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Weißwasser
Im Block D steht der neue Fanbeauftragte

Weißwasser. Tobias Buchan aus Reichwalde ist der neue Ansprechpartner für die Fans der Lausitzer Füchse. Er soll das Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Anhängern sein. Dafür hat er sich eine Menge vorgenommen. Von Sascha Klein

Heimspiel, Eisarena, Block D: Das ist der Platz von Tobias Buchan. Dann ist er für gut zweieinhalb Stunden im Tunnel. Jubel, Trauer, Spannung, Gemeinschaft - was eben ein Heimspiel der Lausitzer Füchse im heimischen Fuchsbau so ausmacht. Bis jetzt ist der Reichwalder einer von vielen gewesen, die freitags, sonntags oder auch einmal mitten in der Woche in die Halle pilgern, um Zweitliga-Eishockey zu sehen. Doch seit vergangener Woche steht er im Fokus. Denn: Tobias Buchan ist der neue Fanbeauftragte der Weißwasseraner.

Wie er dazu gekommen ist? Ein Gespräch mit Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach am Rande des jüngsten Fanvortrags hat den Ausschlag gegeben, erzählt Buchan im RUNDSCHAU-Gespräch. Bis dahin habe er nicht recht gewusst, welche Aufgaben auf ihn zukommen würden. Anschließend war alles klar und nur noch Formalitäten zu regeln. „Ich soll die Schnittstelle zwischen Fans und Verein sein“, sagt der 23-Jährige. „Ich stehe voll hinter den Fans, aber auch voll hinter dem Verein.“ Seine erste Aufgabe: Er will Sorgen, Nöte und Ideen der Fans aufnehmen.

Dabei ist sein Weg hin zum Fanbeauftragten der Füchse durchaus bemerkenswert. Denn: Der 23-Jährige, der in der Region als Koch arbeitet, ist erst seit drei Jahren Eishockey- und Füchse-Fan. Für Weißwasseraner Verhältnisse ist das schon fast besonders, denn in der Stadt und im Umkreis kommen viele schon im Kleinkind-Alter mit dem Eissport in Verbindung - sei es als Fan oder Aktiver. Bei Tobias Buchan hat das Fan-Sein etwas länger gedauert. Allerdings erinnert er sich noch an sein erstes Spiel: „Das war ein Heimspiel gegen Ravensburg. Ich hatte an dem Sonntag noch nichts vor und habe mitbekommen, dass die Füchse zu Hause spielen.“ Bis dahin hat er null Bezug zu den Füchsen. Also holt sich der Reichwalder ein Ticket für die Eisarena, stellt sich in den B-Block und genießt. „Ich war fasziniert, wie alle mitgefiebert und mitgejubelt haben“, sagt der 23-Jährige. Eishockey in Weißwasser - das ist ab sofort sein Ding. Dass das Spiel verloren gegangen ist, weiß er noch. Doch das war irgendwie nebensächlich. Das Füchse-Fieber hat den jungen Mann mit voller Wucht gepackt. Seit diesem Wochenende pilgert er regelmäßig nach Weißwasser. Inzwischen verpasst er kaum ein Heimspiel. Hin und wieder ist er auch dabei, wenn die Lausitzer Kufen-Cracks zwischen Heilbronn und Crimmitschau auf Reisen gehen.

Was Tobias Buchan fasziniert: die besondere Stimmung in Weißwasser. „Wenn man hier durch die Stadt geht, spürt man, dass noch mehr Leidenschaft da ist als in anderen Städten“, sagt er. Im Moment sind die Füchse in der laufenden DEL2-Saison Elfter, das vergangene Wochenende hat gegen Riessersee und Bad Tölz keine Punkte gebracht. Zwei Siege nach neun Spielen - für Tobias Buchan noch lange kein Grund, um nervös zu werden. „Die Saison ist noch lang“, sagt er ruhig. „Wir haben noch genügend Spiele.“ Die nächste Chance zu punkten ist am Freitag, wenn der sächsische Lokalrivale aus Dresden im Fuchsbau zu Gast ist. Zudem erwarte in Weißwasser niemand, dass die Füchse um die Meisterschaft mitspielen, sagt der neue Fanbeauftragte. Die Play-offs, also die Meisterrunde der besten acht Teams, ist aber schon Saison für Saison Ziel.

Tobias Buchan kommt zwar mit Fan-T-Shirt in die Halle - die Trikots und Schals bleiben jedoch zu Hause in Reichwalde. „Die hängen bei mir im Zimmer - langsam wird es eng“, sagt er und lacht. Spieltags-Rituale hat der neue Füchse-Fanbeauftragte so gut wie keine. Eine Sache versucht er aber doch, immer gleich zu machen: „Ich parke mein Auto immer an der gleichen Stelle“, sagt er. Dort hat er geparkt, als er vor drei Jahren seinen ersten Füchse-Sieg in der Halle bejubelt hat. Für ihn ist das ein gutes Omen. Als Fanbeauftragter will er in den kommenden Monaten auf jeden Fall noch eine Sache lernen - Schlittschuh laufen. „Ich kann schon etwas fahren, aber noch nicht richtig ordentlich“, betont er.

Sein Lieblingsspieler der laufenden Saison ist die Nummer acht - Feodor Boiarchinov. Der Berliner hat zuvor in Kassel gespielt. „Ich glaube, er kann sich noch sehr entwickeln und viel torgefährlicher werden“, sagt Buchan. Sein Lieblings-Fuchs ist jedoch Urgestein Thomas Götz. „Ich habe höchsten Respekt davor, wie er die Doppelbelastung mit Profisport und Arbeit meistert“, sagt der 23-Jährige. Zum Vergleich: Als Buchan Grundschüler war, hat Thomas Götz schon bei der U18 des ESW gespielt.

In dieser Saison will sich der Reichwalder Füchse-Fanbeauftragte erst einmal in seine neue - komplett ehrenamtliche - Aufgabe einfuchsen. Sein Ziel: Er möchte, dass es auch für Auswärts-Fans attraktiver wird, mit ihrem Team nach Weißwasser zu kommen. Den Knaller hebt er sich für die kommende Saison auf. Dann möchte er einen Sonderzug für die Füchse auf die Schiene bringen. Wohin, das stehe noch in den Sternen. Doch eines sei bereits klar: Für die Eishockey-Fans soll es eine Riesengaudi werden.