ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:51 Uhr

Jubiläum für eine Weißwasseraner Eishockey-Legende
Die schwarze Maske feiert 80. Geburtstag

  Klaus Hirche  stand zwölf Jahre im Tor von Dynamo Weißwasser.
Klaus Hirche stand zwölf Jahre im Tor von Dynamo Weißwasser. FOTO: Privat
Weißwasser. Torwart-Legende Klaus Hirche aus Weißwasser ist noch immer eng mit dem Eishockey verbunden und bei jedem Spiel der Lausitzer Füchse dabei. Kürzlich hat sich der Jubilar einen Lebenstraum erfüllt. Von Georg Zielonkowski und Frank Noack

Dieser Mann ist eine Legende, eine lebende Legende. Klaus Hirche, erfolgreicher Eishockey-Torwart aus Weißwasser, feiert an diesem Freitag seinen 80. Geburtstag. Zwölf Jahre lang stand Hirche im Tor von Dynamo Weißwasser, 118 Mal kam er in der DDR-Nationalmannschaft zum Einsatz. Berühmt wurde der gebürtige Weißwasseraner aber vor allem als „Mann mit der schwarzen Maske“.

Denn als einer der ersten Torhüter der Welt spielte Klaus Hirche Anfang der 60er-Jahre mit einer schwarz ­lackierten Schutzmaske (siehe ­Infobox).

An diesem Freitag wird dieser Mann stolze 80 Jahre, weshalb es sich lohnt, an die Eckpunkte seiner großartigen Karriere zu erinnern. Bereits als 18-Jähriger hütete er in der Saison 1957/58 das Tor von Dynamo Weißwasser und ­wurde sogleich Meister. Doch Klaus Hirche erlangte nicht nur wegen der schwarzen Maske seine Berühmtheit, sondern vorrangig waren es seine außergewöhnlichen Leistungen. Wie beispielsweise 1966, als der DDR-Auswahl ein sensationelles 3:3 im Länderspiel gegen Weltmeister Sowjetunion im ehemaligen Kunsteisstadion in Weißwasser gelang und Hirche aufgrund seiner überragenden Leistung als Vater des Remis gefeiert wurde.

Seine einzigartige Karriere endete abrupt zum Jahreswechsel 1970/71, als die DDR-Sportführung beschloss, Eishockey nur noch an den Standorten Berlin und Weißwasser um die DDR-Meisterschaft spielen zu lassen. Klaus Hirche blieb dennoch seinem Sport eng verbunden, zunächst als Nachwuchstrainer, ab 1972 als Trainer der Dynamo-­Männermannschaft und zugleich mit Joachim Ziesche DDR-Auswahltrainer. Nach der Wende arbeitete er als Material- und Zeugwart bei den Lausitzer Füchsen. Und Hirche kümmerte sich stets intensiv um die Traditionspflege des Eishockey­sports in Weißwasser.

Eben deshalb organisiert er schon seit Jahren Mitte Dezember ein ­Treffen früherer Mitstreiter. Von Joachim Franke bis Helmut Novy kommen dann mehr als 20 Männer aus diesem Grund ins Lokal am Braunsteich, um dort in Erinnerungen zu schwelgen. Der Braunsteich ist der Geburtsort der langen Eishockey-Tradition in Weißwasser. Auch am 2017 erschienen Jubiläumsbuch „Vom Braunsteich in die Eisarena“ hat der einstige Weltklasse-Torhüter mitgeschrieben. Derzeit arbeitet Klaus Hirche schon an einem weiteren Buch, berichtete er jetzt ­gegenüber der Fachzeitschrift ­„Eishockey-News“. ­Arbeitstitel: „Von acht bis 80 – ­immer am Puck“.

 Klaus Hirche war der „Mann mit der schwarzen Maske“.
Klaus Hirche war der „Mann mit der schwarzen Maske“. FOTO: privat

Eine neue Hockey-Generation ­Hirche gibt es allerdings  nicht. Sohn Robby hatte sich schon im Jugendalter schwer verletzt, so dass es ihm versagt blieb, auf  Vaters Spuren zu wandeln. „Am Ende war das bestimmt auch gut so. Erstens wäre ihm wegen des Namens jede Menge Druck erwachsen. Zweitens wäre ich ja wohl sein erster und größter Kritiker gewesen. Das alles hat ihm seine Verletzung erspart“, so Hirche Senior.

Ein großes Anliegen beschäftigt den heutigen Jubilar schon seit Jahren: „Ich habe als Aktiver an acht Weltmeisterschaften teilgenommen. Viele dieser Austragungsorte von Tampere bis Moskau habe ich nochmals besucht, weil wir ja ­während der Spiele kaum Zeit für Land und Leute hatten.“ Höhepunkt in diesem Jahr war die Reise in die USA und nach Kanada. Dort standen drei NHL-Spiele in New York, Buffalo und Toronto sowie ein Besuch der Hall of Fame des Eishockey in Toronto auf dem Plan. „Da ich als Spieler nie im Mutterland des Eishockeysports war, hat sich damit ein großer Traum von mir spät erfüllt“, zeigt sich „Der Mann mit der schwarzen Maske“ zufrieden.

Geärgert hat sich Klaus Hirche dort lediglich darüber, dass es mit Joachim Ziesche nur ein einziger Spieler aus der DDR in die berühmte Hall of Fame geschafft hat.

Abgesehen von dieser Reise in ferne Länder geht Klaus Hirche inzwischen in einer anderen Aufgabe regelrecht auf: „Zu meiner Zeit als Spieler und später als Trainer hat mir meine Christel jeglichen Beistand geboten und mir so den Rücken freigehalten. Heute ist es umgekehrt. Da es meiner Frau gesundheitlich nicht mehr so ganz gut geht, tue ich mein Bestes und nehme ihr voller Dankbarkeit ganz viel ab und unterstütze sie nach Kräften“, beschreibt er sein heutiges Tagwerk. Und natürlich sitzt Klaus Hirche bei jedem Heimspiel der Lausitzer Füchse in der DEL2 auf der Tribüne.

Die berühmte schwarze Maske liegt übrigens in einer Vitrine im Eisstadion in Weißwasser. Auch fünfeinhalb Jahrzehnte später wird sie von den Fans nach wie vor mit ganz viel Ehrfurcht betrachtet. Sie ist untrennbar mit dem Namen Klaus ­Hirche verbunden.

 Mit der Reise nach Nordamerika erfüllte sich Klaus Hirche einen Lebenstraum.
Mit der Reise nach Nordamerika erfüllte sich Klaus Hirche einen Lebenstraum. FOTO: Privat