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| 16:39 Uhr

Eishockey
Trotz Sieg: Neilson kritisiert Füchse-Youngster

Cedrick Schiemenz (M.) spielt seine erste Saison für die Füchse.
Cedrick Schiemenz (M.) spielt seine erste Saison für die Füchse. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Drei Spiele, drei Siege: Es läuft für die Lausitzer Füchse. Trotzdem ist Trainer Neilson nicht zufrieden. Nach dem Erfolg gegen Deggendorf bekommen die jungen Spieler eine klare Ansage. Von Frank Noack

Corey Neilson wollte über den dritten Sieg im dritten Saisonspiel nicht mehr Worte als nötig verlieren. „Das war wirklich eine gute Pressekonferenz, danke“, erklärte der Coach der Lausitzer Füchse gönnerhaft, klopfte auf den Tisch und beendete kurzerhand mit einem Grinsen die Fragerunde nach dem 4:2-Erfolg gegen den Deggendorfer SC.

Sein Trainerkollege John Sicinski schaute dabei betreten nach unten. Er hatte zuvor die immerhin schon dritte Niederlage im dritten Spiel für den Aufsteiger in die DEL2 erklären müssen. Und der Moderator der Pressekonferenz musste sich sputen, um schnell noch den üblichen Ausblick auf die nächsten Spiele der Füchse hinterher zu schieben.

Es hatte fast ein wenig den Anschein, als wollte Corey Neilson die Zeit lieber nutzen, um mit seiner Mannschaft ein paar Dinge aufzuarbeiten. Dritter Sieg hin oder her – zufrieden wirkte der 42-jährige Kanadier am Freitagabend jedenfalls nicht. Dabei hatten die Füchse vor 2097 Zuschauern im ersten und zweiten Drittel jeweils einen Blitzstart hingelegt und waren mit 2:0 in Führung gegangen.

Trotzdem blieb die Partie bis zum Schluss spannend, was Neilson überhaupt nicht gefiel. Sein Spielfazit passte deshalb auch nicht zum Jubel der Füchse-Fans, die das Team wie gewohnt feierten und mit ihren euphorischen Gesängen sogar bereits auf dem Weg zur Meisterschaft sahen. „Das war heute schon etwas ärmlich. Wir haben zu wenig Druck gemacht, der Puck lief viel zu langsam. So werden wir nicht mehr viele Spiele gewinnen“, kritisierte Neilson. Immerhin habe die Mannschaft doch noch einen Weg gefunden, um das Spiel zu gewinnen.

Um auf diesen Weg in Richtung Heimsieg zu gelangen, benötigten die Lausitzer Füchse allerdings einen mehr oder weniger derben Taktik-Schubser ihres Trainers. Denn nach dem zweiten Drittel, als bei den Gastgebern nicht mehr viel zusammenlief und auch der 3:2-Führungstreffer für Deggendorf möglich war, stellte Neilson im Schlussabschnitt die Reihen um. Zum Beispiel rückte David Kuchejda anstelle des jungen Vincent Hessler in die Topreihe neben Kapitän Anders Eriksson und Steve Saviano.

Insbesondere die Youngster bekamen nach dem Spiel einen ordentlichen Rüffel vom Trainers verpasst. Wobei - man kann diese Kritik jedoch auch positiv sehen. Denn die Youngster spielen eine wichtige Rolle im Konzept von Neilson. Sie sollen nämlich für ein hohes Tempo im Füchse-Spiel sorgen. Richtig gut klappte das zum Beispiel beim jüngsten Derby-Sieg in Crimmitschau, als Eispiraten-Coach Kim Collins einräumen musste, dass seine Mannschaft „phasenweise gar nicht mitgekommen“ sei mit dem schnellen Spiel der Füchse.

„Junge Spieler können es sich nicht leisten herumzustehen“, sagt Corey Neilson. (r.).
„Junge Spieler können es sich nicht leisten herumzustehen“, sagt Corey Neilson. (r.). FOTO: Thomas Heide

Am Freitagabend geriet dieses Hochgeschwindigkeits-Eishockey der Blau-Gelben aber trotz der Blitztore immer wieder ins Stocken. Ein Grund dafür: Nach Ansicht von Corey Neilson wollten die Youngster gegen Deggendorf zu viel. „Junge Spieler können es sich nicht leisten, herumzustehen und versuchen, das Spiel zu lesen. Dafür sind sie einfach noch nicht clever genug, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Sie müssen schnell spielen“, warnte Neilson und formulierte noch einmal unmissverständlich eine der wichtigsten taktischen Prämissen: „Das langsame Spiel passt nicht in diese junge Mannschaft.“

Tempo, Tempo, Tempo lautet stattdessen die Weißwasseraner Devise. In der Tat haben die Lausitzer Füchse mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren das jüngste Team der Liga. Der Freitag-Konkurrent Deggendorf hat mit knapp 29 Jahren übrigens den ältesten Kader aller 14 Zweitligisten. Und der Vorteil der Jugend gegenüber den älteren Spielern? Na klar, sind nun mal die schnellen Beine!

Und wenn diese schnellen Füße in den nächsten Wochen so schnell unterwegs sind wie der Trainer am Ende der Pressekonferenz, dann dürfte Corey Neilson noch etliche Füchse-Siege zu kommentieren haben. Vor dem Spiel am Sonntag beim EHC Bayreuth (Beginn um 18.30 Uhr) liegt Weißwasser auf dem 4. Tabellenplatz. Das ist alles andere als zum davonlaufen.