwischen beiden Clubs wird es in dieser Woche geben. Diese Youngster sollen über die Zwischenstation Weißwasser an das DEL-Niveau herangeführt werden. Der Eissport Weißwasser führt am 30. und 31. Juli sowie 4. und 5. August ein weiteres Sichtungscamp für Nachwuchsspieler der Jahrgänge 1999 bis 2004 durch. Auch hier kann der Verein – dank Berlin – ausdrücklich mit der Perspektive DEL und sogar NHL um die Talente werben.

Strategie

Die sportliche Philosophie im Fuchsbau hat sich unter dem Einfluss der Eisbären in den vergangenen beiden Jahren verändert. Während man in Weißwasser früher vor allem auf erfahrene Spieler gesetzt hat, wurde das Team inzwischen deutlich verjüngt. Außerdem ist das Spiel der Füchse schneller geworden. Auch mit vier statt drei Reihen kann man in Weißwasser nur dank Berliner Hilfe spielen, weil der Kader in der Breite verstärkt wird. „Wir haben die jungen Spieler in Weißwasser bereits gut integriert. Sie können bei uns viele Erfahrungen sammeln, auch in Über- und Unterzahl. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft gehen“, erklärt Füchse-Hauptgesellschafter René Reinert.

Marketing

Neben dem sportlichen Bereich soll es auch außerhalb der Eisfläche eine noch engere Verzahnung geben, zum Beispiel im Marketing sowie bei der Sponsorengewinnung. René Reinert, der mit seinem Logistik-Unternehmen die Eisbären Berlin ebenfalls als Premium-Partner unterstützt, ist sich sicher: „Von der gesamten Organisation der Eisbären sowie den Los Angeles Kings können wir viel lernen. Wir wollen in Zukunft noch näher heranrücken. Viele Dinge sind schon auf einem guten Weg. Ich denke, das wird eine Erfolgsstory.“

Eisbären-Trainer Clement Jodoin (v.l.) und Geschäftsführer Peter John Lee wollen mit ihren Weißwasseraner Kollegen Dirk Rohrbach und Trainer Robert Hoffmann im ständigen Austausch sein.
Eisbären-Trainer Clement Jodoin (v.l.) und Geschäftsführer Peter John Lee wollen mit ihren Weißwasseraner Kollegen Dirk Rohrbach und Trainer Robert Hoffmann im ständigen Austausch sein. FOTO: City-Press GbR / Mathias Renner