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| 17:02 Uhr

Eishockey
Warten auf die Kinder

„Ostköppe“: Charlie Jahnke (l.) und Maximilian Adam spielen gemeinsam mit Vincent Hessler per Förderlizenz für Weißwasser.
„Ostköppe“: Charlie Jahnke (l.) und Maximilian Adam spielen gemeinsam mit Vincent Hessler per Förderlizenz für Weißwasser. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Der Höhenflug der Lausitzer Füchse am Anfang der Saison wurde von den jungen Förderlizenzspielern getragen. Derzeit kommen sie bei den Eisbären Berlin in der DEL zum Einsatz – und werden in Weißwasser schmerzlich vermisst. Von Frank Noack

Liebe Eltern unter den Fans der Lausitzer Füchse, Sie kennen dieses Gefühl.  Lange Zeit hatten Sie tagein, tagaus viel Freude an Ihren Kindern. Und dann gehen sie aus dem Haus, um sich auf den Weg des Erwachsenseins zu machen. Dieser Weg ist oft mit einem elter­lichen Gefühlschaos gepflastert.

So in etwa muss man sich das auch bei den Lausitzer Füchsen vorstellen, wobei sie ja gewissermaßen nicht die Eltern, sondern die Stieffamilie von Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charlie Jahnke (alle 20 Jahre) sind. Denn die drei Youngster stehen bei den Eisbären Berlin unter Vertrag. Doch auch Weißwasser ist irgendwie zum ­Elternhaus für das Trio geworden, das mittlerweile im dritten Jahr mit einer Förderlizenz auch für die Lausitzer Füchse in der DEL2 spielt.

Derzeit sind die Youngster jedoch wieder in Berlin und haben ein ziemliches Chaos in Weißwasser hinterlassen, wie der Blick auf die jüngsten Ergebnisse zeigt. Mit der  Förderlizenz-Hilfe aus Berlin haben die Füchse die ersten acht Saisonspiele gewonnen und waren sensationell an die Tabellenspitze gestürmt. Seit einigen Wochen müssen sie jedoch ohne Adam, Hessler sowie Jahnke auskommen – und ­haben seitdem nicht mehr gewonnen. Der Wunsch von Füchse-Coach Corey Neilson ist deshalb nur allzu verständlich: „Wir hoffen, dass die Kids bald zurückkommen.“

Mit „Kids“ meint der Kanadier natürlich die drei verlorenen Kinder, die derzeit statt in Weißwasser bei den Eisbären Berlin in der DEL spielen. Wie sehr das Trio fehlt, zeigt sich nicht nur an den Ergebnissen, sondern auch am Auftreten der Füchse. Die Spielphilosophie von Neilson basiert auf einem enormen Tempo, das im Idealfall von vier Reihen hochgehalten wird. Mit dieser Philosophie hatte das Team Anfang Oktober sogar beim Meister Bietigheim Steelers mit 5:2 gewonnen. Beim Wiedersehen in Weißwasser am vergangenen Sonntag gab es dagegen eine glatte 0:3-Niederlage.

Von hohem Tempo ist bei den Füchsen derzeit nicht mehr viel zu sehen, die zudem nur noch drei Reihen zur Verfügung haben. „Wir sind ein relativ kleines Team. Deshalb brauchen wir diese hohe Geschwindigkeit. Außerdem ist unser Spiel auf vier Sturmreihen ausgelegt“, fasst Neilson das aktuelle Dilemma der Kinderlosigkeit zusammen. Weißwasser ohne seine „Kids“ auf dem Eis – „das ändert ­alles, die Intensität ist nicht mehr so hoch“, räumt Neilson ein.

Die Folge: Der Offensive fehlt das Durchsetzungsvermögen, speziell gegen groß gewachsene Kontrahenten. Und die Defensive wackelt bedenklich. In den vergangenen drei Partien hagelte es 17 Gegentreffer. Weißwasser steht zwar immer noch auf dem sehr respektablen 4. Tabellenplatz, aber die Tendenz zeigt ganz klar nach unten.

Vor allem Maximilian Adam wird schmerzlich vermisst. Erstens, weil der gebürtige Görlitzer in Weißwasser ausgebildet worden ist und damit hier quasi sein Eishockey-­Elternhaus hat. Jahnke und Hessler sind dagegen waschechte Berliner „Ostköppe“, wie sie sich in den sozialen Netzwerken gern bezeichnen. Und zweitens, weil Adam auch für die Stabilität der Füchse ein wichtiger Faktor geworden ist. „Er war in vielen Spielen bis zu 30 Minuten auf dem Eis. Seine Energie fehlt uns. Diese 30 Minuten müssen wir jetzt auf den Rest der Jungs aufteilen“, sagt Neilson. Insgesamt wirkte das Team zuletzt nicht mehr so frisch wie am Anfang der Saison.

Doch das Warten auf die „Kids“ könnte noch eine Weile so weitergehen. Wann und ob sie überhaupt zurückkehren, ist offen. Denn aufgrund des Verletzungspechs der Eisbären werden Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charlie Jahnke wohl auch weiterhin in der Hauptstadt gebraucht. Dass mit ihren guten Leistungen in Weißwasser auch die Wertschätzung für die drei Talente in Berlin gewachsen ist, zeigt eine Szene vom vergangenen Wochenende. Im Heimspiel gegen Wolfsburg traf Jahnke zum ersten Mal in der DEL ins Tor. Sein Schuss wurde allerdings noch von Martin Buchwieser abgefälscht, wie der junge Stürmer anschließend ehrlich zugab. Die Eisbären beließen es in den offiziellen Statistiken aber trotzdem bei Jahnke als Torschützen. „Charlie ist unser Formel-1-Spieler. Unglaublich schnell. Und ein großartiger Ar­beiter. Er ist auf einem guten Weg, sich im Team festzusetzen“, lobt Eisbären-Coach Clement Jodoin.

Und für Formel-1-Geschwindigkeit ist die B115 in Richtung Weißwasser nun mal nicht ausgelegt.

Füchse-Coach Corey Neilson
Füchse-Coach Corey Neilson FOTO: Thomas Heide