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| 19:01 Uhr

Weißwasser führt die Tabelle der DEL2 an
Teurer Höhenflug der Lausitzer Füchse

 Die Füchse haben derzeit viel Spaß auf dem Eis.
Die Füchse haben derzeit viel Spaß auf dem Eis. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Weißwasser ist Tabellenführer der DEL2. Das ist ein Ding - aber aber auch teuer. Denn mit dem sportlichen Erfolg sind zusätzliche Kosten verbunden. Die RUNDSCHAU beleuchtet die wirtschaftliche Lage im Fuchsbau. Sogar Meisterprämien sind eingeplant. Von Frank Noack

Flugreisen sind nicht ganz billig. Gilt das auch für den Höhenflug der Lausitzer Füchse in der DEL2? Weißwasser führt mit 82 Punkten sensationell die ­Tabelle in der zweithöchsten Eishockey-Spielklasse an und kann im Heimspiel gegen den EC Bad Nauheim an diesem Freitag (19.30 Uhr) einen neuen Punkterekord aufstellen. Die bisherige Bestmarke aus der Saison 2004/05 steht bei 84 Zählern. „Erfolg kostet natürlich auch Geld und ist teuer“, sagt Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach.

Die RUNDSCHAU hat recherchiert, wie teuer dieser Höhenflug der Lausitzer Füchse wirklich ist und wie der Traditionsverein derzeit wirtschaftlich aufgestellt ist.

Rohrbach steht seit Januar 2016 als Geschäftsführer an der Spitze der Füchse-Spielbetriebs-GmbH. Er trat damals zunächst interimsmäßig die Nachfolge des erkrankten Matthias Kliemann an. Im Rückblick räumt Rohrbach ein: „Die Situation war vor drei Jahren ziemlich brenzlig.“

Die Füchse hatten Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 300 000 Euro. Die Lizenz für die nächste Spielzeit bedeutete einen großen Kraftakt. Auch sportlich lief es nicht wie gewünscht.  Drei ­verschiedene Trainer, viel Bewegung im Kader – es war ein teurer Klassenerhalt. Erst eine Bürgschaft der GmbH-Gesellschafter ­sicherte letztlich die Lizenz.

Die damalige Krisensituation war jedoch auch ein Neustart unter dem neuen Geschäftsführer Dirk Rohrbach. Das Füchse-Urgestein – der ehemalige Stürmer stand bereits mit drei Jahren auf dem Eis, sein Opa war im Jahr 1932 Gründungsmitglied des Eissports in Weißwasser  –  stellte den Club neu auf. ­„Früher als Trainer durfte ich das Geld ausgeben. Jetzt war ich plötzlich dafür verantwortlich, dass möglichst viel Geld reinkommt. Das war Neuland für mich“, blickt der 46-Jährige auf seinen persönlichen Seitenwechsel ins Büro zurück.

Sein Hauptaugenmerk: Rohrbach will die Marke Lausitzer Füchse nicht nur in Weißwasser, sondern in der gesamten Region noch bekannter machen. Dafür vergrößerte er das Team der Geschäftsstelle und ­intensivierte auch die Marketing-Aktivitäten. Inzwischen geben die Füchse pro Saison etwa 100 000 Euro für Werbung und ­Marketing-Maßnahmen aus. „Es ist gut angelegtes Geld, weil dadurch auch wieder Geld reinkommt und wir unser Netzwerk stetig ver­größern“, ist Rohrbach überzeugt.

 Dirk Rohrbach ist seit 2016 Geschäftsführer.
Dirk Rohrbach ist seit 2016 Geschäftsführer. FOTO: Thomas Heide

Die Aufbauarbeit scheint sich zu lohnen. Die Saison 2016/17 war laut Rohrbach die wirtschaftlich beste in der Weißwasseraner Eishockey-­Geschichte. Weil die Füchse mit einem preiswerten Kader unter Trainer Hannu Järvenpää sehr erfolgreich spielten und am Ende der Hauptrunde den 6. Platz belegten.

Der Sponsorenpool ist von 130 im Jahr 2016 auf knapp 200 Geldgeber gewachsen. Durch die Mehreinnahmen im Bereich Sponsoring sowie Ticketing konnte der Gesamtetat auf 2,7 Millionen Euro aufgestockt werden. In der laufenden Spielzeit sind die Lausitzer Füchse als Tabellenführer der DEL2 drauf und dran, die sportliche Ausbeute der Saison 2016/17 noch zu toppen. Zumal der Kader viel breiter aufgestellt ist als vor zwei Jahren. Die Füchse haben 25 Spieler unter Vertrag. Dazu kommen fünf Förderlizenzspieler vom Kooperationspartner Eisbären Berlin, der ebenfalls ein wichtiger wirtschaftlicher Eckpfeiler ist. 30 Spieler – das ist für Zweitliga-Verhältnisse eine beachtliche Breite, entspricht aber der aktuellen Philosophie. „Wir ­wollen schnelles Hockey spielen. Dafür brauchen wir vier Sturm­reihen“, betont Rohrbach.

Etwa 800 000 Euro geben die Füchse nach RUNDSCHAU-Informationen für den aktuellen Kader aus und damit so viel wie noch nie. Aber nicht, weil die Spieler so teuer sind, sondern weil der Kader so breit aufgestellt ist. Geht der Höhenflug weiter, kommen weitere Kosten dazu. In den Verträgen der Spieler sind individuelle Erfolgsprämien vereinbart – bis hin zum Meistertitel. Diese Prämien würden mit insgesamt rund 100 000 Euro zu Buche schlagen.  Jeweils weitere 50 000 Euro werden fällig, wenn die Füchse  in Halbfinale sowie ins Finale einziehen, weil dann die Arbeitsverträge der Spieler bis zur letzten Partie verlängert werden. ­Üblicherweise laufen die Verträge nur bis Ende März.

„Mein Credo ist es, ein gesundes Risiko einzugehen, um die sportliche Basis zu stärken“, sagt Geschäftsführer Dirk Rohrbach. Man sei auf gutem Weg, die Erfolgs-bedingten Mehrkosten für die laufende Saison abzudecken, ver­sichert Rohrbach mit Blick auf den teuren Höhenflug.